Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 39 (10.11.1882)
- Date
- 1882-11-10
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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allen Juden in die Schuhe schieben« Der vor einigen Monaten in Währing gemordete herzlose Wucherer S t r a i nsberg, der einer Mutter das kleine Kind zürückbehielt, war ein Christ; wird man deshalb behaupten, die christliche Religion lehre Herzlosigkeit? Der Talmud spricht, wie man sich ja überzeugen kann, nur von Juden und von Heiden^ die sich mit Feuer und Schwert bekämpften und daher auch nicht in achtungsvollstem Tone, sondern per Ochs und Esel von einander sprachen. Und darüber sollte man sich wundern? Gibt es nicht noch heute, im Jahrhundert der Aufklärung, Redner, die so ordinär werden, daß ihnen der Regierungsvertreter im Interesse des Anstandes das Wort entziehen muß? Wenn die Herren Schönerer Holubek, Pattai rc. in dem Talmud, den sie so gründlich kennen wollen, auch nur ein Wort im hebräischen Originaltexte lesen können, so stelle ich ihnen mein ganzes Vermögen (st. 6.85) zu antisemittschen Zwecken zur Verfügung. Der Rohling'sche ״Talmudjude" aber ist ein tendenziös gefärbtes, judenfeindliches Werk, das weiß jeder gebildete Mensch, der in der Jugend wirklich was Gründliches gelernt hat. Herr Holubek weiß es nicht. All das lam und volksthümlich zu demonsttiren, wäre Ihre Sache, meine Herren Rabbiner, nicht aber in den Tempeln — da kommen nur Juden hin — nein, das müssen Sie in denselben Gasthäusern sagen, in welchen die Herren Schönerer, Holubek und Jstoczy predigen, dann wird's wirken. Und wenn es Ihnen gelingt, alle die Vorwürfe zu entkräften, die in der letzten Zeit gegen das Judenthum erhoben werden, dann werde ich's versuchen; war ich doch auch einmal, Sie wissen es Herr Dr. Jellinek, Lehrer an der hiesigen Cultusgemeinde. Ich habe noch nichts vergessen, und werde durch wortgetreue Citate aus dem Talmud Nachweisen, daß dieser zur Menschenliebe und nicht zum Haß auffordere. Sie glauben, es sei närrisch, wenn ein Volkssänger sich mit gelehrten Sachen befaßt? Warum denn? Wenn Abgeordnete, Schriftsteller in den Wirthshäusern als komische Figuren auftreten, warum soll der Volkskomiker nicht auch einmal gelehrt sprechen? Wien, am 29. October 1882. A. Hirsch, Volkssänger, Wiener und — Jude." Pest Ignaz Klein, einer der wegen der Tisza-Eszlarer Affaire durch Monate inhaftirt gewesenen Juden, welcher während der Untersuchung gefoltert wurde, ist gestern vom Kaiser in Audienz empfangen worden. Klein, der Soldat gewesen, wurde vom Monarchen sehr huldvoll ausgenommen. Die Audienz dauerte nahezu eine Viertelstunde, was im Audienz-Vorsaale große Sensation erregte. Ueber die Vorgänge während der Audienz wurde Klein Sillschweigen auferlegt. Am Schluffe derselben klopfte der Kaiser ihm auf die Schulter und sagte auf Ungarisch: ״Geh' nur nach Hause, mein Sohn, das Uebrige wird meine Sorge sein!" Mährisch-Ostran. Der Präses der hiesigen Cultusgemeinde Herr M. Straßmann feierte am 29, v. M. die silberne Hochzett mit seiner Frau Theresia Straßmann. Aus diesem Anläße, wurde von dem Vorstande für Samstag den 28. v. M. ein feierlicher Gottesdienst angeordnet. Als der Präses Herr M. Straßmann das Gotteshaus betreten hatte, und sich zu seinem prachtvoll