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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-12-12 · Heft 43 (12.12.1882) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 43 (12.12.1882)
Date
1882-12-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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s Die wahre Position. Motto ״Töne, die vom Herzen klingen. werden stets zum Herzen dringen". Jeder Beamte, der vom Ernste seines Amtes beseelt, seinen Amtsobliegenheiten pünktlich und mit Gewissenhaftigkeit nachzukomnttn bestrebt ist, wird nach vollendeter Amtspflicht oder zu gewissen Zeitperioden auf seinen Handel und Wandel einen Rückblick werfen und an sich die Frage richten: Habe ich meine Amtspflichten gehörig erfüllet, den an mich gestellten gerechten Anforderungen Genüge geleistet, das in mich gesetzte Vertrauen cerechtfertiget rc.? Kann sich der Beamte, der seine Bürde mit Würde trägt, diese innere Frage bejahen, so folgt hierauf der wahre Lohn d. i. das süße Bewußtsein treu erfüllter Pflicht, falls er aber die Frage verneinen muß, stellt sich bei gutem Gewissen die Mißmuth ein. Es folgt hierauf die Kritik, die Correetion, und das Normativ für seine ferneren Amts- Handlungen, welches ihm als Leitstern dienend, ihn continuirlich immer näher und näher zur Vervollkommnung seines moralisch, sittlichen Lebenswandels führt. Wenn nun diese Verfahrungsweise bei jedem weltlichen Amte opportun scheint, so ist diese bei dem geistlichen und heiligen Amte eines Cantors geradezu Pflicht. Der Cantor als Mandatar seiner Gemeinde übernimmt bekanntermaßen die hehre Mission, während des Gottesdienstes die Andacht bei seiner Betversammlung zu erwecken, und diese vom Anbeginne bis zur Vollendung des Gottesdienstes rege zu erhalten. Denn in der Lösung dieser hohen Aufgabe culminirt die eigentliche Agende des Cantors und ist dies die wahre Position, auf welcher der Cantor zu stehen berufen ist. Um aber die Aufgabe der Andachtserweckung zu lösen, müssen viele Fähigkeiten und Umstände harmonisch zusammenwirken, und dies bleibt immerhin noch ein schweres Ding. Demungeachtet kann jeder Cantor, der seine Agenden vom gehörigen* Standpunkte betrachtet und nicht unberufen ist, im erwähnten Punkte der Audachtserregung ein Ergebniß in genügender Art erzielen, wenn derselbe auf jener Position steht, die er einzunehmen in erster Reihe berufen ist. Welches ist aber jene Position? Gewiß würde diese Frage von mehreren Amtsgenossen, gemäß deren individuellen Auffassung verschiedenartig beantwortet werden. Während Einer den Talisman der Andachtsstimmung in der Effect machenden Stärke der Stimme, der Andere im schönen Singen, zierlichem Schnörkel, in kunstfertigen Coloraturen, welche gleichsam die Ornamente des Gesanges bilden, findet, würde der Dritte dies im Stoßseufzer und vielleicht, behufs Entwicklung der vollen Stimme, in den nothwendigen Hand- und Leibesgeftiüllationen finden. Dem Grundsätze unserer Weisen ,.דברים הי21אים מן הלב נכנסים אל הלב" huldigend, und auf Grund eigener Erfahrung, wage ich in der Voraussetzung, daß ich die. Majorität der Cantorenwelt für mich habe, die Behauptung, daß nur wahre subjective Andacht, frommer und ungeheuchelter Vortrag jene Position ist, von welcher der anzustrebende Zweck der Andachtserregung התעוררות sich am sichersten und schnellsten . ergibt. Nicht lärmendes Schreien, noch zierlicher Singsang, sondern Andacht mit gehöriger Anwendung der hiezu gehörigen Mittel, die wahre PD1D es ist, welche die