Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 41 (26.11.1882)
- Date
- 1882-11-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Vereinscassier Fischer referirt über die für die Witwe Luria eingelaufenen Spenden. Es wird beschlossen, den bis jetzt eingelaufenen Betrag von 200 fl. ö. W. an dieselbe abzusenden. In der hierauf unter Vorsitz des Präses-Stellvertreter Bauer, stattfindenden vertraulichen Sitzung stellt College Blatt den. Antrag, es solle dem Obmanne Herrn Obercantor Josef Goldstein aus Anlaß seines am 15. December stattfindenden 25jährigen Amts-Jubiläums eine geschmackvoll ausgestattete Adresse überreicht werden. Die Kosten derselben sollen dadurch gedeckt werden, daß jedes Mitglied aufgefordert werde, nach Belieben den Betrag von 40 kr. ö. W. an den Vereinscassier einzusenden. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Der Vorstand des österr.-ungarischen Cantorenvereines. Vor Thorschlaß. Das Urtheil eines Großen ist Gebunden, denn er wieget Euch. Der Kleine kennt die Wage nicht Der prüfet nicht, er zählet gleich. Und leicht wird's stets dem Kleinen sein, Uns Fehler abzuzählen, Da Kleine stets nur Kleines seh'n Und Fehler wohl uns niemals fehl'n. Jedes neue Unternehmen, sei es das eines einzelnen Individuums oder einer ganzen Corporation, findet Gegner. Auch der Cantorenverein und mit ihm die ״Cantoren-Zeitung" haben solche gefunden und für diese, weil die ConstituiruNg des Vereines auf dem Wege ist, seien diese Zeilen bestimmt. Reb Bock schließlich allgemein der Schaufelbeer genannt wurde. Zu diesem Spitznamen trug aber Niemand so viel bei, als sein größter Concurrent auf dem Alteisenmarkte, Reb Hersch Fuchs und so entstand bald zwischen diesen beiden früheren Freunden ein Haß, der mit den Jahren immer schärfer hervortrat. Jahr auf Jahr verging. Reb Hersch Fuchs und Reb Beer Bock waren alte und steinreiche Männer geworden. Auch die Welt war älter und klüger geworden. Es war eine neue Zeit angebrochen — die ersten Locomotiven brausten durch's Land. In seinem Sorgenstuhle saß Reb Beer Bock und ließ sein langes, reichbewegtes Leben an seinem Geiste vorüberziehen. Schmunzelnd gedachte er der so oft bewährten Sch lauheit, welche ihm im Geschäftsleben über so manche Klippe hinweggehoben, vor so manchem Schaden bewahrt hatte. Er gedachte der Zeit, wie er als armer halbverhun gerter Jüngling von Polen in die große Stadt gewandert und wie er sich vom ״Schnorrer" bis zum reichen Reb Beer Bock emporgearbeitet, und heitere, glückliche Gedanken geleiteten seinen Geist hinüber in einen tiefen Schlaf, in lebhafte Träume. — Und da sah er wie sich die Thüre öffnete und hereintrat ein großer wohlgefüllter Geldsack und hinter demselben kam noch ein solcher und noch einer, und immer mehr marschirten herein und stellten sich vor ihm auf in langer Front und hinter derselben erschien eine liebliche Fee, die Göttin des Glückes mit reichem Füllhorn und winkte ihm zu, fragend, ob sie den Segen des Füllhornes auch noch über ihn ergießen solle. Fortsetzung folgt. Welches sind eigentlich unsere. Gegner? Das läßt sich nicht so leicht und mit kurzen Worten sagen, denn sie sind nicht alle von derselben Kategorie. Der Eine z. B. hat ein Princip, und weil der Mensch nach der ״Bezirksberger" Theorie ein Princip haben muß, so ist er gegen das Vereinswesen überhaupt. Dies der Grund seiner Gegnerschaft. Freilich ist dieser Grund so wenig stichhältig, daß er gar nicht widerlegt zu werden braucht, da es die Statuten ohnehin thun. Denn, was schadet's? Man fordert dadurch immerhin zu Untersuchungen heraus. Warum? Weswegen? — Anhänger und gläubige Satrapen finden sich immer und überall und der Zweck ist erreicht. Wem wäre es sonst eingefallen, Namen aus dem Dunkel hervorzuziehen, die sonst Niemanden geläufig. Eine zweite Gattung und, wie es scheint, die gefährkichere, das ist die — Unwissenheit. Dieser Nachtschatten treibt sein Unwesen fein bescheiden im Verborgenen. Er scheut das Helle Tageslicht, weil er fürchten muß in seiner Nacktheit nur zu bald sich bloszustellen. Ueberdies ist es von dem gedeckten Hinterhalt aus gar so leicht und so — sicher, Steine zu werfen Zur Verantwortung kann man solche Sujets nicht ziehen, und schöne Seelen finden sich auch hier. Das Große, Schöne, verstanden wird es nicht aber in den Koth ziehen, das geht leicht und ist überdies mit keinen Kosten verbunden. ״So eine Zeitung abonniren? Unsinn! Was kann da drinn für mich stehen? Nicht einmal ein ordentlicher Concurs! Da trink' ich für das Geld doch lieber jeden Tag ein Glas Bier mehr (!!) und ist mir nicht, ich rede nur die Wahrheit, ein Klabrias oder ein Franzefuß lieber als ein ״Artikel" in einer Zeitung?!" Ein Dritter wieder macht uns den Garaus, indem er das ganze Unternehmen euphemistisch einen ״Schwindel" nennt. Nach seiner beschränkten Ansicht ist es doch gar nicht denkbar, daß wildfremde Menschen, die er gar nicht kennt, und seien es auch Berufsgenoffen, für ihn etwas thun wollten. ״Diese Leute", sagt der Schlaumeier, ״wollen nur ein gutes Geschüft machen. Und mit meinem Gelde? Dazu gebe ich mich nicht her." Solche Käuze gibt es unter uns! Und wahrlich, hätten wir solche Aeußerungen nicht mit eigenen Ohren gehört, wir würden gerade so zweifelnd den Kopf schütteln wie Du, freundlicher Leser. Wie schmerzlich ist es zu sehen, daß eine Idee, die wahrhaft groß genannt werden darf, so viele freiwillige und unfreiwillige Gegner zählt! Wie stark, wie einflußreich stünden wir da, wenn wir Alle einig und vereint, von Einem Bande umschlungen wären! Es sind unser ja so Viele! Und merkwürdig genug, gerade die sogenannten ״Kleinen" sind es, die heute noch grollend und schmollend im Winkel stehen! Wie soll, wie kann es uns unter solchen Umständen gelingen, Unbeiheiligte zu unserer Unterstützung zu gewinnen und heranzuziehen, wenn wir selbst für uns nichts thun wollen, wenn wir selbst nicht wie ein Mann für unsere Interessen einstehen? Schenken wir uns.nur reinen Wein ein. Der Beitrag zum Vereine mit sammt dem Abonnement der ״Cantoren- Zeitung" betragen für jetzt jährlich 10 Gulden. Nun geben wir gerne zu, daß die Zeitung verhältnißmäßig viel zu theuer erscheint. Allein, dies mag zum guten Theile in der geringen Zahl der Abonnenten seinen. Grund haben, und wenn diese an Zahl Zunehmen, so wird der geehrte Herr Herausgeber