Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 35 (9.10.1882)
- Date
- 1882-10-09
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Möge uns das neue Jahr, an dem wir Alle nur einen Gott angerufen, auch einig finden, einig in unserem Denken, einig in unserem Fühlen für unseren Stand, für unseren Verein! Möge dieser Verein durch gemeinschaftliches Wirken ein segensvoller und heilbringender werden! Möge er gedeihen und Früchte tragen einem Jeden seiner Theilnehmer! Des walte Gott! Jonas Stransky, Obercantor der Klaus-Synagoge. Löbliche Redaetion! Vor Allenl gestatten Sie mir. meine Bewunderung über die Schlagfertigkeit jenes Collegen ansznsprechen, der auf meinen Artikel von den ״Hauptaufgaben des Cantors", welcher in der Nummer vom 22. August erschien, schon am 27. September eine ״Entgegnung" vom Stapel ließ, die in folgendem Satze gipfelt: ״Oder klingt es nicht ungemein komisch, daß zur Würde ״eines Cantors weder Studien noch angeborenes Talent ״nöthig sei!! Zuletzt mag es noch wahr werden, daß zur ״Würde eines Cantors nur — langes Haar nöthig ״sei! So sehr ich aber seiner Schlagfertigkeit Gerechtigkeit widerfahren lasse, so kann ich es doch nicht begreifen, wie er zu dieser Auffassung meiner Worte kam. Denn wo in aller Welt ist in meinem Artikel zu lesen, daß zur Würde des Cantors weder Studien, noch angeborenes Talent nöthig seien? Der betreffende Passus meines Artikels lautet: ״Ich glaube, daß der Cantor in erster Linie ein Priester ״zu sein habe. Zu d i e s e r Würde find weder hohe Studien ״noch ein angeborenes Talent nothwendig. Dazu gehört ״nur der feste Vorsatz, sittlich und charaetervoll zu leben . . .! Wer eine Satzanalyse versteht, wird wissen, daß ״dieser" sich immer auf das letztgenannte Hauptwort bezieht; deßhalb ist mit diesem Satze nur gemeint, daß zur priest erlich en Würde nur Sittenreinheit und Characterfestigkeit nothwendig ist, welche Sentenz auch im Pentateuch, Liber II, Cap. 19 ansgedrückt ist. ״Ihr sollt mir ein Volk von Priestern sein" spricht Gott vom Volke, d. h. Ihr sollt durch Sitienreinheit ein Muster den übrigen Nationen sein. — Es liegt mir fern, zu behaupten, daß der Herr Correspondent keine Satzanalyse versteht. Aber das Bestreben zu kritisiren, machte ihn blind gegen All' das, wodurch seine Kritik gegenstandslos werden konnte. — ״Licht! Licht! mehr Licht!" ruft derselbe; was nützt aber das Licht demjenigen, der nicht sehen will? Nn^ in einer Beziehung stimme ich mit dem Herrn Collegen überein. ״Es thut uns aufrichtig leid, früher etwas Salz in die Tinte geben zu müssen, um mit gebührender Schärfe entgegnen zu können", sagt er in seinem Artikel. Auch ״uns" thut dies aufrichtig leid, nämlich das Salz; es hätte eine bessere Verwendung finden können. Die jetzigen Tinten sind von so guter Qualität, daß sie ohne jede Zuthat die besten Dienste leisten können. Mau muß nur den richtigen Gebrauch davon zu machen verstehen und sich folgende Regel merken: ״Mit schlechtem Geschoß Aus schlechter Flinte Erreichst du nicht das Ziel! Spar' lieber Salz bei der Tinte, Und brauch' es bei den — Styl!" In vorzüglicher Hochachtung L. Stern. Fünfhaus, 1. October 1882. Löbliche Redaetion! Gestatten Sie es einem der eifrigsten Leser und Abvunenten Ihres geschätzten Blattes die nachstehenden Zeiten als ein ״ דבר בעתוWort zur Zeit" an meine geehrten Standesgenossen zukommen zu lassen. Gewiß wird Jeder mir beistimmen, wenn ich behaupte, daß wir Cantoren uns nur selbst ehren, wenn wir den bevorzugten, gottbegnadeten Sängern unter uns״ so weit dies in unserer Macht steht, bei geeigneten Anlässen den Kranz der Anerkennung winden. Ihr geschütztes Blatt hat in einer der jüngsten Nummern uns die erfreuliche Mittheilung gemacht, daß unser Amtsbruder Herr Obereantvr des Leopoldstädter Tempels, Josef Gold stein, am 15. Deeember l. I. sein Amtsjnbiläum feiert. Ich, als einer der ältesten Schüler desselben, erlaube mir hiemit, schon heute allen meinen geehrten Collegen, die in Herrn Obereantvr Gold stein ihren ehemaligen Lehrer und Meister verehren, den Vorschlag zu machen, es wolle Jeder derselben seine Photographie mit der Namensfertigung auf der Rückseite einstweilen an die geehrte Redaetion dieses Blattes einsenden. Die verehrliche Redaetion, allezeit bestrebt, dem wahren Verdienste seine Krone zu weihen, dürfte sich gefälligst bereit erklären, die eingesandten Photographien einstweilen zu sammeln und seinerzeit die Auswahl und den Ankauf eines schönen zweckentsprechenden Albums zu besorgen *), den Preis desselben in der Cantoren-Zeitnng gütigst zu veröffentlichen und den ans Jeden der Einsender entfallenden Theil der Ankaufssumme namhaft zu machen, wobei zu hoffen steht, daß jeder ehemalige Schüler des Gefeierten gerne seinen Obolus einsenden wird, um dem verehrten Meister zu seinem Jubiläum eine kleine Freude zu bereiten und den Beweis zu liefern, daß die Wogen im Zeitstrome es nicht vermochten, die Gefühle der Dankbarkeit aus den Herzen der ehemaligen Jünger hinweg zu schwemmen. Leop. Auspitz, Cantor in Hoiic. GalsZees, am 19. September 1882. Löbliche Redaetion! In der zu Lobositz an der Elbe von Professor I. Baum redigirten Zeitschrift ״Fortschritt" Nr. 18, habe ich vor dessen Lesern die Frage zur Beantwortung vorgelegt, welche Bedeutung es hat, daß von dem Cantore vor der Trauung שיתי p מי שושן חוחים, הוא יברך החתן עם הבלה gesungen wird? — Da diese Frage mehr den Cantor als den Laien berührt, bin ich so frei, Sie höflichft zu ersuchen, diese Frage auch in der ״Cantoren-Zeitung" zu veröffentlichen. Achtungsvoll Leop. Braun. Kleine GHronik. Wien. (Prediger-Jubiläum des Dr. Adolf Jellinek.) Aus Anlaß des sünfundzwanzigjährigen Predigerjubiläums Dr. Jellinet's fand schon am Lohemini-^rerktü im Tempel in der Seitenstellengasse eine Vorfeier statt, welcher der Gesammlvorstand der Cultusgemeinde, darunter der Reichsrathsabgeordnete Dr. Jgna; Kuranva und der Schriftsteller Dr. Leopold Ko mp er t beiwohnten. Nach dem Verlesen des Thoraabschnittes bestieg Dr. Jellinek die Rednerkanzel und gedachte der Ereignisse, die im lebten Vierteljahrhundert über das Judenthum im Allgemeinen und über *) Wir finden es für angemessener, wenn diese Photographien von einem der Schüler des Herrn Obercantor Goldstein gesammelt würden und unter diesen gebührt es demjenign, der diesen Gedanken anregte. Die Redaetion.