geschmückten, mit auf dieses Fest bezughabenden Inschriften dekorirten Sitze begeben, erklang die mächtig schöne Orgel, ein wundervolles Präludium ward vorgettagen, während der Cantor Herr Ad. Lazarus zur Bundeslade emporschritt und das Matowu Gebet vortrug. Hiebei zeigte sich wieder, wie viel andächtiger der Reformgottesdienst I mit Musik zu stimmen vermag^ als der alte orthodoxe« Nachdem der Präses zur Thora als Erster gerufen ward, recitirte der Cantor den vom Herrn Dr. M. L. Stern, in M.-Arymau, verfaßten Mi sclieberach: im hebräischen Urtext, .welchen der CaNtor Herr . L az arus in kalligraphischer .Ausführung dem Präses überreichte. Sonntag den 29. October, am eigentlichen Festtage, begaben sich die neun Gemeinderäthe in die Wohnung des Präses Herrn M. St ruß mann und der Vorstand-Stellvertreter Med. Dr. Jos. W e ch s b er g richtete warm empfundene Glückwünsche an das Ehepaar. , . Bestprim. Unter den hiesigen Fiaker-Inhabern ist einer Namens David Kohn, über dessen, einer gründlichen Renovirung schon längst bedürftiges Vehiculum die Geißel des Spottes geschwungen wurde. Dies war aber für den Aermsten mit materiellen Nachtheilen verbunden, da er nicht in der Lage war, sich einen neuen Wagen anzuschaffen, der alte aber von Jedem, wenn möglich gemieden wurde. Vor 14 Tagen ließ ihn Herr Z ollen st e in — ein Christ —־ dahier, der prachtvolle Wagen und Gespanne zu Leichenbegängnisse beistellt, mit seinem Gefährte zu sich kommen. In dessen Hof angelangt, herrschte er Kohn zu, seine Pferde aus- und an einen nagelneuen Fiaker, auf den er hinwies, anzuspannen. Der arme Kohn träumte, wachte und wußte nicht, was aus dieser-Wagen- Metarmorphose werden sollte. Nachdem Alles pünktlich vollzogen war, sagte der edle Menschenfreund zum verdutzten Fiakerinhaber: ״der neue Wagen ist dein, uNd jetzt schau, daß du sortkommst." Gesagt, gethan! London. Der berühmte Banquier Sir Moses Montefiore der bekannte Wohlthäter der gemaßregelten Juden und besonderer Förderer des Judenthums feierte am 24. October a. 6. seinen 98. Geburtstag. Mögen diesem edlen Menschenfreunde und Wohlthäter noch eine Fülle von Jahren beschieden sein. — ' A v i « ö! Trotzdem mehrere geehrte Collegen ihre Verwunderung darüber ausgesprochen, daß die Aufforderung zur Einzahlung des Abonnementsbetrages so oft wiederholt werden müsse, sehen wir uns abermals veranlaßt, diejenigen Herrn Collegen, welche mit ihrem Abonnement noch im Rückstände sind, dringendst anzugehen, dasselbe zu begleichen, da die Herausgabe unseres Blattes mit sehr großen Auslagen verbunden ist, welche nur durch die pünktliche Einsendung der Abonnementsbeträge gedeckt werden können. Die Administration. Gowesporröenz. W. i n F r. Abonnement dankend erhalten. Zeitung erscheint jeden achten Tag. L. in Pr. Wollen sich gef. an den Bereinscaffier Herrn Fischer diesbezüglich wenden. Gr. in W., Gaudenzdorf. Dankend erhalten. L. in H. Gründ.-Beitrag fl. 1, Jahresbeitrag 4 fl.; mit Nächstem erhalten Sie die Statuten. D. R. in A. Danken für Eingesandtes. I. W. in T. Die behördlich genehmigien Statuten werden nach Constituirung des Vereines in Druck gelegt. D. in Sz. Beiträge schon lange abgeführt. Eingesandtes für diese Nummer zu spät.. D. in Au. Wir danken für die eingesandte Arbeit und werden dieselbe nächstens veröffentlichen.