Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 39 (10.11.1882)
- Date
- 1882-11-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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— 3 — väterliche Stimme vom Himmel, ״die Hacke wird euch nicht sähen können, wenn ihr nicht den Stiel dazu liefert!" .Kollegen! Liefern wir den Stiel zu der Hacke nichi, die unseren Baum fällen soll! Mnfhaus, im Oktober 1882. Die jüdische Cantorrnfamilie Frankel. <Grü11städker Kinder). 2. Carl Frankel. Als die ״Grünstädter Kinder" einst über die hohen Feiertage in Hohenems functionirten, besuchten sie wie das üblich ist, die Gemeindemitglieder, darunter bcn Fabrikanten Jpsef Sulz er, dessen einzige Tochter ״Henriette" ihnen mittheilte, daß ihr Bruder Salomon ebenfalls Cantor, vor kurzer Zeit nach Wien gereist, um seine Stelle, mit dem Kopenhagner Prediger Mannheimer an dem neuen Wiener Tempel anzutreten! Später hörte Sulz er von der phänomenalen Baßstimme Carl Fränkel's (Frankel sang das contra 6״" oben fis, sympathischen Timbre, riesigen Calibers, volles Metall, von colossaler Ausdauer). Die Orgel war damals und ist noch heute in den Wiener Tempeln verpönt. Sulz er war für sein Interesse thätig, um eine solche Capacität für seinen Gottesdienst zu gewinnen, Frankel war eine förmliche Orgel, nichts war ihm zu hoch, nichts zu tief, und so konnte dieses Instrument entbehrt werden; das Fundament war sicher, um den Chorgesang war der Ring, der nicht wanken noch distoniren ließ! Carl Frankel wurde durch den Vorsteher Beer im Namen der Gemeinde nach Wien berufen und als das ״Grünstädter Kind" gesungen, fiel ihm Su lz er um den Hals und weinte, denn solche Stimme hatte er nicht so bald gehört. Er mußte bei Sulzer wohnen und Sulzer gab Frankel seine einzige Schwester zur Frau und band Carl Joel Fränkel somit an sich. Carl Fränkel, der außerordentlich fromm war, dirigirte in Deutschland eine Musikcapelle und betete oft hinter dem Contrabaß leise sein Gebet, wenn es.-!N^-Zeit war. Von seinen Schülern im Cantorate aus seiner Grünstädter Zeit lebt noch Ob.-Cantor Dreifuß in Mühlhausen-Elsaß.— Die Conservatoriums-Professoren Weiß, Stegmaier, Hellmesberger, Domcapellmeister Preyer und Randthartinger in Wien, wollten Fränkel für die Oper gewinnen, denn er war auch eine staatliche Erscheinung. Aber seine Liebe zum jüdischen Cultus ließ einen solchen Gedanken nicht in ihm aufkommen. Fränkel sang in Ischl bei einer Hochzeit des Senators Baron Königswarter von Paris und der Baron rechnete ihn unter die bedeutendsten Sänger; ebenso sang Fränkel bei Baron Rothschild und dieser sprach ihn später stets auf der Straße in der freundlichsten Weise an. Bei einer Tempel» einweihung in Mähren in Sch. wollten die katholischen Geist- Ischen Fränkel sogar invitiren und fragten sie ihn, ob er kein Instrument habe, so entzückte sie die gottvolle Stimme. Der Mann war der Staudigl des Judenthums. Der von ihm geleitete Musterchor wird den Wienern unvergeßlich. sein und seine Leistung und Pünktlichkeit war unübertrefflich. Sulzer war von Fränkel wunderbar unterstützt und durch seinen Tod verlor unser Nestor seine rechte Hand, erlitt somit bei seinem Alter einen nicht zu überwindenden Schlag! Fränkel kannte durch 38 Jahre Sulzers ganze j Eigenthümlichkeiten, ein Blick Sulzer's und Fränkel ließ einfallen, er deckte, unterstützte; er war eine ehrliche Unterstützung, ein Fels, der die Brandung nicht fürchtete; nie hat ein Cantor eine ähnliche Hilfe gehabt. Fränkel kannte Sülzcr's hitziges Naturell, er studirte Alles mit Harmoniumbegleitung ein und ließ Sulzer nur zur Generalprobe kommen, oft auch das nicht, auf .-!"1 studirte er mit seinem Chore und Sulzer machte nur eine Quartettprobe. Componirte Sulzer etwas Neues, so gab er die Partitur seinem Schwager und sprach ä la Wagner die allergnädigste Zufriedenheit aus. Sulzer wußte was er an Fränkel hatte, war ihm aber hiefür auch gewöhnlich dankbar. — Der größte Redner Israels Dr. Jellinek sagte bei der Leiche Carl Fränkel's über תצוד. ונשמע קולו בבואו אל הקדש 'r, wenn man in das Heiligthum kam, hörte man das edle Organ, sprach über Leistung, Charakter rc. rc. rc. Ueber Fränkel's edlem Charakter ist heute, wie früher nur eine Stimme, Reich und Arm, liebte und verehrte den Ehrenmann, die Barone Rothschild, Todesco, Königswarter achteten und verehrten den Mann, ebenso wie das ärmste Gemeindemitglied. Bei Fränkel war jedes Gemeindemitglied gleich in seiner Hochachtung; er hatte in der großen Wiener Gemeinde keinen Feind und Prediger Mannheimer sagte immer: Fränkel ist unser bravster Beamter. Er war selbstlos und übte seinen großen Einfluß für die Armen und Dürftigen, nicht aber für sich aus und starb nach 38jähriger Dienstzeit ohne ein Vermögen zu hinterlaffen. Seine meist den armen Ständen entnommenen Choristen überwachte er streng in den Schulstudien und die Meisten gedenken in Dankbarkeit ihres zweiten Vaters. Commercienrath Engel in Berlin, Richard Wagners Intendant Angelo Neumann, die Banquiers Neu mann, viele Redacteure, Kaufleute und hohe Beamte waren einst seine Choristen! Bei seinem Leichenbegängniße weinten Hunderte von Armen, die einen Helfer verloren und zahlreiche Anwesende, die durch ihn taugliche Menschen geworden, ja, der Gesellschaft zur Zierde gereichten, betrauerten in dem Verblichenen ihren Erzieher. (Fortsetzung folgt.) Musikalisches. II. Die zweite Arbeit ist von unserem verehrten Collegen Professor M. Fried mann in Budapest und besteht aus 10 kleineren Piecen verschiedenen Inhalts. Es sind Psalmen mit ungarischen und hebräischen Texten, zumeist für Gelegenheitsfunctionen verfaßt, wie es die politischen, freudigen und traurigen Ereignisse im Lande und in der Gemeinde des geschätzten Componisten erheischten. Den Momenten entsprechend, sind hie und da ungarische Nationalweisen, österreichische, belgische und baierische Volkshymnen verarbeitet. Zu den freien Arbeiten des Autors ohne nationale Färbung gehören: ״Zwei Psalmen" 121 und 133 (hebräischer Text), ״Psalm 49", ״Zwei Lieder" (deutscher Text), ״Psalm 16" (hebräischer Text), ״Zwei Lieder" (ungarischer Text) und das 23 Lieder enthaltende Gesangbuch von 1 bis 20. Die letzten drei Stücke sind wieder nationalen Charakters. Dieses Gesangbuch wird in vielen ungarischen Gemeinden vom Publicum als Gebetv