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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-10-17 · Heft 36 (17.10.1882) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 36 (17.10.1882)
Date
1882-10-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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leuchtung und Sichtung zu verlocken geeignet sind? Wir aber wollen dieser Verlockung widerstehen und gleich an den meritorischen Theil Herangehen. — Hier :nun wird zuerst eine Klage darüber angestimmt, daß die Gemeinden den Cantoren gegenüber ein solch' unmenschliches Vorgehen beobachten, in-! dem sie alle ihre Kräfte ausnutzen, um sie dann, wenn Alter und Krankheit herangekommen, wie eine ausgepreßte Citrone bei Seite zu werfen. Elend und Verzweiflung harren dann l des Chasans, der sein ganzes Leben im Dienste des Aller- \ höchsten verbracht. Dies soll nun nach der Intention des Autors -er erste Grund sein, der gegen einen Cantorenverein spricht so verstehen wir ihn. Dagegen möchten wir uns aber die bescheidene Frage erlauben, wohin denn der Cantor sich dann wenden soll, wenn er nicht den Bettelstab in die Hand nehmen will? Soll er etwa an die Gemeinde appelliren, die ihn unbarmherzig davon jagt, oder weiß vielleicht der geehrte Herr Autor .einen Weg anzugeben, auf dem den unglücklichen Amtsbrüdern sonst geholfen werden kann? Wir in unserer Beschränktheit verfechten stets den Vereinsgedanken als das einzige. Mittel zur Beseitigung dieses Uebelstandes. Wenn aber der Herr Autor statt concreter Anträge nur Phrasen und wieder Phrasen vorbringt, so können wir ihm den Vorwurf nicht ersparen, daß er über dem Wohlergehen des eigenen, lieben ״Ich" das ungeheure Elend Anderer mit allzu großer Gleichgültigkeit zu betrachten sich gewöhnt, daß er sich von Allem eher, als von menschenfreundlichen Gedanken leiten läßt. Oder ist es ein solcher, wenn er die uns fast unglaublich erscheinende Ansicht ausspricht, daß die besser situirten Collegen sich nicht mit unnöthigen .Vereinszahlungen belasten sollten? Wir können es uns nicht versagen, den Passus, der dies enthält, in seinem ganzen Wortlaute hier anzuführen, um so zu zeigen, wohin man gelangen muß, wenn man sich vom natürlichen Wege einmal abgewendet hat. ״Edel denkende Gemeinden", heißt es dort, ״und ihre gut und sicher angestellten Beamten, die das schöne, Wechselnicht nöt h ,i g, V er ei n s w ohlthaten anzun e h m e n u n d;fich überflüssige Vereinsz a h l u n ge n aufzubürde Der arme Vereinsgedanke, der. doch so ganz unschuldig ist, wird im weiteren Verlanfe des Artikels zu einem Mörder (sic I) gestempelt. Er soll arme Cantoren an die Wand gedrückt, ja ihnen den letzten Dolchstich versetzt haben. Diese kühnen Behauptungen erscheinen uns wirklich, recht erheiternd und so wollen wir darüber kein Wort verlieren. Wenn aber behauptet wird, dieser Gedanke sei verhängnißvoll geworden, so möchten wir fragen, für wen und wodurch? Seine Folgen sollen ״unheilschwängernde" —. nebenbei bemerkt, ein recht drastischer Ausdruck — sein, aber wir möchten gerne statt der vielen Worte und des Pathos ein concretes Faetum angeführt wissen, wo solche Folgen sich gezeigt haben, wenn nicht etwa in der erhitzten Phantasie einiger unzufriedenen Weltverbesserer. Wir und mit uns die große Mehrheit der Collegen wissen es im Gegeutheile, daß der Nutzen, den der bloße Gedanke der Begründung eines Vereines gestiftet hat, ein immenser sei! Wir brauchen blos an Ereignisse jüngst