Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 36 (17.10.1882)
- Date
- 1882-10-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Regeln und.Normen sich, bewegen. Durch^hiksen Umstand,׳ wie - Wch den un mittelbarem HirsMHey- VEhr .der verschiedensteil Nationen undNationalitäten mit Mander,, bildetensich gewi^e.SchlagwvrLet aus, die äu^. der ganzen-.Gcöe landläufig geworben und sich also das' Weltburgerrecht erworben. ... .Unter diesen Schlagwörtern nimmtdas Wort Saigon einen 'heryörrägenden Platz ein. — Jeder Stand, jederBerufszweigt jedes Geschäft hat heutzutage seine Saison. Damit will setzöch nicht gesagt werden, daß das Wörtchen Saison zu den jüngsten internatioNaleu Ausdrücken gehört, wie etwa das berüchtigste Schl ägwort Antisemitismus — dieses jüngste Stiefkind der Wörterfamilien, das zur Schmach des germanischen Stammes von einem Deutschen in die Welt gesetzt würde;— denn thatsächlich war der BegMffi den man mit dem Ausdruck Saison verbindet, bereits dem grauen Alterthum bekannt. Sagt doch schon der Weise. Ko h el eth: ״Alles hat seine bestimmte Zeit und eine Saison hat jegliches Ding unter dem Himmel, das Weg werfen der Steine hat seine Saison und das Sammeln der Steine hat auch seine Saison.". Beiläufig hier bemerkt, daß diese etwas dunkle Bibelstelle über die Steinzeit von einem bibelkundigen Prediger in Berlin folgendermaßen interpretirt wird: ״Das Werfen der Steine — nämlich das Werfen der Pflaster- und anderer schwerer Steine in die Wohnungsfenster der Juden — ״hat seine Saison"; ״und das Sammeln der Steine" — nämlich das Einsammeln und Einsacken der den Juden geraubten Edelsteine und Prätiosen rc״ — ׳hat auch seine Saison", ׳Diese sinnreiche und sinnreizende Aufklärung der auffallenden Stelle in dem semitischem Prediger 1K0 H el et h von Seiten des antisemitischen Hofpredigerssoll besonders in '.der Antisemitenloge zu Preßburg mit großem Beifälle ausgenommen worden sein. Daß jede Saison sich blos auf einen Ort begrenzt und. nur auf einen gewissen Zeitabschnitt sich beschränkt, ist männiglich bekannt. Nur der weltbeglückende Antisemitismus macht, wie in Allem und Jedem, auch hierin eine Ausnahme. Denn die antisemitische Saison ist weder an Zeit und Ort, noch an einen gewissen Stand, am allerwenigsten an Wohlanstand gründen. Daß der Antisemitismus sich an keinen Stand bindet, ja die entgegengesetzten Stände gegenseitig umstaltet und verünstältet, das ׳hat die jüngst in Preßburg äbgehaltene Antisemitenfaisön zur Genüge bewiesen. Auf Grund dieser erwiesenen Thatsachen erscheint die Ansicht an Richtigkeit zu gewinnen dast diese judenfeindliche Liga nicht blos die sociale Stellung der Juden zu verändern und zu verschlechtern trachtet, ihr eigentliches Ziel sei vielmehr das verwerfliche Ideal des radicalen Socialismus, nämlich die ganze gegenwärtige Staateneinrichtung und gesellschaftliche Ordnung in ihren Grundfesten zu erschüttern und umzustürzen. Daß - auch der Jude eine? Veränderung' der gegenwärtigen Zustände in der. menschlichen Gesellschaft herbeiwünscht, stellen wir nicht Ln Abrede. Allein das Ideal ׳des Juden; ist das Musterbild des meffianischen Reiches. welches nach den Weisjagungen zweier seiner Propheten sich dadurch auszcichnen wird, daß alle Völker trotz ihrer Verschiedenheit in Race und Nationalität, in Sprache und Glauben, doch friedlich-׳und glücklich nebeneinander wohnen nnd freundschaftlich mit einander verkehren werden. ״Wo der Wolf mit dem Lamme wohnt, der Parder beim Bocklein lagert." ״Wo die Völker ihre Schwerter zu Sicheln und Sensen und ihre Lanzen .zuRehmesser.n ums-chmiede.n." ,MoVolk.gMNPolkrkein H.chwert erhebt unh hie Kriegskunst mD mehr,-gelernt wird.