Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 39 (10.11.1882)
- Date
- 1882-11-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 buch benützt (die Gemeinde singt) daher diese Lieder in Lage, Melodie und Form dem großen׳ Publicum zugänglich gemacht find. Werfen wir nun einen prüfenden Blick auf diese Gruppe von Gesängen, so tritt uns bei jedem Tonstück der sprudelnde Geist eines wahren und echten Musikers entgegen. Ueberall in melodischer, wie in harmonischer Beziehung begegnen wir viel Erfindungsgabe. Viele Stellen tragen das Gepräge der Originalität. Um so mehr muß es uns befremden, daß ein Mann von solcher Begabung, der gleich groß als Cantor, wie Componist und Lehrer dasteht, unsere Synagogalmusik bis jetzt mit keiner seiner Schöpfungen zu bereichern bestrebt war und doch wäre gerade ein Mann mit solchen vielseitigen Kenntnissen ausgerüstet am Geeignetesten hierzu. — Wir können uns diese Eigenthümlichkeit auf keine andere Weise erklären, als, daß die so mannigfaltige Wirksamkeit, ihn daran gehindert hat. Um so angenehmer berührte uns die im ״Jüd. Cantor" erschienene Beilage. Sie ist eine vorzügliche Probe von echter rechter Ckasonus dieses ״Enoscli 66b jizdak p’ne joz5ro“. Wahrlich, ein schöneres Zeugniß von seiner Begabung und seinem warmen Herzen konnte er uns nicht geben. Dabei hat der verehrte Verfasser es verstanden, diesen rührenden Gesang in jeder Beziehung wechselvoll zu gestalten. Bald tritt Solo (Cantor) begleitet von zwei Baßstimmen auf, bald Baßsolo, hier Chor, dort Tenorsolo rc., wodurch das Ganze zu einem höchst anziehenden Bilde sich gestaltet. Zudem ist die Harmonie durchgängig fließend und natürlich, obwohl man, wie es jedem Sachkundigen zur Genüge bekannt ist, nicht geringe Schwierigkeiten bei Harmonisirung solcher altjüdischer Gesänge zu überwinden hat. Indem wir dem geschätzten Verfasser für diese liebliche herzerhebende Gabe herzlichst danken und den Wunsch aussprechen, daß die Veröffentlichung seiner anderen Schöpfungen, die, wie wir hören sich auf viele Nummern belaufen sollen, nicht lange auf sich warten lassen möge, können wir nicht umhin die obenerwähnten, bereits erschienenen, Gelegenheitsgesänge auf's Wärmste zu empfehlen. Sind diese ursprünglich auch nur für die engen Grenzen seines Vaterlandes berechnet, so bieten diese doch so viel Mannigfaltiges, daß sie auch in anderen Ländern und für andere ähnliche Verhältnisse sehr gut verwendet werden können. ״ הנה מה־ רב ומה־נעיםSieh׳, wie schön und lieblich ist's", Ps. 133, für Männerchor, Harmonium- und Pianofortebegleitung, componirt von Ed. Birnbaum. Preis 2 Mark. Druck von Breitkopf und Härtel in Leipzig. Königsberg in Preußen, Ferd. Beyer's Buchhandlung. Seitdem der gottbegnadigte königliche Sänger David die erhabene Idee der Verbrüderung in diesem Psalm so rührend besungen, tönt diese seit Jahrhunderten in den Herzen der Menschen, fort und fort! Welch' eine Welt von Gefühlen und Empfindungen durchströmt unser Inneres bei dem Gedanken an die einstige Verwirklichung dieser Gottesidee! Wie sehnt sich unser Herz so unsäglich nach der herrlichen Zeit, wo alle Nationen das herzerhebende Fest der brüderlichen Vereinigung feiern und das Band der Liebe und des süßen Friedens alle Menschenkinder umschlingen wird! Ja, ״Sieh', wie schön und lieblich ist's, wenn Brüder, Freunde, in