vergangener Zeit, sowohl froher als trauriger Natur, wo sich das Gemeingefühl aller Cantoren doeumentirt hat, zu erinnern. Umsomehr sind wir aber überzeugt, daß das Gute, welches der begründete Verein bringen muß, ad 0611108 die Grund- und Haltlosigkeit gewisser Oppositionsmacherei demonstriren wird. Uebrigens wird in dem besprochenen Aufsatz mit der Logik recht schön verfahren. Da werden Cönclusionen gezogen, ohne daß man es der Mühe werth flndet, sich zu überzeugeih ob dieselben auch aus ' dem früher׳ Gesagten folgen, ob sie nicht vielmehr mit demselben im grellsten Widerspruche stehen. Auf solche Art läßt sich freilich auch beweisen, daß schwarz weiß, und weiß schwarz sei. In dieser Manier wird noch zu guter Letzt das Motiv in's Feld geführt, auf welches der Autor das Hauptgewicht jch:1.e< fällig ciuhcrstolpernden Gedanken zu einer kritischen Besritige Bewußtsein haben, einem langjährig verdienstvollen Leben und Streben, müsse endlich gebührender Weise .-mit standesgemäßer Vergeltung erwidert werden, haben also Die Katzenorgel. Im Jahre 1789 gab ein Venetianer in London ein seltsames Katzenconcert. Die vierfüßigen Künstler hielten vortrefflich Takt; daß sie zuweilen distonirten, was lag daran? Das ist Künstlerschwäche! Uebrigens waren sie vortrefflich abgerichtet, und gehorchten jedem Winke ihres Lehrers und Kapellmeisters. Der Mann konnte mehr als Chorknaben einschulen, und man wußte nicht, sollte man mehr seine große Geduld und Ausdauer bewundern, oder die armen Thiere, emsig studirend unter der Ruthe ihres unbarmherzigen ״P r o f e s s o rs". Uebrigens war dieses ״Concert" keineswegs das Erste in seiner Art. Thiere und namentlich Katzen wurden schon früher zu einer seltsamen äußerst chromatischen Musik abgerichtet. Lange vor den Lebenstagen des Mannes aus der Lagunenstadt erfand man eine Orgel, bei welcher Katzen die Stelle der Pfeifen vertraten. Ein solches Instrument sigurirte auch bei der großen Procession während der Feste, welche dem König Philipp II. in Brüssel im Jahre 1549 gegeben wurden?׳ Der spanische Geschichtsschreiber Jean Christoval berichtet über die komischen Scenen der damaligen Festzeit, wie folgt: ״Die Musikbande befand sich auf einem großen Wagen. In ihrer Mitte spielte ein großer Bär die obige Orgel. Dii: armen Katzen befanden sich zwanzig an der Zahl in abgesonderten, engen Käfigen und waren mit den Schwänzen an die Schlägel gebunden. So oft ״Meister Petz" die Tasten berührte, hoben sich die Saiten und zogen die Künstler wider ihren Willen an den Schwänzen in die Höhe. In Folge dieses Manövers miauten sie dann in allen Stimmlagen nach der Natur der Arien oder Melodien. Nach den Tönen dieser bizarren Orgel tanzten Affen, Bären, Hirsche und andere Thiere auf einem von zwei Pferden gezogenen Theater ein komisches Ballet. Außerdem befand sich auf diesem Theater ein Käfig, in welchem eine Schaar Affen den Dudelsack blies und auf anderen Instrumenten ״spielten". Nach dieser Musik tanzten die verwunderten Thiere ״Solotänze" und verwirklichten die Sage von der Ciree. welche die Gefährten des UllysseS in Thiere verwandelte. Philipp II. mußte herzlich lachen und so war also der Zweck des Spectakels erreicht". Viele musikalische Schriftsteller sprechen von dieser Katzenorgel. Namentlich erwähnt Kircher eines ähnlichen Jnstkümentes, in welchem die armen Sänger durch das Niederdrücken -er Tasten gestochen, und zum ״Gesänge" gezwungen würden.

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