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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-12-12 · Heft 43 (12.12.1882) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 43 (12.12.1882)
Date
1882-12-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Zeiiunf fßriimimeratillNS-Prels^ für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Für das Ausland: Ganzjährig . . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 Safttllang l»'i Organ die Grsammt-InterrsZell jüdislher Gllutorm. Erscheint jeden achten Hag. / DrrrlrrLlrorn 'Administration LcopolLstadt, ) Tircusgasse Nr. 20. Begründer: Obercantor Zcrkoö Mcruev. Inserate werden billigst berechnet. I Manuscripte werden nicht retourmrt. Ar. 43. Wien, 12. December 1882. 2. Zahrgang. Nur selten ist es uns vergönnt, mit wahrer Liebe, mit ungeheuchelter Freude an die Erfüllung unserer journalistischen Pflicht zu gehen. Nur zu oft mussten wir, von Zorn und Schmerz bewegt, unsere Feder in Wermuth tauchen. Wurden und werden doch die Bestrebungen zur Hebung unseres Standes, die - all unser Denken und Fühlen in Anspruch nehmen von gar vielen Seiten angefeindet. Wie einst die Juden unter Nehemia, müssen wir mit der Kelle in der einen Hand, mit dem Schwerte in der anderen, zugleich bauen und Angriffe das Schwert, zu entsinken, doch da kamen Momente erhebender Freude, die uns allen Unbill vergessen machten, die.unsere Kraft erfrischten und Muth und Hoffnung auf’s Neue belebten. Ein solcher Moment ist jetzt da. Alle vereinigen sich zu einer erhebenden Feier, die aufs Neue die Zusammengehörigkeit unserer Standesgenossen documentiren wird. Gilt es-doch einen Mann zu feiern, der' ein ganzes Leben der heiligen Kunst geweiht, der Kunst, die den Menschen über alles Irdische erhebt, ihn jeden Schmerz und allen Kummer vergessen macht. Und dass Josef Goldstein ein gottbegnadeter Künstler ist, das beweist sein ganzes Leben, das so klar wie ein Spiegel vor uns liegt. Er gehört zu jenen Auserlesenen, an deren Wiege sich schon die Musen einfinden, um sie fürs ganze Leben zu ihren Lieblingen zu erkiesen. Und ihm sind sie-stets treue Begleiterinnen geblieben, sie haben ihn das Höchste erstreben und erreichen lassen, . Oder grenzt es nicht an’s Wunderbare, wenn ein zehnjähriger Knabe als Vorbeter fungirt,’ wenn ein Elfjähriger Kunstreisen durch Oesterreich und Deutschland unternimmt, die-ihm Ehre und Anerkennung in reichstem-Masse einbringen? Als Wunderkind wurde er überall, wo er sich nur hören liess, angestaunt und gepriesen. Und nur so können wir es uns erklären, wenn er schon, mit fünfzehn Jahren wohlbestallter Cantor war. Seine wunderbare Begabung brachte es aber mit sich, dass er nicht lange im Verborgenen bleiben konnte. Er wurde von einem seiner Gönner bewogen, sich der profanen Kunst zuzuwenden und so wäre. Goldstein vielleicht seinem heiligen Berufe entrissen worden. Dies war um so wahrscheinlicher, als ihm von allen Seiten Auszeichnungen winkten und er schon nach kurzer Zeit einen Ruf an die Oper in Florenz erhielt Nur die Sehnsucht nach der heimatlichen Erde bewog ihn schonauf halbem Wege zurückzukehren. Als er auf der Rückreise Wien berührte und daselbst den Bau des neuen Tempels seiner Vollendung . nahen sah, erwachte in ihm mit aller-Gewalt die von frühester Jugend auf gehegte Liebe zum Cantorenstande Doctor Jell.inek wurde von seinem Gesänge hingerissen und begeistert. Der geniale Redner erkannte in ihm den grossen Künstler und verglich ihn mit dem königlichen Sänger David. Goldstein wurde sofort in Wien, der grössten jüdischen Gemeinde, wo stets die bedeutendsten Künstler wirkten und wirken, engagirt. Seit jener Zeit hat er zahllose Triumphe gefeiert. Seine wunderbare Tenorstimme, sein weihevoller Vortrag lockt stets Tausende von Zuhörern in den Tempel. Niemand kann dem Zauber widerstehen, den die Töne, die sich seiner Brust entringen, auf Herz und Sinn ausüben. Er versteht es, uns zu führen und zur heiligen Andacht zu‘‘erheben. - Darum ist es nur frommer Egoismus, wenn wir dem verehrten Jubilar den herzlichen. Wunsch aussprechen, dass er noch lange, lange Zeitseiner Kunst lebe, dass er noch viele Jahre im Kreise seiner Lieben verbringe und dass sein Streben auch fortan nach dem Höchsten, was nur des Künstlers Seele erfüllet, gerichtet sei.

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