Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 40 (18.11.1882)
- Date
- 1882-11-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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zu verwechseln! Allein, in unserem Falle hat sich der Kalir keine Willkür zu Schulden kommen) lassen. Denn שושן mit שורק heißt'ebenso ״Rose", wie שושן mit חולת! Herr S. vergleiche gefälligst 1. B. d. Könige YII., 19. Und nach der Leseart des Bensew, auf dessen Autorität sich ja Herr S. im Namen seiner.Ehrwürden, des Herrn Dr. Frankel beruft~^־ hat auch das ibid. 26 vorkommende ׳שושן ein שורק! Würde ich nicht die Wahrheit über Alles lieben, so könnte ich Herrn S. entgegnen, daß in meinem לרד החיים סדור im gedachten קרובות das שושן mit שורק schwarz auf weiß steht. Aber Herr S. hat Recht; das שושן im קרובות muß mit שורק punktirt werden. Denn der ״Kalir" beginnt daselbst den letzten — 6. — Satz jeder Strofe mit einem Worte des Verses -->21 '121 "2^>2,2 22221' יצא 2לפני. und in gedachtem Absätze hält er bei dem Worte ׳שושן deshalb muß es hier, analog dem שושן im Bibelverse, mit שורק pünktirt sein. Oder übersetzt ׳Herr S. das שושן im קרובות nicht mit Rose? Versteht er vielleicht unter dem שושן חוחית des ״Kalir״ das שושן חבירח der מנילה? Ich könnte noch manches zur Ausgleichung des חולת und שורק vorbringen, aber es widerstrebt mir wegen dieser Lappalie noch ein Wort zu verlieren. Nachdem aber Herr S. seine Meinung über meine Erklärung abgegeben, so erlaube auch ich mir, meiner Ansicht über seine Auffassung Ausdruck zu geben. Herr S. acceptirt das von mir als Druckfehler bezeichnete שיתי und bauet darauf sein Gebäude. Nun könnte ich mich auf das Manuscript des Einsenders, Herrn Braun und auf ״die Reform" (Nr. 18) berufen, wo deutlich שיחי und nicht 8 שיתיU lesen ist. — Ich könnte auch sagen: Da Herr Braun, der doch das מ״ב״ש fingt, gegen meine Correction sich nicht verwahrt, folglich muß meine Vermuthung keine irrige sein. Allein Herr S. braucht ja das Alles nicht zu wissen und daher ist sein diesbezüglicher Jrrthum zu entschuldigen. Was ist aber der dunklen Rede Sinn, nach der Deutung des Herrn S.? Nachdem derselbe gezwungen war, Buchstaben, Vocale und ganze Wörter mehrfach zu verwechseln, zu vertauschen und zu versetzen, gelangte er zu folgender Uebersetzung: ״Wer setzt zwischen Rosen, Dornen, der segne . . ." Ja, wozu setzt aber der liebe Gott DornenzwischenRosen? Etwa die Rosen durch die Dornen zu schmücken?? Wenn Herr Her st ein in Nr. 36 übersetzt: ״Der den Dornbusch mit Rosen ziert" und ergänzend hinzufügt: ״Der selbst das wilde Gewächs mit zierlichen Blüthen schmückt", so hat das einen Sinn. Wie über Dornen als Schmuck der Rose dienen sollen; wie G. als אדיר ^ל חתל erkannt wird, weil er Dornen zwischen Rosen setzt: wie man das Dornensetzen als Bild des Segenspendens über- Haupt auffassen kann; wie die Dornen zwischen den Blumen das בבר ׳מתל ,תל״" des göttlichen Füllhorns am passendsten repräsentiren; wie der Satz: ,.Wer setzt zwischen Rosen Dornen, der segne", gleichbedeutend ist mit: ״Was als Glück zuhöchst gepriesen, ström' auf euch der Himmel aus"; das Alles zu begreifen, ist mein beschränkter Verstand viel zu schwach! Auch darüber muß ich meine Verwunderung ausdrücken: Wie Herr S., der wirklich