Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 42 (4.12.1882)
- Date
- 1882-12-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische 7 ד f.i U<i f Prllnllinerlltions-Prei^ für Wien und Umgebung -und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— j Halbjährig . . fl. 3 — Vierteljährig . fl. 1.50 \ —\jx!— | Für das Ausland: Ganzjährig. . fl. 7.— Halbjährig . . fl. Z.50 Vierteljährig . fl. 1.75 s ml. JaRfönno wt jaa*. ׳?־־־־ für öie (§E5ammt - InterPS5n1 inteisdjr t־ Crnitnrni. 1jj ''i LropatdstaLt.!! O r 2 a 11 Erscheint jeden achten Hag. Circusgassr Nr 20. Znscrate >! Begründer: Obercantor Icrkob HKcr1rer7. werden billigst berechn«. 1! Manuscripte werden nicht 1׳ retournirt. __ Är. 42. Wien, 4. Decernber 1888. 2. Jahrgang. Der Talmud und der Cultus. Der Talmud ist seiner Natur nach eine. im siebenten Jahrhundert redigirte Sainmlung academischer Sitzungsberichte von Professoren, Lehrern und Jüngern, welche mit der Schrifterklärung, nach ritueller und ethischer Richtung hin, in sechs Abtheilungen (□"־HB ׳(־״שה theils in homilettscher, theils in, delectischer Discussionsmethode sich beschäftigt hatten. Die erstere Form der Behandlung erstreckt sich auf den religiösmoralischen, die letztere, ausschließlich ,artst^derr confeffionell-- praktischen Theil des Studiums der heiligen.Schrift und lieberlieferung (ימיא־תלמוו) in Kirche. Haus, Feld, Besitz, Recht und sanitätischer Diätetik. Kein Wunder daher, daß in die wogende Fluth wellenschlagender Meinungen mancher Tropfen mit unterlaufen, welchen die Nacht der Unduldsamkeit s ch w a r z, das Blut der Märtyrer roth gefärbt hatte. Selbstverständlich sind viele Aeußerungen, selbst von diesem Gesichtspunkte aus beurtheilt, auch mißverstanden worden, z. B. ist' der Satz: מוב שבגויים הרג so zu übersetzen, besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, es wäre demnach den Torturen, welche heidnische Verfolger auferlegten, der Tod weit vor- Anziehen gewesen. ״Die Tödtung war also das Beste", wasx man von dieser Seite zu erwarten gehabt hätte. Vollständig widersinnig aber ist es, dem Talmud Gehässigkeit gegen das Christenthum vorzuwerfen. Den Heiden gegenüber waren Juden LH um und Christenthum stets solidarisch zu Schutz und Trutz, beide haben zu gleichen Theilen Schaaren von Märtyrern dem römischen Gewissensdrucke gegenüber aufzuweisen und wenn das Wasser sie getrennt, das Feuer des Holzstoffes hat sie im Leben und im Sterben für die Gottesidee in ihrer, von sinnlichen Schranken befreiter Geistigkeit, wie. sie mit erlösender sittlicher Kraft in der Himmelsenge des Men s ch en h e rz e n s aufstrahlt, brü d erlich vereinigt.. Der Stifter der christlichen Kirche war naturgemäß den Lehrern nicht genehm, aus deren Schule er hervorgegangen und deren Lehre er verlassen. Sie konnten seine messianische Berechtigung nicht unerkennen, - gekreuzigt aber - als Thron-! prütendanten Juda's, einer römischen Provinz, harten ihn! wegen Hochverraths — die Römer.; Daß in dieser Zeit unsäglicher Leiden, welche noch die! kommenden Jahrhunderte durchrauschen, an den Bränden und! Trümmern des Lebens und des Glückes der Funke messianischer Hoffnung sich entzündete und zu einer, das Weltgebände umfassenden Flamme aufloderte, ist eine natürliche Folge. Ebenso erklärlich aber ist es, weßhalv der Liederborn der Andacht. der Strom -der poetischen׳ Re d e in den Gemeinden Juda's versiegte und gottgefälliges Gebet in gottesdienstlichen Versammlungen, menschenwürdige That in häuslichen Kreisen und in beiden den gebeugten Geist aufrichtende, das gebrochene Herz erhebende Lehre der Mittelpunkt des Geistes und Gemüthslebens ausmachte. Das ist ungefähr das Bild des Cultus in Lalmudischer Zeit. Es ist natürlich, daß sich aus dem Talmud keine gottesdienstliche Poetik nnd Ae st he Lik — für Wort und Lied — heransstudieren läßt. ' Die sittliche Einwirkung, welche das Schöne der Religion in cultureller Formausprägung ausübt׳ indem sie uns lehrt, sowohl erhaben wollen durch die von Außen her erweckte, ideale Gesinnung, als auch edel begehren durch harmonische Vereinigung der inneren und äußeren Natur, kann daher nicht Gegenstand talmudischer Discussion sein. Nichtsdestoweniger ringt sich aus dem Herzen der Weisen! der Wunsch heraus: ״Ich will schmücken den Altar des Herrn mit der schönen Frucht von des Lebens goldenem Baum' _ -"ואכוהו במצות 1 Und hätte der Talmud nur den einen Spruch uns hinterlassen: ״Liebe den Ewigen, deinen Gott so, daß durch die edle, schöne Form deiner Gottesverehrung die Liebe erweckt werde (ימי* השם השמים מתאד־י על ירך), so wäre mit diesem schon der geistige Grundstein geboten, für den Tempel sittlicher Humanität und humaner Sittlichkeit in Lehre und Gebet. Dieser ist aber weit verschieden von den Andachtsstätten unserer Tage, in denen nicht selten das Gotteswort zum Spielball subjectiver Interessen, wenn nicht gar persönlicher Die nächste Nnrnrner -er ״Oesterr.-nngar. Cantoren-Zeitnng" erscheint Montag, 12. Deeember a. c.