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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-11-26 · Heft 41 (26.11.1882) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 41 (26.11.1882)
Date
1882-11-26
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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persönlichen Rücksichten dienenden Egoismus tragen. Gelingt es der die Herzen bezwingenden und einenden Macht des Ideals nicht sie Zu besiegen, und behalten sie irgendwo und wann die Oberhand — dann ist der Idealismus wieder einmal ein schöner Traum gewesen. Man hat oft. und zwar mit Unrecht, das Materielle und Practische dem Idealen entgegengestellt; in der richtigen Beziehung ist zwischen ihnen kein Gegensatz vorhanden. Nur der findet einen solchen, welcher an dem Materiellen allein den Genuß oder Besitz liebt, anstatt es als Förderungsmittel des Wahren, Guten und Schönen anzusehen, oder der in dem Practischen nur das Geschick in der Erwerbung findet. Wer aber das Materielle als den zur Aus- Prägung des Ideals nothwendigen Stoff, wie es dem Redner das Wort, dem Musiker der Ton ist, ansieht und wer in der Praxis die Fähigkeit erkennt, diesen Stoff richtig zu behandeln, für den sind das Ideale, Materielle und Practische keine Gegensätze. Getrennt von einander richten sie oft das größte Unheil an, mit einander verbunden gewähren sie dem Menschen die höchsten Genüsse und führen Thaten aus, die Mit- und Nachwelt erheben und begeistern. So möge dieser Geist und diese Anschauung im edelsten Sinne ganz Israel, besonders uns Collegen und die ganze Menschheit immer mehr und mehr beseelen, damit der Ausspruch ״Joseph's" als das höchste Gut anerkannt werde. אל תרגז. בדרך Erschwert Euch nicht das Leben Auf Euern Lebenswegen. M. Tintner, Cantor und Lehrer. Bunzlau, Preußen. Gingefenbet. Löbliche Redaction! Ich erlaube mir folgende Fragen, die ich mich selbst zu beantworten bemühte, behufs Veröffentlichung in Ihrem geschätzten Blatte, einzusenden: 1. Frage: כי תעבד את האדמה לא תסף תת כהה לך מג ונר תהיה בארץ. 2. Frage: Wie versteht man die Stelle: אתה עתה ברוך ה'. Erste Frage. (Buch I. Cp. 4. V. 12.) In dieser Strafe Kains ist mir stets unverständlich geblieben, daß dort, wo Kain säet, die Saat nicht gedeihen soll, daß des Menschen wegen, die Erde gestraft werde, sie soll ihre Kraft nicht geben. Es müßte also der Regen, der alle Felder tränkt, Kains Feld trocken lassen, die Sonne, die ihre Wärme und ihr Licht allen Früchten spendet, Kains Saat kalt und unbeleuchtet lassen. Ich kam durch Nachdenken zur Ueberzeugung. daß in diesem Verse das Wörtchen ״Ki" fehlt; denn es muß heißen : ״Wenn du das Erdreich bearbeitest, soll es Dir seine Kraft nicht geben, denn unstät und flüchtig sollst du sein u. s. w — dann ist der Sinn klar; die Erde wird das Gesäete durch ihre Kraft zur Frucht entwickeln, aber Kain wird sie nicht ernten, da er vor der vollen Reife, durch seine Unstätigkeit und Flüchtigkeit schon in einen andern Ort getrieben sein wird. Ich lehre also diesen Vers mit dem Wörtchen ״denn" in der Übersetzung und glaube, daß meine w. Collegen mir Recht geben und es auch so manchen werden. . ׳•••-’ Zweite Frage. . (B. I. Cp. 26. V. 16.) Wird erzählt, daß Abimelech. dem. Jizchak den Rath ertheilt, von ihnen fortzugehen, da er mächtiger ist, als sie: In demselben Cp. von V. 26 an, kommt Abimelech zu Jizchak einen Freundschaftsbund zu schließen und endet seine Ansprache mit den Worten: ״Du bist nun ein Gesegneter des Ewigen" — Was konnte seinen Sinn sobald geändert haben? — Nicht anders, denn so: Die Pelischtim sahen Abraham seinem Gotte Altäre bauen und auf seine Weise ihn verehren und hatten Beweise von der Größe des Gottes Abrahams. Jizchak aber that nichts dergleichen. Er diente Nicht in der Weise Abrahams dessen Gotte, aber auch, nicht nach der Weise der Pelischtim ihrem Gotte- Abimelech, der sein Volk kannte, fürchtete das Leben Jizchaks, da der Gott, der diesen so mächtig machte, von ihnen nicht erkannt werden konnte, und gab ihm den väterlichen Rath, lieber fortzuziehen. Jizchak thut dieses und zieht nach Ber Seba, wo sich ihm Gott offenbart und die Verheißung Abrahams Betreff der Nachkommen auch ihm verheißet. Hierauf erbaute Jizchak den ersten Altar und rief Gott an, ,wie Abraham. Da erkannte Abimelech, daß Jizchak denselben Gott verehrt, den sein Vater verehrte, und beeilt sich den Bund Abrahams auch mit ihm zu schließen, dann, sagt er: Atoll atoli b’ruch adonoh, jetzt sehe ich, daß du ein Gesegneter des Ewigen bist. Auch diese Erklärung, glaube ich, werden meine werth. Collegen, wie ich, ihren Schülern zukommen lassen. Holzer, G. Jenikau. Pod6brad, den 13. November 1882. Geehrter Herr Redacteur! Den Lesern der Cantoren-Zeitung werden vom Collegen Lederer in Kaunova einige Fragen über unlogische Ereignisse in der vorwöchentlichen 86ära zur Beantwortung vorgelegt. In Folgendem will ich meine Ansicht über diese Fragen^ wie ich mir sie nach dem reinen Wortlaute der Thora gebildet habe, bloßlegen.. Ad. I. Es ist nicht erwiesen, daß Rivkah bei ihrer Vermählung erst drei Jahre alt war, wenn auch Abraham von ihrer Geburt erst nach der Opferung am Moriah Kenntniß erhielt. Rivkah konnte damals schon erwachsen sein, wie es jedenfalls alle die übrigen Personen waren über deren Geburt Abraham zur selben Zeit berichtet wurde. Die Nachricht kam dem Abraham blos verspätet zu, was sich bei den damaligen Verkehrsverhältnissen ganz leicht erklären läßt. Ein zweiter Beweis, daß Rivkah älter als drei Jahre sein mußte, liegt darin, daß doch ihr jüngerer Bruder Laban mit dem Diener Abraham's ״Elieser" verkehrte. Ich sage ״jüngerer" Bruder, weil, wäre er älter gewesen, Abraham doch jedenfalls mit dem Berichte über Rivkah's Geburt auch den über die Geburt Laban's erhalten hätte, da doch für den Berichterftatter kein Grund vorlag, das Vorhandensein dieses männlichen Sprößlings zu ignoriren. Was die weitere Bemerkung betrifft, Sarah sei aus Gram über die vermeintliche Opferung Jsak's gestorben und sei letzterer damals 37 Jahre alt gewesen, entbehrt auch diese jeder Begründung; denn aus dem Umstande, daß die Erzählung von Sarah's Tode an den Opferungsact am Moriah. anschließt, läßt sich noch nicht der Beweis führen, zwischen diesen zwei Ereignissen sei kein längerer Zeitraum verstrichen........

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