Treue und Frieden weilen", denn nur Eintracht, Friede und Einigkeit führen die Menschen zur wahren dauerhaften Glückseligkeit und zum Ziele ihrer Bestrebungen. Der so herrliche Gedanke in diesem Psalm übte daher von jeher eine besondere Anziehungskraft auf mäyche Componisten aus, die diese Fülle von Empfindungen auch in Tönen zum Ausdruck zu bringen suchten (Sulzer, Friedmann, Schönfeld rc). Doch der Inhalt dieser wenigen Worte birgt in sich so viele sehnsuchtsvolle Wünsche und erhabene Gedanken, daß diese sich selbst nicht durch die Musik erschöpfend ausdrücken lassen. Unser geschätzter College hat daher immerhin einen guten Wurf gethan, indem er diesen Psalm zum Vorwurfe seiner Composition gewählt. Wir haben es seiner Zeit, bei Gelegenheit der Besprechung des trefflichen ,Mi Adeln:“ (siehe ״Jüdischer Cantor" für 1879 Nr. 10) ausgesprochen, welche Freude es uns gewährte, von einer noch so jugendlichen Kraft solche gediegene Arbeiten zu sehen und fügten den Wunsch hinzu, daß der talentvolle Autor auf dieser Bahn fortschreiten möge. Wir sind daher sehr erfreut, in dieser lieblichen Composition unseren Wunsch verwirklicht zu sehen, indem wir in dieser überall den schönsten Fortschritt erblicken. Melodie und Harmonie verschmelzen sich in dieser Composition in natürlicher Weise, der Styl ist klar und edel, die Harmonie überall correct und , fließend und häufig treten wahrhaft schöne Stellen hervor, die uns höchst angenehm berühren. Besonderes Lob verdient der Chor, aus dessen praktischem Stimmsatze man ersehen kann, daß der Componist den Erfordernissen einer jeden Stimme gerecht zu werden weiß und auf diesem Gebiete recht heimisch ist. Dabei ist Alles leicht ausführbar und kann unter guter Leitung auch von Laien aufgesührt werden. Ueberhaupt. hat unser geschätzter College mit dieser Schöpfung eine neue Bahn betreten (Harmonium- und Pianofortebegleitung), die. Nachahmung verdient, da solche Compositionen bei unseren, jetzigen Verhältnissen ein wirkliches Bedürfniß sind. Indem wir nun diese Arbeit bestens empfehlen, können wir nur den Wunsch aussprechen, daß unser strebsamer und tüchtiger Autor uns recht bald mit einer ähnlichen Gabe, erfreuen möge. Cantor A. Baer. Offener Sprechfaul' für Alle. Löbliche Redaction! Ich erlaube mir hiemit, Sie ergebenst zu bitten, folgende Fragen den geehrten Lesern Ihres gesch. Blattes zur Beant- Wortung vorzulegen.; _ In der di es wöchentlichen Sidra, Cap. 24, Vers 17, bittet Elieser, der Diener des Abraham, die Rebekah, ihm einen Trunk Wasser zu reichen, da ihm dies das Erkennungszeichen ihrer Freundlichkeit und Bereitwilligkeit, also die Eignung als erhoffte Gattin für Jizchak sein soll. Sie ist sogar bereit, auch für seine Kameele zu schöpfen, was ihn sehr überrascht. . Nun heißt es ferner in Vers 51: hineli riwko lefoneclio kack woleck us’ki isekok l’wen adounecko. Vers 55: t'esekew kanaarok itonu jomim au osaur ackar teleck. שכר נוהניץ לבתולה זמז י״ב חודש לפרנס עצמה בתכשיטיה Vers 57. Sagt Laban und dessen Mutter׳: wir wollen das Mädchen rufen und wenisckalok es piko, dies deutet an, daß kein Mädchen ohne ihre Einwilligung verheiratet werden darf. Rebekah antwortet: אלך מאצמי ואף אם איניכם רוצים In ״Toldotk“ aber heißt es: Jizchak war 40 Jahre alt, als er Rebekah heiratete. Nun entsteht die Frage, wie ward eine solche Heirat möglich?