Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-11-26 · Heft 41 (26.11.1882) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 41 (26.11.1882)
Date
1882-11-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3452870-3452910--0363-3454395
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

gewiß auch ein menschlich Rühren fühlen und mit sich reden lassen. Schon in Rücksicht auf uns ״Kleine", das heißt auf uns Cantoren vom Lande wurde doch der Vereinsbeitrag mit nur 4 fl. jährlich norMirt. Nehmen wir nun die ״Cantoren-Zeitung" mit demselben Betrage an, so haben wir eine Jahresauslage von acht Gulden, diese wird doch ein Jeder aufbringen können. Oder soll es gar so schwer sein, zwei Kreuzer täglich für sich und die Seinen wegzulegen. Es mag wohl viele Collegen auf dem Lande geben, die weniger als 1000 si. jährliches Einkommen haben, aber es gibt gewiß keinen einzigen, der nicht täglich zwei Kreuzer entbehren könnte. Und wenn es ihm auch noch so schwer ankommen sollte, so ist er um so mehr verpflichtet, dieses geringe Opfer zu bringen, weil er damit zugleich Vorsorge gegen noch ärgere Zeiten getroffen hat. Also diesen Zögernden und Unentschlossenen, die vielleicht heute schon einsehen, daß sie in einer leicht erklärlichen Täuschung befangen wären, die aber heute nicht den Muth besitzen, aus eigener Initiative den Fehler gut zu machen, diesen gelten unsere Zeilen. An sie wenden wir uns mit der Bitte, ja, wir bitten Euch, kommet, eilet und tretet uns bei! Mit Euch und für Euch wollen wir das Gute anstreben. Es soll das gelobte Land der Unabhängigkeit nicht für ewig nur von ferne gesehen werden: Mann an Mann, Schulter an Schulter, wollen wir eintreten für Eure, für unsere Interessen אם אין אני לי מי לי Wenn wir nicht für uns fein sollen, wer sonst? Der Einzelne verschwindet, aber die Menge dringt durch. Noch einmal, also kommet, eilet, ergreifet die dargebotene Hand, es gilt ein schützendes Asyl für unsere Zukunft zu schaffen! Bauet mit! Wer weiß, ob uns je wieder hierzu Gelegenheit wird.*) Adolf Rotter. Das Machsor. II. Ein Vergleich unseres gewöhnlichen, nach dem polnischdeutschen Brauche eingerichteten Machsor's mit den sephardischen welches mir durch die Freundlichkeit des Vorstandes und des Obercantors der Wiener Türkengemeinde zur Ansicht vorlag, muß entschieden zu Ungunsten des Ersteren ausfallen. Schon der Landesrabbiner M. Benedikt spricht in seinem Gutachten über die von Hradschanski herausgegebenen Machsorim Band 1. den Wunsch aus, daß in denselben Zusätze aus dem sephardischen eingeschaltet werden mögen. Nicht blos die maßhaltende, Verständniß und ästhetischen Sinn bekundende Anordnung der Piutim, sondern auch die Auswahl der Paitanim zeichnet das Letztgenannte aus. Denn während der sephardische Ritus über zwanzig Pismonim des Juda Halevi, darunter für jeden Festtag, ja sogar für die Selichot- und Neumondstage ausgenommen hat, haben in unsere Liturgie nur sieben Stücke von ihm Eingang gefunden**). Was aber den Vorzug I. H's. *) Wir können nicht genug diesen Artikel unseren geehrten Herren Collegen und hauptsächlich denen aus Ungarn zur Beherzigung empfehlen. Die Redaction. **)Es sind dies folgende: אמרוה für יום ליבשה,שבת יתרו für יוכה ,שבת שידה für den Sabbat von Schebuoth, יריד עליון für Sab. Hat גחו לשון;עקב für Sabbat Succot;יום אכפי und ציוץ für ט״ב. Durch Mißverständniß haben unberufene Correctoren überall den Text ver» schlimmert, wo sie zu verbessern glaubten und der nach Luzzattos Divan €>. 