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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-12-28 · Heft 45 (28.12.1882) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 45 (28.12.1882)
Date
1882-12-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Sie von dem Lobe, das ich gerechter Weise der löblichen ,Gemeinde bei meinem Austritte spende, Notiz nähmen, um ihr damit einen würdigen Beamten zu verschaffen. Empfangen Sie den Ausdruck meiner vollkommensten -Hochachtung. Ihr ergebenster S. Gütig. Folgende in der amerikan.-jüd. Zeitschrift ״Der Zeitgeist" erschienene Notiz wurde uns behufs Veröffentlichung eingesendet, welchem Ersuchen wir Nachkommen zu müssen glauben, da sie für die Cantoren von Interesse ist. Löbliche Redaction! Wollen Sie freundlichst einem Fremden, der kaum noch den Fuß auf den jungfräulichen Boden Amerikas gesetzt, gestatten, jenen Eindrücken einen schwachen Ausdruck geben zu dürfen, die er im Verlaufe des hohen Versöhnungstages 'erhalten. Von Wien, meiner Vaterstadt, der Stätte der Musen und Grazien, der Lebenslust und Lebensfreude vor wenigen Wochen kurz vor dem großen Tage hier eintreffend, mußte ich mich selbstverständlich, um meiner Pflicht als guter Jude zu genügen, nach einem Gotteshause Umsehen. Man empfahl mir die Broadstreet-Synagoge. Ich wählte nicht lange und begab mich dahin. Machte schon die äußere Erscheinung dieses impo- -santen und seinem Zweck ganz entsprechenden Gebäudes einen ergreifenden Eindruck auf mich, so daß ich unwillkürlich die Worte im Munde führte מה טבו אהליך יעקב משכנותיך ישראל so waren die inneren Räume ganz dazu geeignet, diesen Eindruck zu erhöhen. Thronen der Freude und Rührung traten -in meine Augen und mit Salomon sprach ich in meinem Herzen: ״Gelobt sei Gott, der seinem Volke Israel in diesem Lande Ruhe geschenkt!" Nicht minder ergreifend und erbauend war der Gottesdienst in allen seinen Theilen: die herrlichen, andachterweckenden Chöre, die lichtvollen, schwungvollen Predigten, die große Schaar der Beter — Alles das versetzte mich in eine höhere Sphäre und Wien und die ganze Außenwelt war ver- Hessen. Was aber im Besondern meine Aufmerksamkeit fesselte und wie durch einen Zauber festgebannt hielt, war der ehrwürdige, würdevolle Greis am Betpulte. Wie ein Hohe- Priester im weißen Gewände und strahlenden Antlitzes stand er da vor seinem Gotte, Segen und Trost sprechend nach allen Seiten. Von seinen Lippen floß das göttliche Wort des Gebetes rein und lauter, wie erquickender Himmelsthau. ׳Mein Ohr lauschte mit seligem Vergnügen seiner lieblichen, süßen Stimme. Ich konnte kaum meinen Sinnen trauen, daß ein Mann von 80 Jahren Solches noch leisten könne und es drängte mich, an meinen Nachbarn die Frage zu stellen, wer denn eigentlich dieser Mann sei? Das ist unser Fränkel, war die Antwort! Ein Mann, der schon volle 40 Jahre seines -Amtes als Chasan mit solcher Gewissenstreue und Frömmigkeil waltete, daß er das ungetheilte Vertrauen nicht nur seiner eigenen Gemeinde, sondern der ganzen Judenheit der Stadt im vollen Maße besitzt. Dabei ist er Verfechter und -Beschützer der Armen, Kranken und Leidenden und trägt somit eine Krone, die die kostbarste ist von allen, ״die Krone des guten Namens! Befriedigt verließ ich den Tempel, über in ׳mein Herz zog der Gedanke ein, daß wie Wien seinen!berühmten Snlzer, Philadelphia einen Cantor besitzt, der -Schönes und Edles in sich, vereinigt, worauf, ganz Israel Amerikas mit Stolz und Freude blickt. Heilder Familie, die seinen Namen trägt. Achtungsvoll Moses Kronauer aus Wien. ׳ Unter vielen anderen Gratulationen erhielten wir folgenden' humoristischen Gruß von unserem geehrten Collegen Z ad eck in Cottbus, und wollen wir denselben auch unseren Lesern nicht vorenthalten. Herzliche Gratulation zum Geburtstage der ״Oesterreichisch-ungarischen Cantoren-Zeitung". Sei mir gegrüßt aus weiter Ferne! Ach, wie sehr gern' Hätte die Segenswünsche aus meiner Seele tiefstem Schacht Ich. persönlich heut Dir dargebracht! Denn zu großem Dank sind wir Alle Dir verpflichtet! Einen Bund des Friedens und der Liebe hast Du errichtet. Ein hochedler Beruf, eine heilige Aufgabe wurde Dir zu Theil, O, wachse, blüh' und gedeih' zu unserm Heil! Entschwunden ist nun ein volles Jahr, Seitdem Du gleich einem jungen mächtigen Aar Deine Schwingen über uns ausbreitest Und mit Belehrung und Aufklärung uns leitest! Mit den köstlichsten Gaben Kannst Du uns laben, Dein theures Antlitz hat uns immer hocherfreut! Und doch haben nicht Alle Rosen nur dir gestreut Auf Deinen sandigen Lebenspfad. Man versuchte zu zertreten die goldene Saat, Auch die Dornen blieben Dir nicht erspart Und doch bist Du noch so jung, so zart! Es schmähten und grollten, Die Deine besten Freunde und Gönner sein sollten! Nicht ohne Aerger sind deine Tage dahingefloßen! Aber unbeirrt und unverdrossen Wirkst und strebst Du erfolgreich In jeglichem Bereich. Denn in Deiner Eltern Arm Ruhst Du sanft und warm! So wünsche ich Dir zum Jahresbeginn Heiterkeit, Geistessrische und fröhlichen Sinn! Noch lange mög'st Du ausharren auf Deiner treuen Wacht! Auf Deiner Fahne leuchtet ja ״holder Friede, süße Eintracht" Behüte Dich Gott vor Kummer und Verderben; Leben sollst Du und nicht sterben!! O, mögest Du an Deinem nächsten Geburtstage Neu erstehen in einer viel größer» und stärkern Auflage! A. Zadeck, Cantor in Cottbus. Kleine KHronik. Wien, 27. December. Aus Anlaß des 600jährigen Habsburg-Jubiläums fanden heute in beiden Tempeln der Cultusgemeinde, im Tempel der türkischen Jsraelitengemeinde, sowie im israelitischen Taubstummeninstitute feierlich? Gottesdienste statt, die sich überall zu einer wahrhaft patriotischen Feier gestalteten, in welchen in Wort und Lied der Segen des Allmächtigen auf das gesalbte Haupt unseres erhabenen Monarchen, sowie auf das ganze Kaiserhaus herabgefleht wurde. ׳ ־£&C־< -v *¥:־ :

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