Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 42 (4.12.1882)
- Date
- 1882-12-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Ist das nicht ein prächtiges WortFwürdig eines Spiüoza? - Birgtes nicht den richtigen und׳ freisinnigen Gedanken, daß! die Wunder der Natur'Herrlicher und großartiger sind, als! alle jene Wundermärchen, welche die religiöse Phantasie! früherer Zeiten der kindischen?Menschheit zu erzählen wußtet! Wie freisinnig sind׳ nicht ׳manche Aussprüche über die! messianische Zeit- Abgesehen von H illet, der nicht anstand, zu erklären, Israel habe keinen Messias zu erwarten^ denn״die auf denselben bezogenen Stellen im Buche Jefäjäh beziehen sich aus die Hiskianische Zeit, so״ behauptet das hvchangesehene Schnlöberhaupt Samuel) die nies sianisch-e-n Zeiten u n t er sch ci d c u s i ch fco n: d e n. geg e nw ä r ti g e n Nur da d u rch, d a ß' I s17 aef nicht mehr geknechtet sein wird.- In die moderne Ausdrucksweise übersetzt heißt dies also: Der Messias ist die Emanzipation! Welch eine aufgeklärte Vorstellung hatte dieser Amoräer von dem Messianismus! wie beschämt er die Orthodoxie der Gegenwart, welche noch heute alle diejenigen verdammt, welche es wagen, ähnliche freisinnige Ideen zu äußern. Hillel hob das biblische Gesetz vom Schuldenerlaßfahr auf, weil es nicht zeitgemäß war." (Gittiu.) Die Rabbiner haben die biblisch gebotene Schwagerehe (Jibbum) abgeschafft und Chatiza dafür gesetzt; das strenge Gesetz über den widerspänstigen Sohn ist de facto aufgehoben; ebenso das Strafverfahren gegen die des Ehebruchs angeklagle Frau (Sota.) Auch das biblische Gebot Egla-arusa gerieth in Verfall. Das biblische Gesetz: ״Aug um Auge, Zahn um Zahn", reformirte der Talmud und bestimmte, daß ein Ersatz an Geld genüge. (B. Kama.) Im Namen von R. Joch an an — dem angeblichen Verfasser des jerusalemischen Talmuds — wird auf dem Schriftvers 1m hohen Liede: ״Sie setzten mich ein zur Hüterin der Weinberge, meinen Weinberg habe ich nicht gehütet", die hübsche Deutung gemacht; ״warum muß ich Weinberge hüten? — d. h. warum muß ich außer Palästina so viele Satzungen üben? — weil ich meinen Weinberg nicht gehütet — d. h. weil ich in Palästina die einfachen religiösen Vorschriften vernachlässigte. Warum muß ich in Syrien — d. h. außer Palästina — zwei Festtage begehen? weil ich im eigenen Lande den einen nicht beachtete!und R. Joch an an — hört!— wendet darauf den Spruch an: ״ich habe ihnen Gesetze gegeben, die nicht gut sind, und Satzungen, mit denen sie nicht leben können", (Ezech. 20, 25.) — darauf wird berichtet, daß man zu Alexandrien am ersten Tage des Hüttenfestes, der auf einen Sabbath fiel, den Feststrauß zur Hand nahm — d. h. daselbst keinen zweiten Feiertag hielt und deßhalb die bezügliche biblische Vorschrift am ersten Tage übte, auch wenn er auf einen Sabbath traf. (Erubin.) Dr. G. (Fortsetzung folgt.) Die Mische Lanlorenfainilie kränket. (Grünstädter Kinder). Carl Frankel, ein ruhiger, überlegter, gemüthlichliebenswürdiger, wohlwollender Mensch, war der herzlichste Amtsgenosse, sein brüderliches Verhältniß in den 38 Dienstjahren mit Reb Kopel Mar kt breiter, Cantor Deutsch (heute Obercantor in Breslau) und Cantor Fischer war wahrhaft musterhaft, das