Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 42 (4.12.1882)
- Date
- 1882-12-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Lassen wir diese ungemein delikate aber wichtige AnM5MWt auch ferner auf sich beruhen^, ss wird unter diesem haltslosen aber prächtig gedeihenden Unkrautes der zarte würzige Duft des edlen Pflänzchens erstickt, die ihrer schönen Aufgabe eutgegenkeimende Rosenknospe in ihrer Entfaltung gehemmt. Die Strebsamkeit unserer anerkannten Meister muß. erlahmen —: die. Schaffenskraft der emporringenden wirklichen Talente sich einem anderen Gebiete zuwenden. Dieser bedauerlichen Erscheinung begegnen wir im hohen Maße bei den nachgelassenen Tonschöpfungen unseres verewigten Lywenstnmm. Welch' herzerquickende Schaffensfreudigkeit, welch' fachmännisch-ideale Anschauung, welch' historisches Verständniß ruht in diesen seinen zahlreichen Arbeiten und dennoch lagen dieselben schon seit Jahren in seinem Pulte unbeachtet und lägen vielleicht noch bis nun an dem stillen Orte, wenn nicht ein glückliches Ungefähr es so geleitet hätte, daß der Sohn des verstorbenen L ö w enst a m m, Herr Musikmeister F. I. L ö w e nstamm, selbst einer der hervorragendsten Chorcomponisten der österreichischen Residenz, in objeciiver Werthschätzung der vorgefundenen Compositionen seines Vaters, den Entschluß gefaßt hätte, den reichen Stoff zu sichten und diese für die Geschichte bes Synagogengesanges hochschätzbaren Kleinodien der Mitwelt zu überliefern. Man kann unmöglich annehmen, daß Lvwenstamm, der seit Decennien einer der ersten Gemeinden des Judenthums als Obercantor Vorstand, der ein Künstler edelster Art, ein Chasan seltener Eignung war, bloß aus Schüchternheit seine Werke dem jüdischen Gottesdienste vorenthielt; Löwenstamm, der seine Schöpfungen mit seinem Herzblute niederschrieb, war von der Trefflichkeit derselben ebenso überzeugt, als jeder von uns sein muß, der sie objectiv dnrchstudiert — allein er scheute den Ringkampf mit so vielen Krüppelerscheinungen, indem in seinem Herzen nur zu mächtig der Ausruf unseres Lehrers seitigen, will ich dir alle Schaufeln abkaufen, um dadurch unsere frühere Freundschaft um so sicherer und fester wieder herzüstellen". — Reb Beer horchte. Bei der Erwähnung der Schaufeln aber sprang er entrüstet in die Höhe. ״Die Schaufeln behalte ich — denn ein Menschenalter lang habe ich wegen derselben Spott, Aerger und Verdruß genug gehabt — das ist jetzt vorüber — ich will davon also nichts mehr sehen — nichts mehr hören". Als jedoch Reb Hersch anfing zu bieten und immer höher bot und schließlich den Tisch mit vielen Banknoten bedeckte, da siegte auch in Reb Beer Bock die alte Freundschaft. Thränenden Auges ergriff er mit der einen Hand das Geld, — mit der andern seinen alten lieben Freund nach dreißigjähriger Feindschaft — und in den 3 Armen lagen sich beide. Schnell wurden nun die Schaufeln verladen und zu Reb Hersch Fuchs gefahren.