Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 36 (17.10.1882)
- Date
- 1882-10-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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zu legen scheint. Er behauptet nämlich, daß wechsellustige Gemeinden und Cantyren durch einen Verein in ihrer Wechselsucht nur befördert-werden müssen. Aber wie soll denn das geschehen? Etwa dadurch, daß der Verein es sich zur Aufgabe macht, Witwen und Waisen verstorbener Collegen thatkräftigst zu unterstützen, oder dadurch, das altersschwache, dem Elende preisgegebene Collegen vor dem Untergange gerettet werden sollen? Mit bedeutenden Collegen will der Herr Autor zur Einsicht gelangt sein, daß ein Verein absolut unnütz, ja schlecht untz verderblich sei und er fordert zur Abwehr (!!) auf. Uns scheint es, daß die bedeutenden Collegen ebenso in der etwas überreizten Einbildung des Verfassers existiren, wie so manche andere Dinge und daß nichts als Schwarzseherei seine Feder geführt hat. Man wird uns aber sicher nicht verargen, daß wir, insolange nicht ein vollständiger Beweis für die Schädlichkeit oder Ueberflüssigkeit eines Cantorenvereines erbracht wird — und einen solchen zu liefern, dürfte doch etwas schwer fallen — nach wie vor für das Zustandekommen und das gedeihliche Wirken desselben mit allen unseren Kräften eintreten, daß wir als Rufer im Streite stets und stets, unbeirrt von Einschüchterungen und Einflüsterungen, von Anfeindungen und VerdachtigUngen, auf dem einmal betretenen Pfade bleiben, der allein zum Heile und zum Wohle unserer Standesgenossen führen wird. ' Das Machsor. Wenn, nichts so geeignet ist die . Andacht des Gottesdienstes zu stören, als die von Seite.der Laien in unharmonischer Weise, vorgenommenen Correcturen des Vorbeters inmitten seines. -Vortrages, so müßte auf .die Vermeidung der> selben mehr׳ Augenmerk gerichtet werden, als. dies thatsächlich geschieht. Bei dem noch geringsten . Verstoß des Cantors. der doch schließlich auch nur ein irrender Mensch ist, verwandelt sich die Synagoge in eine Tummelstätte und das. Publicum bietet, uns jenes Bild dar, welches im Minchagebet des Jom Kipur, von den Engels-Chören entworfen wird מיכאל מימין Caspar Schott beschreibt ein Esels-Concert, daß.ein Sicilianer gab. (Da gehörte wahrscheinlich auch eine Eselsgeduld dazu es anzuhören.) ״Derselbe hat vier Esel als Tenoristen, Bassisten, Altisten und-Discantisten abgerichtet.׳ Sobald er sein Musikblatt entfaltete, sangen die Bileamiten mit unnachahmlichen Ausdrucke: ^ut, re, mi ut," und ein schallendes Gelächter des zahlreich versammelten Publikums belohnte ihre Kehlengeschicklichkeit". Wenn wir der Angabe des Holländers Peter O p in er Glauben schenken dürfen, so war Ludwig X. der König von Frankreich der Erfinder einer anderen Gattung, in welcher Schweine die Rolle der Pfeifen und Katzen vertraten. Es war ein Concert, würdig am Hofe des Midas gehalten zu werden, und doch waren die Höflinge darüber entzückt. Doch das ״Schönste" degoutirt uns in der Länge, und hie herrlichste Musik wird dadurch langweilig. So kommt es, haß die Musik der Esel mehr ergötzte, als Nachtigallenlieder «nd Sphärenklänge, nicht weil sie lieblich, nein, weil sie neu und seltsam ist. . Zur Gesundheit!! A. K - a. ממלל וגבריאל. Nur der zum Ausbessern allein berechtigte Rabbiner drückt, aus Rücksicht für die heilige Stätte und aui Schonung gegen den ftl־T das Auge zu,' was aber noch den Unwillen der Menge erhöht und Vorwürfe auf ihn Ladeh Oft dachte ich darüber nach und habe es schon zum Thema meiner Predigt gemacht, wie solche unliebsame Unterbrechungen zu unterdrücken wären. Bekannt ist, wie unsere Weisen schon mild über die Fehler des שליח 2בור dachten (Chag. Abr. 53). Selbstverständlich ist es zunächst die heiligste Aufgabe des Cantors vor den Feiertagen ebenso wie mit den בכרכים auch mit den דינים aus den Quellen sich vertraut zu machen und durch Berathung mit den ältern, gelehrten 'כעלי תפלות, welche in dieser Beziehung mehr Gewähr als die Anmerkungen im מחזור verdienen, die localen מנתנים der Gemeinde kennen zu lernen, welche ja bekanntlich selbst die תלבת außer Geltung setzen, endlich sein מד», ד mit einem correcten zu vergleichen und etwa nothwendige Einschaltungen daselbst deutlich anzuzeigen. Dieser Punkt eben führt mich zur Besprechung eines zweiten, nicht minder wichtigen Uebelstandes, daß wir nämlich vergebens nach einem correctem מחזור suchen. Sind doch selbst die Heidenheim'schen Ausgaben nicht völlig frei von Jrrthümern*). Auch die alten Tempel- מחזוריב sind nicht ganz zuverlässig. Beispielsweise sei hier aufmerksam gemacht, daß bei den מליחות nach dem פזמון, abgesehen von den im demselben vorkommenden Versetzungen, die Wiederholung des סלה נא fehlt. Beim Muses für חול המועו־ sollte ישמחו nach dem קיבנות folgen u. A. Im Betteris' Machsor Band 3 ist die Anmerkung am Sabbat שהחינו vor מזמור שיהלום חשכת zu sagen; unrichtig ebenso Band 6 befindet sich der קדוש am unrichtigen Orte. Unübertroffen ist in dieser Hinsicht Sterns Machsorausgabe, der kleinen von Fehlern wimmelnden gar nicht zu gedenken. Vor mir liegt die 7. Auflage, aus welcher ich eine lange noch nicht erschöpfte Lese gesammelt habe. Band 3, S. 19, findet sich bei כל נדרי dieselbe oben gerügte Anmerkung. Band 6 in קז־וש für שמחת תורה die Worte חג הסבות. Band 8 im ,מערבות היום יים ששה ימים לעומר. Welche Gelegenheit für den irregeleiteten Vorleser und welch' ein wildes und wirres Durcheinander in Folge dieses Passus. Vielleicht genügt diese Anregung zur Herausgabe eines für den öffentlichen Gottesdienst bestimmten gleichmäßigen Machsor's, die durch vereinte Fachkräfte leicht zu veranstalten wäre. Rabbiner Dr. Ad. Frankl, in Kremsier. Ideale von Einst «nd Jetzt. Durch den immensen Fortschritt, den das Communicationswesen in unseren Tagen sowohl zu Land als auch zu Wasser gemacht, erscheinen die entferntesten Gegenden und die entlegensten Welttheile nahe an einander gerückt. Der Verkehr unter den Völkern der Erde ist ein sehr reger und lebhafter und in Folge dessen haben Handel und Gewerbe einen Aufschwung und eine Entwickelung erreicht wie zu keiner Zeit vorher. Um den Weltverkehr zu erleichtern, mußte allenthalben gleiches Maß und Gewicht, auch eiu gleichartiges Zahlensystem eingeführt werden, und der Welthandel über- Haupt nach gemeinsamen Principien, nach allgemein geltenden *)In deren ש״ע für ש״ת findet sich z. B. באהבה ובי־צח!