^ — ״Wo nicht böse und verderblich gehandelt. wird, denndie Erde ist voll der G.otteserkenntniß, wie die.Wasser. deuMeeresgrund .bedecken,". ,,Wo Jeder unter .feinM/-Weinstock-^ünb seinem Feigendäume ruhig sitzt und Niemand.erschreck(/' — ״Wo Israel׳M Namen seines Gottes wandeln; kann,, so wie jegliches Volk im Namen seines Gottes einhergeht." — Einen solch' idealen Zustand: der menschlichen Gesellschaft,anzubahnen eiferten die. in Jerusalem zu gleicher Zeit lebenden semitischen Propheten י Jesaja und Micha ihre Zeitgengfsen schon ,vor 2640 Jahren an,- durch ihre erhabenen und humanen Lehren über Gottesfurcht und Menschenliebe, die natürlich ganz., ver-? schieden sind von der verwerflichen. und, verderblichen Doctrin des Antisemitenapostels Stöcker, die Racenhaß und Intoleranz als gottgefälliges Werk hinstellt. Dem einen der . gedachten Propheten, dem Jesaja, verdanken Christen wie Juden,:Has ״Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, voll ist die! gqnze Erde (auch der Theil, wo Semiten wohnen) von feiner H^rrlichkeit", das zum Lobe des Allerheiligsten in allen. Göstes- Häusern, in den Kirchen , sowohl wie in -den Synagogen: mit zündender Begeisterung und tiefster Weihe angestimmt/wixd. Und der Andere, Micha, stellte als Grundlehre der . ganzen Religion folgenden Satz auf: ״Verkündet hat Er dir, o Mensch, (ohne Unterschied des Glaubens) was gut ist und was.Gott von dir verlangt: auf Gerechtigkeit zu halten, Liebe Hu, üben und in Bescheidenheit einherzuwandeln vor deinem Gotte." Kein Wunder, daß bei Beherzigung solcher Principien die Menschheit endlich dahingelangt, daß der Krjeger sein Schwert mit Sichel und Sense vertauscht; wie ckm Gegentheil das Schüren des Macenhasses consequent dahin-.führt/ daß der Ackers mann seine Geräthe -in Tod bringende Mordinstrumente verwandelt. --- Welche Macht soll ׳ aber: das -JudeNthum diesen rauflustigen und!habgierigen Elementenentgegenstellen8 Mb welchen -Waffen soll. sich dasselbe vertheidigen gegen! entsetzliche Verleumdungen und abscheuliche. - Verdächtigungen? Die Beantwortung dieser brennenden Fragen behalten -wir uns für eine-der nächsten-Nummer vor. . L. Buxbaum. - Hffener SprechsaaL für MUe. / G 0 r b ö, am 13. Mctober 1882^ Löbliche Redaction! Bezüglich der von Hrn.L e o p.o l d B ra un ausHalczeG in der letzten Nummer Jhrer gesch. Zeitung aufgestelltenHraZ ertaube, ich mir Folgendes.zu bemerken: .. : . . , . ,i Der .Pers: M nythwendige Fortsetzung - von *מי אזייר welches ohne/ Ersterem gar keinen Sinn Hätte, . und erst durch diesen Nachtrag,ergänzt wird. . , . : :. Der wesentlichste Segen, den man der BraNt: ertheiltfindet...in-dem Satz ״אחתנו.את היי לאלפי רבב: ״ Wsdr-uck.;> שיתי im Allgemeinen, heißt zieren, und . HerSinn wäre also folgender: ״Der mächtig, erhaben, gelobt ^und erhaben über Alles ist, und der den Dornbusch mjt Rosen ziert, dey segne , das Brautpaar", das heißt, der selbst das wilde GewächL mit - zierlichen Blüthen - schmückt, segne das :Brautpaar mitz guten Nachkommen. — Somit glaube ich die F^age, .gelöst. . Ihr ergebenster Fälk Herstein, Cantor.