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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-09-27 · Heft 34 (27.9.1882) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 34 (27.9.1882)
Date
1882-09-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Ferdinand Hiller über die Zyvagogengesänge. Anläßlich des Jubiläums unseres hochverehrten Collegen Baer in Gothenburg halten wir es für angemessen, eine Kritik Hillers über den ״Baal T’fillah׳‘ feie er vor einigen Jahren in der ..Gegenwart" veröffentlichte, wiederzugeben. Die Ansichten eines solchen Meisters und ausgezeichneten Kenners der Musikgeschichte nicht allein über das betreffende Werk, sondern über die alten Synagogemnelodien überhaupt sind von hohem Interesse. Hiller sagt: ״Ein Prachtwerk in jeder Beziehung! Und ein schönes Zeichen unserer befreienden Zeit. Die viel geschmähten Gesänge der durch Jahrhunderte verachteten Synagoge liegen uns hier vor. in einer Ausgabe, die durch Schönheit, Klarheit, Vornehmheit, schon dem flüchtigsten Blicke imponirt. Welcher Fortschritte in der Denk- und Gefühlsweise der gebildeten Welt bedurfte es, um Derartiges möglich zu machen! Und wie erfreulich ist es zu hören, daß ein schwedischer Reichstagsabgeordneter, Dr. Hedlund, der Hauptförderer der Veröffentlichung war, die an 6000 Mark kostete und von Breitkopf L Härtel so hergestellt wurde, wie man es von diesem berühmten Hause stets zu erwarten berechtigt ist. Zahlreiche Collegen des Verfassers haben es vielfach ausgesprochen, daß die Leistung desselben eine ganz außerordentliche sei — ebenso anerkennenswert!) durch den Fleiß, der dazu gehörte (er hat 15 Jahre daran gearbeitet!) als durch die Kenntnisse, das Urtheil, den Geschmack, den sie erforderte. Sie stimmen darüber überein, daß' dieser ״praktische Vorbeter" unter allen bis jetzt erschienenen Gesängen für die Pflege und Beibehaltung des traditionellen Gesanges und der in den Synagogen eingeführten Riten, unbestritten den höchsten Werth besitze. Der geübtere Cantor stndet darin die deutsche und polnische Vortragsweise streng und correct auseinander gehalten und eousequent durchgeführt, der ungeübtere aber eine sichere Anleitung, eine Schule von unschätzbarer Bedeutung. Von der Großartigkeit des Werkes wird es eine Idee geben, wenn man hört, daß an 1500 Gesänge darin enthalten find — mit den Anmerkungen und dergl. umfaßt es 358 Folioseiten. Neben dem specistschen Nutzen, den diese Sammlung bringt, ist sie aber für den Tonkünstler eine Quelle auserlesener Genüsse, stets neuer erfrischender Anregung. Viele der hier vorliegenden Gesänge sind von so rührendem Ausdruck, andere von so kindlich reinem Character, wieder andere von so großartiger Kraft, daß sie ergreifend wirken, wenn man auch, wie es meistens der Fall sein wird, von den Textesworten nichts zu enträthseln vermag. Sie scheinen oft Melodien, wie sie sich improvisirt dem Herzen entreißen, und man begreift kaum, wie sich solche Tonergießungen durch lange Jahrhunderte fortpflanzen konnten, ohne je ausgeschrieben worden zu sein. Und nun die Originalität einer großen Anzahl derselben! Unsere musikalische Denkweise ist heutigen Tags so vollständig beherrscht von unserer modernen Harmonie, daß wir uns, ohne derselben entzogene Grundlagen, kaum mehr eine Melodie vorstellen können. Hier aber finden wir fortwährend Gesänge, die wir mit ihren zufälligen Halb-und Anderthalbtönen nicht in unser System einzwängen können und