Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 41 (26.11.1882)
- Date
- 1882-11-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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ס trotzdem schon damals der ungarische Cultusbeamtenverein in Pest gegründet ward. Und gewiß that dies Keiner unter diesen aus Mangel an Patriotismus oder aus Opposition gegen die leitenden \ Persönlichkeiten in Pest sondern einzig und allein darum, weil es ihre innerste Ueberzeugung war, daß die Interessen unseres Standes nur durch einen Cantorenverein vertreten werden können. Nun denn, wenn es diesen geehrten Herren Collegen, sowie Jenen, welche sich mittelst Beitrittserklärung unserem Vereine anschlossen, noch immer so ernst um die Sache ist — und daran können wir niemals zweifeln — so werden sie Alle Mann für Mann dem Vereine beitreten, da sie noch immer Mitglieder desselben sein können, unbeirrt davon, daß, ihnen für die nächste Zeit keine Ehrenstelle als Vorstands- Mitglied der Filiale in Aussicht steht. Und sind wir einmal in der Lage, eine große Anzahl von Cantoren aus Ungarn als Mitglieder des schon bestehenden Cantorenvereines auszuweisen, so wird dann gewiß auch das hohe königl. ungar. Ministerium durch eine solche Manifestation zur Erkenntniß gelangen, daß die Ausdehnung der Vereins- Wirksamkeit auf die Länder der ungarischen Krone eine Noth- Wendigkeit ist und die Errichtung eines Zweigvereines bewilligen. So wird es auch möglich sein, daß der innigste Wunsch aller Cantoren der Monarchie, die Idee einer Vereinigung, welcher erst jüngst ein bedeutender College aus Ungarn gelegentlich seiner Anwesenheit in Wien im Namen mehrerer in beredten Worten Ausdruck gab, der Verwirklichung entgegen geführt werde. WereinsnachricHLen. Mittwoch, den 22. d. M. 7 Uhr Abends fand eine Ausschußsitzung statt. Tagesordnung: 1. Berathung über, die Constituirung des Vereines 2. Bestimmung über die Absendung der für die Witwe Luria eingelaufenen Spenden. 3. Freie Anträge. Anwesend: I. Bauer, M. Blatt, A. Fischer, I. Go löste in, S. Hirsch, I. Löw, M. Petersilka, D. L. Rotter, M. Schlesinger, I. Singer, L. Stern. Vorsitzender: I. Go löste in. Der Vorsitzende berichtet über den von der hohen Behörde herabgelangten Erlaß vom 26. d. M. 1882, Z. 47389 und läßt denselben zur Verlesung bringen. Die Collegen Löw und Petersilka wünschen eine Aufklärung darüber, ob durch diesen Erlaß die Errichtung einer Filiale in Ungarn oder überhaupt die Aufnahme von Cantoren aus Ungarn untersagt sei und weiters, ob der Verein in Folge dessen nicht den Namen ändern müsse. College Bauer beantwortet beide Fragen dahin, daß die Redaction der ״Cantoren-Zeitung" diesbezüglich eine Anfrage an das hohe k. k. Ministerium des Innern gerichtet habe und daselbst sei ihr bedeutet worden, daß der Aufnahme der Cantoren aus Ungarn in den Verein kein gesetzliches Hinderniß im Wege stehe, ebensowenig müsse der Verein seinen Namen ändern. College Singer wünscht, daß baldigst die constituirende Versammlung einberufen werde. Es wird hierauf beschlossen, in einer im Laufe der nächsten Woche stattfindenden Ausschußsitzung den Tag hiefür zu bestimmen. Neli ״Zchausel-Fuchs" Von Alois Kulka. (Nachdruck verboten.) In einer großen Stadt lebte vor langer Zeit, nur seinem Geschäfte, einer blühenden Eisenhandlung, sich widmend, Reb Wolf Schmidt als alternder Junggeselle. Reich mit irdischen Glücksgütern gesegnet, war ihm seine Thätigkeit im Geschüft gewohnheitsmäßiges Bedürfniß geworden, bis ein außergewöhliches Ereigniß ihm diese Thätigkeit plötzlich und für immer verleidete. Seit dreißig Jahren etablirt, konnte Reb Wolf in Wahrheit behaupten, daß in dieser langen Zeit ein größeres Versehen, ein grober Jrrthum im Geschäfte nie vorgekommen und doch mußte er sich seit einiger Zeit, seit dem Tode seines langjährigen Buchhalters selbst gestehen, daß das geschäftliche Gleichgewicht, die Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit nicht mehr die altgewohnte war. Nicht wenig hatte dazu das Engagement des Herrn Zipperl, eines ihm verwandten jungen Mannes beigetragen, dessen ideale Weltanschauung zwischen der wohlberechneten Regelmäßigkeit des Geschäftes und einer ganz gewöhnlichen Tretmühle einen Unterschied nicht zu finden vermochte. Und so geschah denn einst etwas ganz Unerhörtes. Bei einer Bestellung von Eisenwaaren und zwar von 5000 Stück Hufnägeln Nr. 121 100 ״ Schaufeln Nr. 117 verwechselt Zipperl die Namen und bestellt D 5000 Stück Schaufeln Nr. 121 ״ 100 ׳ Hufnägel Nr. 117 ohne daß Reb Wolf bei der Unterschrift diesen Jrrthum bemerkt, und so trat denn dieser Jrrthum erst zu Tage, als eine Reihe von Fuhrleuten die bestellten Maaren zum Entsetzen Reb Wolfs ablieferten. Zur Zurü cknahme der unbrauchbaren Schaufeln war der Fabrikant nicht zu bewegen, weil er dieselben, ihrer veralteten Form wegen, in Folge der Bestellung erst hatte anfertigen lassen. Zipperl wurde sofort entlassen. Reb Wolf Schmidt war außer sich, liquidirte sein Geschäft und zog dann fort weit bis nach S üddeutschland, woselbst eine Nichte von ihm lebte. Die Liquidation des Geschäftes war flott vorwärts gegangen, im Ausverkäufe wurde der Laden bald geräumt, die Restbestände wurden verauctionirt. Die beiden Alteisenhändler Reb Hersch Fuchs und Reb Beer Bock erstanden fast Alles; nur als die Schaufeln an die Reihe kamen, bot Keiner, bis endlich, nachdem sich alle Bieter entfernt hatten, Reb Beer Bock den ganzen großen Posten Schaufeln für eine geringe Summe übernahm. Damit war die Liquidation beendet, die Firma Wolf Schmidt erloschen und Reb Beer Bock glücksicher Besitzer von 5000 Stück veraltetem Schaufeln. Und er blieb lange, lange Jahre Besitzer dieser Schaufeln. Nie glückte es ihm, trotz aller Mühen auch nur einige Stück zu verkaufen, denn die Form war gar zu ungeschickt und bald trat zu dem Schaden auch noch der Spott, so daß mm