Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 39 (10.11.1882)
- Date
- 1882-11-10
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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gfeit il£ ei on. Der Verfluchte. Erzählung aus dunkler Zeit von Ad. v. Zemlinszky. (Nachdruck streng verboten! Uebersetzmigsrecht vorbebalken.) 14. Fortsetzung. Hier endlich finde ich Etwas im ganzen All, das keine Erde ist. Und doch, wenn ich den Sprung gethan, was wird dann folgen? Bleib'etwa-ich in den Lüften hängen, daß mich die Lüfte zum Spielballe ihrer wilden, tollen Laune machen? Wohl möglich! Hat's ihnen der Wind zugetragen, daß ich mein Anrecht auf die Gemeinschaft der Menschen verloren Hab' durch blutigen Mord, so dulden mich auch die Lüste nicht. Und dann — O! wie das hämmert im Gehirne wie das schmerzt. Ich möchte denken und kann es nicht. Es hämmert unaufhörlich — Tag und Nacht. Soll ich den wirklich ewig leben? Verfolgt von den grausigen Phantomen des Mordes, soll ich denn immer überall nur Blut sehen, Blut athmen? Ich kann nicht sterben — darf nicht sterben. Gleich Kain muß ich ruhelos umherirren! Ich wollt' mein Dasein enden und sprang in's Meer Doch dieses empfand Ekel vor dem Mörder und spie auf's Land mich aus^Das Feuer, es hat keine Gewalt über mich, weil ich ein Mörder bin. Die Erde will mich auch in ihren Schooß nicht aufnehmen, weil ungerächtes Blut an meinen verbrecherischen Händen klebt — nun denn, jetzt will ich's mit den Lüften versuchen/ Und wenn sie mich auch zurückstoßen —was dann? Dann muß ich ewig leben. Ewig — ewig wie lange dauert wohl die Ewigkeit?-- Wer mag der Alte sein, der dort sich ermüdet setzt! — He da, Freund, bist Du von mir ein Genosse — dann komm, zu mir — reich mir deine Hand. Wir wollen zusammen durch die Welt ziehen. Doch, hast Du noch niemals Menschenblut vergossen, dann fliehe — fliehe, so weit dich Deine Beine tragen können. Fliehe — denn mein Athen! verpestet die Luft und erzeugt Todeskrankheiten — aus Blut und Mord besteht er — mein Auge hat den falschen Blick des Kain und kann Dich tödten. Darum fort — auf meiner Stirne kannst Du das Zeichen des Kain sehen.. Tausend Thränen hängen an meinen Kleidern — tausend Thränen träufeln mir wie siedend Blei in's Herz hinein — und tausend Tropfen Blut belasten mir die Seele — lassen mich nicht schlafen, lassen mich nicht wachen, lassen mich nicht sterben, lassen mich nicht leben. Fliehe — denn mein Name allein schon tödtet. Wie gerne möchte ich Dir sagen, wer ich bin — doch ich kann es nicht — ich weiß es nicht — schon fühle ich wieder das Hämmern im Gehirne — und ich kann nicht denken. Ich will's Dir sagen, wer Du bist, sagte der alte Mann, der sich ermüdet im Schatten eines Baumes auf das schwellende, üppige Moos niedergelassen hatte, Du bist Ephraim Manasse. Ephraim Manasse — O! nein, alter Mann, Du irrst Dich/ Ephraim Manasse bin ich nicht — kann ich nicht sein — sonst wäre ich nicht ich. Denn ich bin der, den Gottes drohende-Dynnersti-Mme auf allen - seinen. Wegen unablässig verfolgt und Rechenschaft fordert für schnöden Mord. Es ist, wie ich gesagt — und schaue mich an — erkennst Du mich?! Mein- Gott — ja — ja. Ein Schleier fällt von meinem Geiste. O! Du — Du Herrscher über uns, an dem ich so sehr gefrevelt, umnachte mir den Geist, ich sehe — ich fühle und dennoch kann ich nicht glauben! Bist Du der Rabbi Moses Hirsch, den ich gemordet, dessen Blut mich überallhin verfolgt und zu Gott um Rache schreit? Nein, Ephraim, der bin ich nicht! Ich bin der Rabbi Moses Hirsch, dem Gott auf wunderbare Weise das Leben hat gerettet — der jetzt lebt. Dem Gott auf wunderbare Weise das Leben hat gerettet? Wie soll ich dies verstehen. Ihr lebt, Ihr seid nicht der Schatten des Rabbi? Dieser Hand, an der ich immer so oft ich sie ansehe, Blutflecken zu schauen glaube — dieser Hand ist es nicht gelungen, Euch zu morden? Bon dieser Blutschuld׳ also bin ich frei-Dank Dir Du göttliche Vorsehung, daß Du solch' ein Wunder hast vollbracht. Und sagt, Rabbi, ist auch vielleicht der Andere wieder zum Leben erwacht? — Sagt ja — ja, Ist auch diese Blutschuld von mir genommen, dann ift's gut, denn dann — Ihr wißt es nicht, Rabbi/ was es heißt, einen Menschen — zwei Menschen getödtet zu haben. Und danket dem Schöpfer, daß Ihr es nicht wißt. Der Mord, der schreckliche Mord, den ich Verruchter vollbracht, er war's der meine Seele mir zerfleischte, der ruhelos mich in der Welt umhertrieb. Ich kann's Euch schildern, Rabbi, wie es dem Kain gewesen, als er seinen Bruder Abel getödtet hatte — ich kann's Euch schildern, denn jene Stimme, die aus den Wolken kam und drohend rief: Kain, Kain, wo ist Dein Bruder Abel? — jene Stimme habe auch ich gehört, auch mir rief jene Stimme zu: Kain, Kain, was haben die Blutstropfen auf Deinen Händen zu bedeuten? Ich schloß die Augen und sah das zürnende Antlitz des strafenden Gottes, ich lief, so lange mich meine Beine tragen konnten — umsonst, — die schreckliche Stimme tönte mir immer in den Ohren. Ich schaute auf meine Hände nieder, sie waren geröthet von Blut — von Menschenblut. Es waren dunkle Flecken und je mehr ich daran rieb, je mehr ich trachtete, sie zu entfernen, desto größer wurdest sie, immer größer, bis endlich die ganze Hand voll Blut war. Ich tauchte in's Wasser — doch Schrecken — auch dieses nahm die Farbe des Blutes an. O! Rabbi, es war schrecklich, sage ich Euch. Derjenige, der eine Blutschuld auf sich geladen, ist besser daran, — tausendmal besser, er bietet sein Haupt dem Schwerte des Henkers, als so ruhelos, unstät umherirren zu müssen, wie ich. Und sagt, — ich bitte Euch — ist auch der Andere zum Leben wieder erwacht? Der Andere! — wen meinst Du, Ephraim? Den alten wahnsinnigen Jakob, den ich auf den Feldern, außerhalb der Pragerstadt, erwürgt habe, da er verrathen wollte, daß ich Euch gemordet! Unglücklicher? Du hast ihn getödtet, also nicht durch Zufall kam er um im hohen Schnee? (Schluß folgt.)