25, 31 und Besulas bas Juda S. 24 richtig zu stellen -wäre. Im vor allen anderen religiösen Dichtern begründet, das ist die Innigkeit und Wärme des Herzens, welches für Gott, für sein Volk Israel und sein Land Palästina begeistert ist. Die Anmuth und Natürlichkeit der Sprache, die ihm so fließeüd ist, als wäre er in dem von Milch und Honig überströmenden Lande großgezogen; es sind die reinen und läuternden Gedanken, welche in seinen so wohlklingenden, tief empfundenen-Weisen zum Ausdruck kommen. Nirgends wird dem Reime zu Liebe gegen die Grammatik verstoßen, nirgends treffen wir die Trockenheit und Gezwungenheit des Kalir'schen Styles. Selbst dort, wo er diesem nachahmend auf Bibelstellen Eigennamen anspielt, Hagada und Halacha poetisch bearbeitet, z. B. zum Sabbat ע.°ןב, wo alle ריבי תפלין geistreich zusammengefaßt werden, ist Alles wie aus einem Gusse künstlich zusammengefügt, als wäre es der Tiefe seines gotterfüllten Herzens entsprungen. Gewiß hätte nicht die gegen den ירצו־ mit seiner Schöpfung zugleich entstandenen Opposition in unserer Zeit endlich die Oberhand gewonnen, wenn ihr nicht die gerechten Klagen über dessen Härte und Ueberschwänglichkeiten die Hand geboten. Bei der bevorstehenden Umgestaltung des Gottesdienstes jedoch, bei der Einführung auch des nationalen religiösen Gesanges an Stelle des Pismon, werden wir den Poesie« I. H's. nicht entrathen können, die schon seit Jahren in meiner Gemeinde einen wesentlichen und wohlgefälligen Bestandtheil der Confirmationsfeier an Schebuoth bilden.-Auch als Uebersetzung (von Sachs, Geiger, Kämpf) übertreffen sie noch alle anderen originellen Tempellieder. Luzattos Divan des I. H. liefert eine kostbare reiche Lese für jede Gelegenheit. Aber Vieles von diesem Meister der Dichtung ist noch nicht veröffentlicht, Vieles nicht entdeckt, das über sein Leben oder, was noch richtiger ist, über seinen Tod Licht verbreiten könnte, Vieles, was für den unerschöpflichen, gottbegnadeten Dichter zeugen, zur Verherrlichung und Hebung der Andacht beitragen wird. So viel läßt sich schon jetzt behaupten: Die Zukunft der Synagoge gehört Juda Halevi*). Rabb. Dr. Ad. Frankl. Kremsier. . . Ser jüdische Gottesdienst. 11. ״Das Profetenthum" sagt Nöldöcke ״bildet in der israelitischen Religion die fortbildende Kraft gegenüber dem zur Starrheit und Aeußerlichkeit geneigten Priesterthum und Gesetzeswesen". Denn Alle legen den religiösen Accent auf die Forderungen der Tugend und Humanität, Alle sprechen דרך חיים ם1־ור findet sich das herrliche ידיד נפש, im לקוטי צבי der Hymnus ברכי אעולח• Aus meiner Kindheit sind mir noch einige bei שומרים gesagten תהנות ובקשות von I. H. erinnerlich. *) Nicht uninteressant dürfte das Urtheil des Gelehrten R. David Simra (1470) über I. H. erschienen. Es ist dies derselbe, der die Maimunische Einrichtung, daß der Vorbeter blos die Hauptgebete sagte, abgeschafft hat. In einer Anfrage (Resjap III. Nr. 532) ob die in den ש״ע eingefügte Keduschah von I. H. zu sagen sei, da es doch als ein 3 הפסקU &e־ trachten ist, spricht er sich für die Beibehaltung aus mit der Beziehung auf den Gewährsmann Kalir (שהיה הנא .הקריה ם2ו) und der Begründung, daß I. H. nebst Gabirol, Iben Esra, Andolusia, Zeitgenossen des Rimigasch waren und deren heilige und weise Worte nicht zu verwerfen sind. Hingegen will er die von Hab. und I. H. an dem Trauersabbate gesagten Elegien abgeschafft wissen, da ihre Verfasser blos Dichter aber keine Rabbiner waren שהוא לא היו כעלי הוראה אלא משוררים•

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.