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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-11-18 · Heft 40 (18.11.1882) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 40 (18.11.1882)
Date
1882-11-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 daß sie den Ungar des XIX. Jahrhunderts in's Mittelalter zurückstoßen möchte, auch noch der lächerliche Fehler anhastet daß sie absolut keinerlei mögliches Ziel hat, außer dem Schwelgen in Gehässigkeit und selbst dieses nach deutschem Muster; wohl aber birgt sie andererseits die große Gesahr in sich, daß die sünf- oder sechshunderttausend Juden bis auf den letzten Mann unter die Fittige der Gewalt getrieben werden. Kossuth." Eine Tisza-Eszlarer Nlffaire im Jahre 1576. Die Krakauer ״Reforma" veröffentlicht den Wortlaut eines Universals des polnischen Königs Stephan Bathory vom Jahre 1576. Dasselbe bespricht im Eingänge einen Fall, in welchem den Juden die Tödtung eines Christenkiudes zu rituellen Zwecken vorgeworfen und deswegen vor dem Könige Klage gegen dieselben geführt wurde. ״Unsere Beamten׳' — heißt es dann — ״haben mit der größten Sorgfalt die Untersuchung geführt, und nachdem Juden beigezogen wurden, wurde die Sache durch Zeugen von beiden Seiten gründlich beleuchtet, woraus es sich herausstellte, daß auf den Inden nicht nur keinerlei Schuld, sondern sogar kein Verdacht lasten könne. Die Kläger sind auch, da sie sich überzeugt, daß sie sich von einer falschen Meinung haben leiten lassen, von der Klage zurückgetreten, ohne Unser Urtheil abzuwarten. Und nachdem dies geschehen, beklagten sich die Juden vor uns, daß sie wegen jener allgemeinen Meinung, als ob sie, Christenbtut brauchend, Christenkinder an sich lockten und tödteten, unterschiedliche Verfolgungen dulden. Dringend baten und beschworen uns auch manche unserer Senatoren, daß wir dem einen Damm und ein Ende setzen, damit den Juden deßwegen keine Verleumdung, Verfolgung oder andere Ungerechtigkeit widerfahre. Hiedurch bewogen, bestimmen wir nach eigener Aeberzeugung und nach dem Rathe unserer Senatoren, daß Niemand mehr den in unseren Landen ansäßigen Inden widerrechtlich Tödtung christlicher Kinder vorwerfe und sie deswegen nicht verleumde und auch nicht vor Gericht anzuklagen sich getraue. Wer Solches unternehmen sollte, soll ohne Unterschied des Standes, da dies zu großen Unruhen Anlaß gibt, wenn er die Juden verdächtigt, als Verleumder und wenn er gegen sie vor Gericht Hauptklage führt, mit der poena talionis, ba§ heißt, am Halse gestraft werden .... Gegeben in Warschau, am 5. des Monats Juli im Jahre Gottes 1576 und dem zweiten unserer Reiche Stephanus eleetas Rex." Gablonz a./N. Am 1. November a. 6. beging die hiesige Cultusgemeinde die Einweihung ihres neu erbauten Friedhofes. Präcise 22/ב Uhr Nachmittags versammelten sich daselbst sämmtliche Gemeindemitglieder, Dignitäre der Stadt und ein überaus zahlreiches Publicum. Der unermüdliche Vorsteher Herr Daniel Men dl, der um diese Schöpfung sich große Verdienste erworben, begrüßte in beredten Worten die Erschienenen im Namen des Vorstandes, dankte Allen für das rege Interesse und die hingebende Opferwilligkeit, betonte namentlich das Pietätgefühl gegen die Todten, denselben eine würdige Ruhestätte zu bereiten und schloß mit dem innigen Wunsche: Der Friedhof möge noch lange seiner Bestimmung entgegenharren. Theater und Kunst. Herr Winkelmann trifft am 1. December d. I. zu einem zehn Abende umfassenden Gastspiele hier ein. Unter Mitwirkung des