wären würdiA Männer, treu, ehrlich. aufrichtig. Obercantor Go löst ein' könnte es Carl Frankel nie vergessen, mit welcheö'Bravour der Ehrenmann- Fränkel dem 20jährigen Gold-stein bei seinem Probegottesdienst im Wiener Stadttempel׳' unterstützte und die Chöre leitete. Goldftein sagte immer unser Vater Fränkel! Carl Fränkel war ein Stück Alt-Wien׳; er sang im Jahre '!848! ׳ am Grabe der Märzgefallenen mit Nestor Sulzer!! Als im Jahre -1848 der Arzt der Wiener Cnltnsgemeinde i Dr. Franken st e i n (Vater der berühmten Schriftstellerin; Hermine Franke äste in) im Sterben tag, ließ er seinen z Freund Fränkel nochmals zu sich bitten, Fränkel überj stieg die Baricaden und ging im Kugelregen in die Leopoldstadt, \ Dr. Frankenstein starb in seinen Armen!! In der Zeit des höchsten Goles that der hochgeachtete!Fränkel in aller Stille (nur der sel. Prediger Mann-,! heimer wußte oft davon) viel Gutes; der gefürchtete kais.! Rath Felsenthal und sein Diener Christian hatten auf ,Fürsprache des geraden unerschrockenen Fränkel, der in! seiner baierischen Pfalz unter französischer Regierung aufgej wachsen, Furcht und Kriecherei nicht kannte, manchen Glaubensbruder entlassen, unser Zadik Mannheimer hatte seine glückselige Stunde mit Fränkel, wenn so einem Unglücklichen geholfen wurde. In die Pfade Fränkels als tüchtige Bassisten traten j seine Schüler Radwaner und Robitschek, die renommirte! Opernsänger wurden. Das originellste Verhältniß hatte Fränkel zu seines Schwagers Sulze r's Kinder: Sulzer hatte 14 Kinder, I aber der Künstler Sulzer batte Compositionen im Kopf,״! die Kinder hatte der geduldige Fränkel auf sich, die ihn׳ auch innig liebten, er überwachte sie in Schule und Haus, | kaufte die Ausstaffirung zur Hochzeit, war pünktlich in der Oper, als die beiden Töchter Sulzer's Primadonnen waren. ‘ Sulzer's Frau starb inFrünkel's Armen; schließlich holte F r änk el unfern Nestor wie eine pünktliche Uhr zu Functionen und in's Gotteshaus volle 38 Jahre! j Frank elwar von den Andersgläubigen sehr geschätzt, er wurde in der Re a c t i o n sz e i t zum Wiener Bürger ernannt, j seine Gattin eine Wohlthäterin im wahren Sinne des Wortes,! erhält volle Pension, in einstimmiger Anerkennung der Wiener I Israel. Gemeinde. 1 Wir bringen schließlich für Carl Frünkel's zahlreich! Schüler, Verehrer, Freunde zur Erinnerung, den Nekrolog vom! 48er Reichsrathe Präses des Sicherheitsausschusses der Stadt Wien und des Ministerialrathes Dr. Adolf Fischhof. Dr. Fischhof's Nekrolog in der ״Jsr. Neuzeit". (Ein Brief Fischhvf's.) Der Nachruf, welchen wir dem nun verewigten Chordirigenten Herrn Fränkel gewidmet, brachte nur eine Würdigung, die dem Dahingeschiedenen im ׳ ganzen Kreise seiner Bekanntschaft entgegengebracht wurde,! zum Ausdrucke. Bezeichnend für die Achtung, die der Verstorbene; genoß, ist das Beileidsschreiben, welches unser verehrter Freund, I Fisch Hof, der Manu, der niemals der bloßen Cvnvenienz! eine leere Phrase zum Opfer bringt, an die Hinterbliebenen richtete und das wir hier folgen lassen, weil es ebenso charakteristisch als ehrend sowohl für den Nekrologisten als für den Betrauerten ist. Fischhof schreibt an die Witwe: ״Die Zeitungskunde vom Dahinscheiden Ihres vortrefflichen