Andacht erregt, den Gottesdienst belebt, wie unsere Alten sagten:תפלה בלא כזונה כגוף בלא^נשמה Dem Profeten Eliahu, als er in dem bergerschütternden Orkane das Vorhandensein der Göttlichkeit zu vernehmen wähnte, wurde die Vision 'fl לא ברעש• Als er in dem Glorienscheine der Feuerherrlichkeit die himmlische Hoheit zu schauen gedachte, wurde ihm zugeflüstert 'fl לא באש- Aber das קול דממה הקא das war die Gottesstimme, welches auf ihn jene Wirkung übte, daß er mit seinem Mantel das Antlitz verhüllte, und mit Begeisterung der göttlichen Offenbarung lauschte. Dasselbe Bewandtniß hat es mit dem Vorträge des Cantors. Stärke des Stimmklanges, liebliche Gesang-Coloratur und alle die übrigen נבלים נכלים שונים sind excellente Mittel zur Verherrlichung des gottesdienstlichen Gesanges, sind wohl geeignet Beifall und Bewunderung zu erregen,,לא ברוח לא ברעש׳ ולא באש ד׳ sondern הול דממה דקה fromme Andacht, ungeheuchelte Gesinnung ist eine unerläßliche Bedingung, von Seite des Cantors ja eine Conditio sine qua non, wenn derselbe auf der Höhe seines Berufes stehend, den an ihn gestellten Anforderungen pflichtgemäß zu entsprechen bestrebt ist. Es sind demnach zu diesem Zwecke für den Cantor folgende höchst nothwendige Bedingungen unerläßlich: 1. Ein moralisch unanfechtbarer und sittlich religiöser Charakter, damit derselbe seitens seiner Gemeinde des nothwendigen Vertrauens einer ungeheuchelten Intention gewürdigt, und keinerlei Simulation verdächtiget werden kann. 2. Gründliches Verständniß des vorzutragenden Textes. Jenen Cantoren, denen es nicht vergönnt war, in ihrer Jugend das gehörige Maaß von hebräischen Kenntnißen sich anzueignen, müssen im Interesse ihres heiligen Berufes bemüht sein, sich wenigstens in den Part des Vortrages einzuweihen. Denn Berständniß des Textes gepaart mit andächtigem und frommen Sinn bietet dem Cantor und Vorbeter die Handhabe, mit welcher er seinem Vortrage jene gehörige Poinlirung und Nuance zu geben vermag, welche dann den Weg am schnellsten und sichersten zum Herzen findet. 3. Innere Seelenruhe und wenn nicht froher, doch ruhiger Gemüthszustand, das sogenannte רחבת הלב• Es ist zu beklagen, daß der Cantor in der Provinz und Kleingemeinde in Folge der Widerwärtigkeiten, in die er durch den ohne Mittel intact zu haltenden Chor geräth, der Chikanendie er oft in ungerechter Weise von einem xarvonu rc. zu erdulden hat, des Druckes materieller Sorgen, denen er manchmal ausgesetzt, selten mit Ruhe und Zufriedenheit an den Betpulr hinzutreten vermag. Allein so der Cantor auf seinen Functionsposten tritt, und fein Amt vom Gesichtspunkte der priesterljchen Würde auffaßt, ergeht an ihn der Mahnruf: של ועליך מעל רגליך בי המהום אשר את עומד י •& עליו אדמת הדש הוא■ in figürlicher Ueberfe|1mg, um der heiligen Sache willen, müssen auf dieser Stelle, Dinge kleinlicher Art und privater Natur weichen. Demnach sind oberwähnte drei Cardmaleigenschaften als wesentliche Vorbedingungen jedem Cantor zur Lösung jener Hohen Aufgabe nöchig, die an ihn von Seite seiner Gemeinde gestellt wird. Gefälliges Exterieur, Stimmmittel und hoher Sinn sind Gaben der Natur, welche die Person des Cantors schmücken und ihn zur persona Zrata der.Gesellschaft machen aber das Gepräge der priefterlichen Würde drückt demselben nur moralischer Charakter, echt religiöser Sinn und Intelligenz auf. Es ist nur dies die wahre Position, von welcher der Cantor im echten und gerechten Sinne seines Berufes in Bezug auf das

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