Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 40 (18.11.1882)
- Date
- 1882-11-18
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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4 euilllleton. Der Verfluchte. Erzählung aus dunkler Zeit von Ad. v. Zemlinszky. (Nachdruck streng verboten! Uebersehnngsrecht vorbebalten/j 15. Fortsetzung. Also diese Schuld bleibt mir ewig! Rabbi, damals, als ich auf der Straße vor Eurem Fenster lag, — geschlagen, getreten, blutig, — mit Schmach und Hohn bedeckt. — damals, als ich in meiner dumpfen, dem Wahnsinn nahen Verzweiflung hörte, wie das Volk, welches mich eben steinigen wollte, sich gegenseitig zurief: der Fluch ist von ihm genommen, laßt ihn in Frieden ziehen! damals wollte ich mich vom Boden erheben und den Leuten zurufen und meine schrecklichen Thaten bekennen. Doch ich konnte mich nicht vom Boden erheben und eine sonderbare Vision bemächtigte sich meiner, währe nd mein Sinne schwanden. Ich war Ephraim Manasse und war es auch wieder nicht — ich wußte, wer ich sei und war doch ein Anderer. Und je mehr ich da chte, desto mehr begann es in meinem Gehirne zu hämmern — immer stärker. Ein Gefühl bemächtigte sich meiner, als würden die Straßen, die Häuser, Himmel und Erde durcheinander gerüttelt. Ein endlos unentwirrbarer Chaos breitete sich vor meinen Augen aus. Und je mehr ich schaute, desto räthselhafter war mir das Ganze. Ich sah Leichen und Ströme von Blut und mußte wie toll hierüber lachen, — ich sah jubelnde, fröhliche Menschen und mußte hierüber weinen. Und in all' diesem Durcheinander, das mich betäubte, hörte .ich immer und immer wieder die drohende Donnerstimme Gottes. Wahnsinn hatte mir den Geist umnachtet. Was soll ich beginnen, um dieser Qualen ledig zu werden — was soll ich lassen? Hitze und Kälte, Schnee und Regen, Hunger und Durst, Mißhandlung und Verachtung, Alles, Alles Hab' ich ertragen, — sagt, was soll ich noch thun, um mein blutiges Verbrechen zu sühnen? Was Schlechtes ich an Euch gethan, verzeihet mir, Rabbi, — ich hab's bereut. Verziehen habe ich Dir in jener Stunde schon, sagte der Rabbi mit ernster Stimme, in der Du in der Judenstadt zu Prag vor meinem Fenster auf der Straße in Deinem Blute lägest, — geschlagen — mit Koth und Steinen beworfen von Deinen Glaubensgenossen. Verziehen habe ich Dir in jener Stunde, in der — Judith- Judith!-O! Rabbi, habt Erbarmen, zerfleischet mir das Herz. — doch sagt es mir, wo weilet sie, die ich verrathen, •— wo ist — Judith? Verziehen habe ich Dir in jener Stunde, in der Judith Dir großmüthig hat verziehen — und dann starb. Todt — todt — Judith todt!! Gebrochen ist ihr Herz, das warm mir stets entgegenschlug, gebrochen ist ihr dunkles, glänzendes Auge, das früher mir in stolzem Liebesglück entgegenleuchtete. Auf ewig ist der Mund geschlossen, der mir so freundlich stets entgegenlächelte. Im Grabe ruht dies Meisterwerk der Gottesschöpfung und ich — ich durfte sie nimmer schauen. Und als sie starb, Rabbi, hat sie mir geflucht ob meines Meineides? Sie hat gesegnet Dich in ihrer letzten Stunde. Und wenn Ihr Ephraim jemals wiederseht, so saget ihm, — ich bitte Euch darum — daß ich ihm verzeihe daß ich ihn geliebt bis zu meinem letzten Athemzuge. Ja, sagt es ihm, Rabbi, damit auch er ruhig sterben kann. Dies waren ihre letzten Worte. Ruhig sterben!? Nein, ich kann es nicht. Ihr lieblich Angesicht, erbleicht im Tode, es wird mich immer drohend stets umschweben. O! Jammer, Jammer, gebrochen ist ihr großes, edles Herz und ich, ich Elender, hab's verschuldet. Leb' wohl, Du Welt, leb' wohl. Geschlossen ist die Rechnung. Den Kelch der Leiden Hab ich getrunken bis zur Hefe. Nichts — nichts ist mehr darin! Halt ein. Unglücklicher. Sieh dort nach jener Richtung auf der Anhöhe, siehst Du die goldnen Zinnen im Sonnenlichte strahlen. Es ist die heilige Stadt. Geh dort nach jener Richtung hin und Du wirst eine Ruine finden, die letzten Ueberreste einer heiligen Stätte. Geh hin, es sind die Mauern Salomonis. Durch vierzig Tage find' Dich dort ein, wenn das Roth des jungen Tages sich zeiget, und verlasse diese Stätte, wenn die Engel der Nacht ihre Fittige über die Stadt breiten. Gott wird mit Deiner Reue, Deinen Leiden Mitleid haben und Dich aufnehmen zu sich als einen gebesserten Sünder. Zu spät, Rabbi — zu spät, ich fühle das Hämmern in meinem Gehirne, helft mir, Erbarmen, Erbarmen, gebt mir die Hand, Rabbi, rettet mich vor dem Verderben. Der Wahnsinn packt mich mit seinen eisernen Krallen. Judith, ich komme zu Dir. Schaut, Rabbi, wie sie mir entgegenlächelt. Dort steht sie und ruft mir zu. Jetzt schwindet — erscheinet dort — jetzt dort — jetzt —- Ein gellender Schrei — und Rabbi Moses Hirsch befand sich allein auf der Höhe. Der Wahnsinnige war vom Felsen in die schauerliche Schlucht gestürzt — — — Er hatte sein Verbrechen gesühnt. — Tieferschüttert stand der Rabbi am äußersten Rande des Felsens und schaute hinab, ob Rettung möglich sei — doch nur Dunkel fand sein suchend Auge. Schellengeläute erweckte den Rabbi aus seinem Brüten. Eine Caravane von Kaufleuten nahte sich dem Platze, wo eben die Schreckensscene vor sich gegangen. Sie begaben sich nach der heiligen Stadt. Der Rabbi schloß sich ihnen an.- Ende. Die erste» u. größten Herrenkleider - Depots. Jacob Roth berge r, k. k. Hoflieferant, Wien, Stephansplatz 9. Filialen: Mariahilferstraße 57, Alserstraße 35, Pest, Waitznrrstraße beim ״großen Christoph" und Prag, Obstgasse.Rrnommirtrste Bezugsquellen aller Gattungen best gearbeiteter > Herrenkleider zu billigst festgesetzten Preisen. (Am Verwechslungen | vorrubeugrn wird gebeten, stets den Namen Rothberger zu beachten). Besonders zu empfehlen: Winterröcke... fl. 10 i Jagd-Wirthschaftspetze fl. 251 Stadtpelze ... 45״ > Schlafrörke ... 10״! Reisepclze . . . 35 ״ > Außerdem sind auch billigere, sowie alle Gattungen Lurus- Schlafröcke, Petze und Herrenkleider bis aufs Allerfeinste stets vorräthig, Liorsen und Lnabenkleider in größter Auswahl.