Gastes wird im Hofoperntheater Wagner's Nibelungen-Tetralogie in Scene gehen. Außerdem wird Herr Winkelmann den ״Lohengrin" und den ״Tannhäuser" singen und wahrscheinlich auch in der seit längerer Zeit nicht gegebenen Oper ״Die Stumme von Portici" gastiren. Die Rolle der Fenella würde in diesem Falle Frl. Cerale übernehmen. Vorige Woche gelangte im Carltheater eine neue Operette ״Der Chevalier von San Marco" von H. Bohrmann und I. Riegen, Musik von Josef Bayer, zur Aufführung. Die Wahl dieser Operette ist unbedingt eine glückliche zu nennen und es ist zu erwarten, daß dieselbe nicht nur bei den ersten Aufführungen, sondern auch späterhin volle Häuser erzielen wird. Director Strampfer befindet sich gegenwärtig in Paris, um neue Stücke zu erwerben, sowie eine zweite französische Gesellschaft für ein Gastspiel im Carltheater zu gewinnen. JmTheater an der Wien fand Samstag den 11. d. M. die erste Aufführung der Müller'schen Operette ״Der kleine Prinz" bei vollkommen ausverkauftem Hause statt. Die Musik ist wohl nicht ganz frei von Reminiscenzen, doch sind dem Componisten mehrere Nummern in der Erfindung und Aussührung gelungen und fanden vielen Beifall. Die Darstellung der glänzend ausgestatteten Operette war eine vortreffliche. Fräulein Finaly und Fräulein Jona sangen ihre wenn auch kleinen Rollen vortrefflich. Herr Girardi und Herr Schweighofer leisteten Unübertreffliches. Nach jedem Acte gab es mehrfache Hervorrufe der Darsteller und des Componisten. Letzter Ausweis. Zur Unterstützung der Hinterbliebenen Familie des verstorbenen Collegen Cantor I. Luria in Gran sind noch folgende Spenden eingelangt: College M. Rosner, Mähr.-Kromau.ff. 2.— ״ M. Thaler, Oedenburg.1 ״.— L. Friedländer, Szilos-Bälhos . . . . . 50.— ״ ״ Js. Heymann, Amsterdam, 6 M. 50 Pf. . 3.80 ״ ״ . D. Kohut, Lundenburg . ..1 ״.— Herr Sigm. Trebitsch ) durch Herrn .. 5.— ״ Goldschmidt u. Landsinger) Cantor Fischer 5 ״.— College Schäfer, Simmering ........— 1 ״ ״ S. Kraus, Podebrad. bei einer Gelegenheit einer ברית מילה von ihm gesammelt, selbst 50.— ״ .. N. Lustfeld.- - -.50 ״ N. Robitschek .. —.1 ״ ״ D. Beutler, Auscha.. 1 ״ — Summa fl. 22.30 ״Der Vorstand des österr.-ungar. Cantorenvereines". Bereiiisbeiträge: College Sigm. Rosenberger (Vsjährigen Beitrag); College I. Weiß, Tobitschau (^jähr. . Beitrag); College Sal. Friedmann (1/Jätjvigen Beitrag); College R. Kohn, Kobersdorf (1/2 jährigen Beitrag). Govrresponöenz. College D. in Sz. Die Ansichten der geehrten Collegen über diese Frage sind unseres Erachtens durch die bereits veröffentlichten Artikel zur Geuüge geklärt, daher wir von der Veröffentlichung Ihrer Correspondenz Abstand nahmen, doch hoffen wir, auf dieselbe gelegentlich einer Erörterung über das Bedürfniß einer Cantorenschule zurückzukommen. C o l l e g e H. i n G. I. Die Beantwortung Ihrer beiden Fragen Werden wir in nächster Nummer veröffentlichen. C o l l e g e G. i n K. Wollen Sie sich diesbezüglich direct an Herrn Prof. Sulzer wenden. College K. in P. Ihre Wiederlegung werden wir in nächster Nummer veröffentlichen. P. in K. Dankend bestätigen wir den Empfang des Abonnements-- betrages. — Obercantor G. wohnt II., Tempslgaffe Nr. 3. •* * * Wir ersuchen die geehrten Herren Einsender, Mannscripte nur ans einer Seite z« beschreiben. * * Wir erlanben uns, die geehrten Herren Collegen auf das in die dieswöchentliche Nummer eingerückte Inserat ״Semiroth. l«’el chai“ aufmerksam zu machen. Die Nedaetion. ₪a

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