Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 42 (4.12.1882)
- Date
- 1882-12-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3452870-3452911--0370-3454403- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Auslassungen herabgewürdigi wird, deren Spitze Häufig zu geiftesstumpf ist, um verletzen zu können. Bezeichnend aber ist es. daß solche gegen den Geist des■: Judenthums sündigende oratorische Functionäre, theoretisch oder practisch als — ״Talmudjuden" —cocettiren. Die Glanzseite des Talrnud gerade besteht in. der hohen Verehrung, welche er den Bekennern des Judenthümes für die Leiden intellectnellen Träger der Gemeinde, den Lehrer (m) und den abgesandten Vertrauensmann für die Andacht (..שליח ׳^ב1ד) einflößt. Gott der Herr selbst hüllt sich in die Amtstracht des 'Vorbeters und verkündet der Welt die Eigenschaften der Gottheit (•(מלמד שנסעסה הקב״ה כשליח מביר ויקרא ״Ich werde sie erfreuen in meinem Gebethause, nicht steht geschrieben in i h r e m Bethause. Wenn eine Gemeinde betet, betet Gott auch, schließt Gott selbst die Majestät sittlicher Weltordnung in's Gebet ein". Diese Sätze beweisen, wie groß und herrlich die Achtung vor der Cultusgemeinde. im Talmud stch darstellt, wie bedeutsam die Würde dessen ist, der in Lied oder Wort für sie betet und lehrt! Dr. S. Nascher. ־־־־ ד־ך־ זמירות לאל חי Syuagogengesange für Soli und Chor (mir Orgel begleitung: ad libitum) von Max G. Löwenstamm, weiland Obercantor an der Synagoge in München. Kunstschöpfungen bilden den Spiegel für die künstlerische Anschauung und Richtung jener Zeit, der sie entstammen, deshalb muß die fachmännisch-gerechte Kritik, als treue, aber strenge Wächterin, den weiten Tummelplatz der Kunstbestrebung überblicken und jeder neuen Erscheinung die ihr gebührende Werthschätzung angedeihen Lassen. . Das Bedeutendewie das Minderbedeutsame muß von ihr väterlich׳ beachtet und sorgsättig geprüft werden, weil selbst dem Unbrauchbaren mindestens das Verdienst der Arbeitsamkeit, also ein immerhin, beachtendwerthes Moment, nicht vorenthatten werden darf. Zwischen diesem Zugeständnisse der guten Absicht und der zweckentsprechenden Lösung der jeder Schöpfung innenwohnenden Hochwichtigen Aufgabe liegt jedoch eine weite, weite Kluft, dir keineswegs durch persönliche Zuneigung oder absicht׳ ttches Außerachtlassen der obwaltenden Mängel oder gar durch leichtfertiges Abürtheilen überbrückt werden darf, ohne dabei Gefahr zu Änfrn, den Schweiß des fleißigen Arbeiters als Product der Genialität hinzustellen. — Das hat bekanntlich, nichts miteinander gemein — und dennoch tritt uns jüdischen Cantoren eine ähnliche Erscheinung bei den synagogalen Musik- . schöpfungen der letzten Jahre nur zu deutlich entgegen. Für jedes neu erschienene, wenn auch ziemlich unbe- ן deutende Synagögengesangswerk findet sich ein warmfühlender Anwalt, der mit juristischer Spitzfindigkeit oder in schablonen- Hafter Weise der Mitwelt die Anschauung aufdrängen möchte, das neu erschienene Werk entspreche den an ein ähnliches Anternehmen zu stellenden hohen Anforderungen vollständigst. Ein solches Vorgehen involvirt eine Schädigung der heiligen'Sache, abgesehen davon, .daß diese gedrückten. Lobes- Hymnen dem kommenden Geschlechte ein ganz eigenthümliches .BW -unserer jetzigen Bestrebungen und harmlosen (?)' Anforderungen überliefert. — Es ist daher Pflicht jedes rechtlich Denkenden und namentlich Pflicht unserer Fachblätter (dieser höhen Errungenschaft unseres Zeitalters), den oben erlvähnten Ausschreitungen kräftigst entgegenzutreten, damit endlich der cömponistifchen Freizügigkeit auf synägogakgesanglichem Gebiete gebührende Schranken gesetzt werden? — Mb ״Zchailfrl-Fuchs " Von Alois Kulka Zustimmend erhob er seine Hände 1m& die Fee schüttelte ohne Unterlaß, und aus dem Füllhorn stürzten — Schaufeln und immer mehr Schaufeln und thürmten sich auf zum hohen Berge und verdeckten alle die Geldsäcke und verdeckten mich ihn selbst, immer mehr und mehr und fast war er völlig begraben, da sah er noch wie sich die Fee verwandelt hatte in — Reb Hersch' Fuchs und wie dieser mit grinsendem Hohnlachen das Füllhorn wie toll herumschwang, daß die Schaufeln herausflogen zu Tausenden. Tief aufstöhnend erwachte Reb Beer — das war zu viel — das muß anders werden, murmelte er, während er sich den Angstschweiß von der Stirne wischte. Viele Stunden lang saß er da, stumm und unbeweglich. — Plötzlich sprang er aus — ich hab's, ich hab's — so geht's — so muß es gehen — und nun sofort an's Werk! — Im kühlen Hinterzimmer saß am nächsten Tage Reb Hirsch Fuchs in tiefen Gedanken, darüber sinnend, wie diese neue Zeit des Dampfes auch von ihm ausgebeutet werden könnte, als er nach dem Laden gerufen wurde. Hier stellte sich ihm ein nur wenig deutsch sprechender Herr als englischer Ingenieur vor, welcher die Erdarbeiten bei dem Baue eines großen Theiles der Eisenbahnstrecke übernommen habe, und: theilte ferner mit, daß er für diese Arbeiten zunächst viele! tausend Schaufeln brauche. Aber alle vorgelegten Schaufeln wurden als zu diesem Zweck unbrauchbar gefunden, und schon wollte der Ingenieur den Laden verlassen, als Reb Hersch Fuchs sich der Schaufeln des Reb Beer Bock erinnerte. — Ein Blick, ein Wink, drei Worte und fort ' sanfte die jüngste Stütze des Geschäftes zu Beer, um bald darauf mit einer Schaufel uralten Angedenkens zurück zu kommen. — Ein Freudenruf ertönte von den Lippen des Engländers — das war die gesuchte Schaufel, und schnell war auch das Geschäft geschlossen. Fuchs verpflichtete sich binnen 8 Tagen 5000 Stück Schaufeln nach Muster gegen Casfa zu liefern. Der Ingenieur verließ hierauf den Laden. . So war denn wirklich das erste Geschäft in Eisenbahnbedarfsartikeln eingeleitet. Nun aber galt es vor allen Dingen von Reb Beer Bock schnell die Schaufeln zu erhalten, bevor, derselbe von dem gemachten Geschäfte Kenntniß erhielt. Ein' schweres Stück Arbeit. — Reb Hersch Fuchs ging nun selbst zu Reb Beer Bock. ״Ich kann" sagte er den gegenseitigen Haß nicht mehr ertragen, denn ich bin nun alt geworden und will im Frieden mit Allen in die Grube fahren. Ich mache mir Vorwürfe genug, dir meinem früheren Freund, wegen der Schaufeln so viel Aerger gemacht zu haben, und komme nun zu dir, um mich mit dir zu versöhnen und um das Object des Hasses zu besei-