bibelfest ist,- es übersehen konnte, daß Dornen auch in der Bibel kein Bild des Segens, sondern das Symbol des Fluches sind! Dem aus dem Paradiese vertriebenen ersten Menschenpaare läßt die verfluchte Erde auf Befehl des zürnenden und strafenden Gottes Dornen und Disteln zwischen dem Getreide aufschießen. Und mit Recht könnte das Brautpaar des Cantors stacheligen Empfangsgrüß, der ihm gleich an der Schwelle des Ehestandes die unvermeidlichen Dornen in Aussicht stellt, dankend zurückweisen mit den Worten Jacob's in der dieswöchigen ׳סררה ״Du bringst ja über mich Fluch und nicht Segen!" Nach dieser objectiven Analyse stelle ich es jedem unbefangenen Fachmanne frei, zwischen meiner Hypothese und Leseart — die theils ״auf falscher Schlußfolgerung beruht", theils ״auf kaum stichhältige Belege sich stützt" — — und dem so einfachen und richtigen אל תקרא bon «zieh! אלא sehoth ben des Herrn S. zu wählen. Wien, den 10. November 1882. Leopold Buxbaum. Kleine KHronik. Budapest. Wir erhalten folgende Mittheilung: Am Martinitage wurde eine Deputation der Preßburger jüdischen Cultusgemeinde, welche die üblichen Martinigänse überbrachte, vom Kaiser empfangen. Der Kaiser ergriff die Gelegenheit, um sein lebhaftes Bedauern über die Preßburger Judenhetzen auszudrücken und entließ die Deputation mit folgenden Worten: ״Sagen Sie ihren Glaubensgenossen, daß sie auch ferner auf Meine kaiserliche Huld undauf den voll st enSchutzMeinerRegierung rechnen können." Budapest. Ein von Ludwig Kossuth an den Abgeordneten Ignaz Helsy gerichtetes Schreiben enthält folgende bezeichnende Stellen: ״In Sachen der ״Judenfrage" (es ist eine Schmach und Schande, daß in Ungarn selbst eine solche möglich ist) bekomme ich Briefe zu Hunderten. Es gibt darunter auch ein Schreiben, in welchem ״eine Gesellschaft" der paar Worte wegen, welche Csernatony über mich geschrieben hat, mir ihre Entrüstung darüber ausspricht, daß ich auf meine alten Tage, ״auch ein Jude geworden sei", und decretirt, ״nun sei es vorbei mit meiner Ehre". Es gibt ferner welche, die mir, und zwar mit Namensunterschrift bekannt geben, ich habe den Verdacht auf mich gezogen, daß ich bestochen worden sei. Wieder andere verkündigen mir, ich habe die Achtung der Juden verscherzt, weil ich nicht zu ihrer Vertheidigung das Wort nehme. Ihrer Hunderte liegen mir an, weshalb ich mich denn nicht endlich einmal ausspreche; und schließlich wieder andere gehen nicht einmal mich, sondern ihre Partei an; ich schließe einen derselben zur Probe bei und bitte, ihn mit meinem herzlichen Gruße Mocsary als Ihrem Parteipräsidenten mitzutheilen. Diese Correspondenzen zeigen, daß die Wogen der aufgepeitschten Leidenschaften ungezügelt tosen in dem armen Lande. Sie sind dort am Schauplatze; Sie sehen nicht blos die Umrisse des Waldes, wie ich, sondern auch die Bäume, Sie können also besser als ich wissen, wo der Schuh am empfindlichsten drückt. Legen Sie Hand an die Beseitigung der Uebelstände auf wirthschaftlichem und socialem Gebiete. Wenn Sie den Bestand Ihrer Partei sichern wollen, so lenken Sie die Aufmerksamkeit der Nation auf praktisches Terrain und sehen Sie nicht mit verschränkten Händen thatlos zu, wie man das allgemeine Gefühl in die ״Judenfrage" hineinhetzt, welcher außerdem