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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-11-26 · Heft 41 (26.11.1882) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 41 (26.11.1882)
Date
1882-11-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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es Übereinstimmend aus, daß das Wohlgefallen Gottes dem zu Theil werde, der Recht und Gerechtigkeit übt und einen tugendhaften, moralischen Lebenswandel führt. Hiemit übereinstimmend ist das Wort des 5. ׳Buches Moses: ״Und nun, Israel, was fordert der Ewige, dein Gott, von dir, als daß erfürchtest den Ewigeu, in allen seinen Wegen wandelst, und ihn liebest und ihm dienest mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele;" daß du wahrest die Gebote des Ewigen, und seine Satzungen, welche ich Dir heute gebiete, dir zum Heile". Und worin bestehen diese Gebote und Satzungen? Die Antwort erfolgt wenige Sätze weiter, indem es heißt: ״denn der Ewige, euer Gott, er ist der Götter Gott u. s. w. der das Recht der Waise und Wittwe übet, und den Fremdling liebet, Speise und Gewand ihm gebend: So liebet den Fremdling, denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Aegypten". In der That, wenn wir die mosaischen Gesetze unbefangen prüfen, so zeigt es sich bald, daß sie ebenfalls nichts anderes beabsichtigen, als für den Staat die Basis -der Gerechtigkeit zu schaffen und das Individuum zur Tugend und Humanität zu erziehen, daß es also ist, beweist ja die von der Bibel aufgestellte Behauptung, daß ihre Gesetze deutlich den Stempel der Vernünftigkeit an sich tragen, daß sie dermaßen Vernunftdurchleuchtet sind, daß die nichtisraelitischen Völker diese Gesetze wegen ihrer absoluten und in die Augen springenden Vernünftigkeit. preisen werden. ״Beobachtet meine Gebote, denn sie sind eure Weisheit und eure Einsicht in den Augen der Völker, die da hören werden diese Gesetze und sprechen werden: Welch' ein weises vernünftiges Volk ist doch dieses Volk." Alle übrigen mosaischen Gesetze hängen mittelbar oder unmittelbar mit diesen Vernunftgesetzen zusammen; nur muß man, um diesen Zusammenhang zu erkennen, sowohl die Verhältnisse als auch die Anschauungen jener Zeit im Auge behalten; man muß die Sitten und Bräuche und vorzüglich die Sprache der alten Religionen zu verstehen suchen, Metaphern begreifen lernen, denn es ist kaum zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß das Wörterbuch der alten Religion zum großen Theile aus Metaphern zusammengesetzt ist. Man mißverstehe mich nicht. Das mosaische Gesetz gilt auch mir als ein von göttlichen Geiste eingegebenes, das, wenn auch nicht dem Buchstaben, doch aber dem Geiste nach ewig ewig fortzuleben und fortzuwirken berufen ist, als ein göttliches Erziehungsgesetz, das allerdings an gar manchen Arten die unverkennbaren Spuren seiner Zeit trägt, und deren Anschauungen Gebräuche und Ausdrucksweise sich vielfach anzupassen sucht, aber ebenso unverkennbar unermeßlich hoch über seiner Zeit steht, zu dieser sich blos in der Absicht herabläßt und in ihrer kindlichen Sprache redet, um sie allmählig zu sich emporzutragen. Ganz damit übereinstimmend, ist der von Maimonides aufgestellte Grundsatz: ״Es redet die Thora die Sprache der Menschen", und dem entsprechend ist sein Hauptbestreben auf das Ziel gerichtet, alle sinnlichen Ausdrücke zu erklären und auf ihrem reingeistigen Gehalt zurückzuführen. Damit beschäftigt sich vorzüglich der erste Theil seines ״Führers". ״Es war nämlich", sagt Stein (die Schrift