- Dort liegen sie gewiß heute noch — der Herr Ingenieur hat sich nie wieder blicken lassen. Reb Hersch Fuchs sieht Reb Beer Bock gar nicht mehr au, seitdem der Letztere ihm eines Tages auf der Straße mit den Worten begrüßte: ״Guten Morgen Freund Reb Schaufel-Fuchs". Schluß. ׳ Mose wrederhallte "עליה ידידה היא — und erringe ich : «mMfjneL Sieg» so Ware derselbe. Manchem gegenüber, dennoch:-Nur sM Verlust. Das die alleinige Ursache, wenn dieses erste Heft der LLwen sta m m'scheu Gesänge erst heute, und zwar nach fernem Ableben, vor uns liegt. זמירות לאל הי Seine Gesänge sind demnach seinem Gotte gewidmet, jenM Gotte, dem er so treu gedient, so ehrfurchtsvoll, so demüthigz. wie die Tonweüen der ersten Nummer Ala towu von der Tiefe sicherheben, um dann im mächtigen Zusammenklingen Gott und feine Güte zu preisen; die einfache Zeichnung in den ersten Tacten dieses Na towu (G־dur % Tactl beabsichtigt nicht die Pracht der Gotteswohnung, sondern die Lieblichkeit derselben zu veranschaulichen, darum der bescheidene Unisono-Einsatz mit der Dominante und die anspruchs lose beinahe jeder Modulation bare Fortbewegung der nächsten Accorde; — nichts weiter als der Charakter erhabene Würde soll vorgeführt werden, trotz des geradezu pompösen Aufbaues der Nummer (Chor, Recitativ, Solo-Terzett, Chor). Allein dem forschenden Blicke begegnen überall feine, musikalische Wendungen und musikalische Absichten und allenthalben macht sich die streng waltende. Hand des Meisters bemerkbar. Ständen uns Musiktypen ') zur Verfügung, so wäre es eine anregende Obliegenheit, auf gewisse Detailzeichnungen hinzuweisen, deren sich L .... namentlich in der Musikillustration des Wortes befleißigte — so z. B. tritt nach den ruhig dahintönenden vier ersten Tacten des oben erwähnten Na towu mit einem Male der Tenor bei dem Worte Mischk* noseclio mit einer kühnen Panage vom Grundton bis zur Sexte auf, als Andeutung, daß das Niscllkan soeben bis zum Giebel fertig wurde, in Wirklichkeit jedoch, um die leichte Modulation nach D dur noch fließender zu vermitteln. — Hier wechselt plötzlich die Situation, indem nach der freudigen Schilderung der Lieblichkeit der Gotteswohung Na tou-u oholeeho ja^kow, 1mschkenoseeho jisroel — das demüthige Verhältniß des Menschen zu seinem Schöpfer zu Tage tritt: brow ehasdecho etc. — der kaum gewagte Gedankenaufschwung muß gewaltsam gehemmt werden und einer anderen Gedankenrichtung Raum gewähren. — Diese beiden auffallenden Gegensätze im Texte können unmöglich durch beliebiges Einzwängen in eine einheitliche Melodie zusammengeschweißt, sondern der Musikgedanke muß entsprechend dem verschiedenen Inhalte auch verschieden gestaltet werden. Welch' hohen Genuß gewährt es nun, dieser gewonnenen Anschauung gemäß, der Gestaltungsweise Löwenstamm's nachzuforschen und zu prüfen, wie ihm diese Arbeit gelungen. Nachdem er bei der Endsilbe des Wortes .jisroel glücklich nach D dur angelangt, sieht er sich veranlaßt, eine neue u. z. eine Molltonart auftreten zu lassen — wohin soll er nun seine Schritte lenken? — Von D diu■ nach G in oll wäre zu wenig zweckentsprechend; — von Ddur durch Vermittelung eines Septimenaccordes nach E moli ist ein sehr oft angewendeter Gemeinplatz, zudem würde eine Vermittelung der Ueberleitnng die Trennungslinie der beiden Situationen zu sehr verwischen: von O dur nach R inoll ist verwandt, hielte demnach die Gegensätze auch nicht genügend auseinander. — Löwenstamm durchblitzt eine kühne Idee; — er modulirt direct von D dur nach D moll, nach nur ganz kurzent Aufenthalte nach A moll *) Ein zarter Appell an die Liebenswürdigküt der Wohllöblichen Redaction.