die trotzdem einer tonartlichen Basis, oder wie man es sonst nennen mag, nicht ermangeln. Der Herausgeber beklagt in dem Vorwort, daß ihm der Raum nicht gestattet habe, Begleitungen für die Orgel zu geben. Dieses Bereuen ist das Einzige was ihm vorzuwerfen ist, und sein guter Genius war es, nicht die Kostbarkeit größerer Ausdehnung, der in davor bewahrt hat. Nur in 'den seltensten Fällen läßt sich unser Harmoniesystem auf Gesänge anwenden, die nicht demselben entsprossen sind. Es giebt eine interessante Sammlung armenischer Kirchengesänge, die durch solche harmonische Unterlagen gänzlich verdorben worden ist. Die wenig zahlreichen Nummern, die im vorliegenden Werke mit einer Orgelbegleitung versehen sind, haben hierdurch verloren, Nur die Einstimmigkeit paßt für solche Lieder, sei es, daß sie von Einzelnen gesungen werden, sei es, daß alle mit einstimmen — das Zusammensingen der Menge kann eigentlich nur im Einklang stattstnden. Der musikalische Historiker wird in diesem Werke reiche Ausbeute finden und seine Beobachtungen werden ihm erleichtert durch die einfachen Bezeichnungen des Herausgebers. Er hat nämlich alle Weisen, als alte, neue, deutsche, portugiesische, polnische durch ein paar Buchstaben kennbar gemacht und nur die uralten, typischen ohne Merkmal gelassen. (Die wenig zahlreichen portugiesischen sind die werthlosesten und tragen ihren modernen südeuropäischen Charakter in unverblümter Offenheit.) Die unvergänglichsten Denkmäler unserer Tonkunst sind die, die keinen unsterblichen Namen tragen. Ein theures Werk, dieser Vorbeter, aber ein kostbares — es sei allen Forschern und Tondichtern, allen Schulen uud Bibliotheken aufs Wärmste empfohlen. Trotzdem wir Schätze vor uns aufgespeichert haben, mit welchen uns unsere armen reichen Genies beschenken, es thut wohl, auch einmal aus diesen ״grünen Gewölben" herauszukommen und Tönen zu horchen, die zu uns sprechen, wie Stimmen der Natur. Eine solche Volkesstimme ist auch eine Gottesstimme." Aus Israels Vergangenheit. Culturbild aus den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts von S. M o d l i n g e r. III. Diese letzte Bemerkung war mit einem solchen Nachdrucke gemacht worden, daß sie bis zu den Ohren Beer's drang und er glaubte hierüber nicht innehalten zu dürfen, sei es, um bei. Isaak aus Lancut keine Rancune, die zu spätern Conslicten führen dürfte, aufkommen zu lassen, sei es, weil ihm hierüber etwas Wirkliches aus dem Himmelsrathe bekannt war. Er äußerte sich in folgender Weise: ״Isaak aus Lancut -ist schon werth, einer Himmelshochzeit anzuwohnen; er ist aber noch ein Jüngling, folglich ein lediger Mann, den man von Himmelshochzeiten gern fernhält, um dem bösen Spiele des Satans nicht förderlich zu sein. Ja Rabbi Isaak aus Lancut ist unverheiratet; er ist der verkörperte Sohn Asai's und besitzt seine Seele. Der Sohn Asai's war wie unser Isaak unverheiratet, hielt sich fern von Hochzeitsfeierlichkeiten, nichtsdestoweniger hatte er freien Zutritt zu dem Himmelsrathe. Weil aber Isaak auf meiner Hochzeit nicht zugegen war, so werde ich aus der )'einigen auch nicht zugegen sein," fügte er in einem etwas witzelnden Tone hinzu. Größte Spannung und tiefste Stille herrschte im Auditorium. Beer hatte gesprochen und Jedermann war überzeugt, daß Isaak aus Lancut im Himmel als Rabbi proclamirt sei und wie der Sohn Asai's, niemals heiraten würde. יגג־ר.-, VjJ'•<־

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