des Lebens II. S. 344) ״durch die ängstlich . buchstäbliche Auffassung der Schrift, in Folge deren man. einen Verrath, eine Leugnung an der Bibel zu begehen glaubte, wenn man die sinnlichen Ausdrücke nicht wörtlich nahm. Dagegen als ״Führer der Irrenden" aufzutreten fühlt Maimonides sich vor Allem berufen... Maimonides prägt deshalb die Wicht heilig ein, daß wenn man auch der Jugend und den Mindergebildete» im Volke die höheren Wahrheiten nicht in ihrer ganzen Tiefe und ׳ Fülle erschließen könne, man ihnen doch frühzeitig die Lehre von der Reingeistigkeit Gottes einprägen und als unbedingte Grundlage der religiösen Wahrheit sichern solle. — Es werden nun alle Ausdrücke, wie ״Bild Gottes, Gestalt Gottes — Sehen, Blicken, Schauen, Stätte, Thron Gottes — Herablassen, Emporsteigen, Stehen, Sitzen, Annähern, Berühren — Angesicht, Herz, Auge, Ohr" und ähnliche auf Gott angewendete Redeweisen auf ihren geisttgenWerth gedeutet. Sowie daher ״Mund Gottes" oder der Ausdruck: ״Durch des Ewigen Wort wurden die Himmel gemacht und durch den Hauch seines Mundes ihr ganzes Heer ״, nicht buchstäblich genommen werden darf, ebenso ist Sprechen und Reden Gottes nur als ein Bild, von den irdischen Dingen geliehen aufzufassen, der innere Gehalt aber ist Geist und Wille Gottes. Ein Reden Gottes im engeren Sinne erscheint bei den Propheten; da ist es ein inneres Vernehmen, wo das Schauen zum Hören wird." Dr. G. (Fortsetzung folgt.) Vas ist Idealität? Ist das Wort ein leerer Klang, oft ausgesprochen von sogenannten Schöngeistern? bezeichnet es einen leuchtenden Zielpunkt, der sich weiter entfernt, sobald man ihm nachgeht? Ist es etwa das Losungswort senttmental gestimmter Gemüther — oder deutet das Wort hin auf eine Geislesrichtung, der nachzugehen der Mensch bemüht sein soll? — Wer gibt uns hierüber Auskunft? Doch wer könnte es besser thun, als der Gott im Menschen selbst, seine mit göttlichem Lichte erleuchtete Vernunft? — Dort liegt in der Tiefe eine Ahnung des ewig Wahren, Guten und Schönen, die sich allmählich zum klaren Bewußtsein herausbildet um die täuschende Hülle abzuwerfen, und sich Vorbilder aus den Edelsten des Volkes schafft. — Auf dem großen Markte des Lebens wird heute nach realistischeu Tendenzen gehandelt: dort herrscht nicht der ewige Friede des Ideals, dort haben die Sonderinteressen ihre Fahnen aufgepflanzt und um sie her tobt der lärmende Ruf der Parteien. — Schauen wir doch einmal unserer Zeit näher in's Angesicht; ist sie denn so gar realistisch? Ich glaube im Gegentheil behaupten zu können, daß kaum in einer Zeit mehr für ideale Zwecke gethan worden ist. als in der jetzigen. Die Richtung auf das Gute legt sich in tausend Veranstaltungen dar, welche die thätige Nächstenliebe bekunden um der leidenden Menschheit zu helfen. Kein Gebiet der Wissenschaft und der Kunst finden wir verwaist und wenn in der Arena des politischen und socialen Lebens sich leider oft genug elende Elemente erkennen lassen, so gibt es doch auch hier genug ehrliche Kämpfer, die für Recht und Wahrheit tapfer streiten. Möge sich recht bald überall des Dichters Wort bewähren: Aufgelöst in zarter Wechselliebe, In der Anmuth freiem Bund vereint, Ruhen hier die ausgesöhnten Triebe, Und verschwunden ist der Feind." Solchem Frieden aber sind stets am meisten hinderlich gewesen die Vertreter des Sonderintereffes. die, angethan mit dem täuschenden Gewände der Wahrheit und Frömmigkeit, in ihrem Herzen, statt der dem Ideale eigenen Liebe,. den

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