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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-09-27 · Heft 34 (27.9.1882) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 34 (27.9.1882)
Date
1882-09-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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habe. Wie sollten nicht alle Collegen herbeiströmen, nur ihr Schärflein beizutragen zu dem großen Werke der Regeneration, das wir begonnen, das schon so weit sortgeschritten? Ist es doch eine Lebensfrage für uns, und da darf ja Keiner fehlen. Aber leider findet unsere Mühe, unsere Anstrengung zwar volle Anerkennung doch nur wenig Unterstützung. Viele unter den Collegen säumen gar zu lange mit der Einzahlung der Abonnementsbeträge oder vergessen ganz daran und Viele wieder, die durch ihre Intelligenz dazu berufen wären, unser Unternehmen durch ihre geistigen Kräfte zu unterstützen, halten sich ferne. Es scheint noch immer nicht die Ueberzeugung zum Durchbruche gelangt zu sein, von wie weittragender Wichtigkeit unser Organ für die idealen, wie materiellen Interessen der Collegen sei; denn anders können wir uns die Apathie und Gleichgiltigkeit, so mancher unserer Amtsbrüder nicht erklären. Die irrige Ansicht hat nur zu große Verbreitung gefunden, daß wir des Beistandes nicht bedürfen, daß unser Unternehmen, welches nur auf die Hebung des Standes und Wahrung seiner Interessen gerichtet ist, schon allein sich fortbringen und erhalten müsse. Aber diese Ansicht kann unserem Streben zum Verderben gereichen. Wir arbeiten und können nur dann mit Lust und Liebe arbeiten, wenn wir allseitig Förderung und Beistand finden. Durch Gleichgiltigkeit der Collegen muß uns am Ende die Arbeit verleidet werden, ein gedeihliches Wirken unmöglich erscheinen. Das große Ziel, das wir uns gesetzt, läßt uns hoffen, daß es dahin nicht kommen wird, daß die Collegen aus Nah und Fern noch zur rechten Zeit ans ihrer Lethargie erwachen werden. Wir richten daher an Alle, denen das Wohl des Standes am Herzen liegt, den Appell, sich um unsere Fahne zu schaaren, denn nur Einigkeit und gemeinsame Arbeit kann die Erreichung unser Wünsche ermöglichen, Uneinigkeit und Unthätigkeit werden den alten Schlendrian wieder herbeiführen. Schlußwort zu ״Concurr", ״Emolumente", ״Sch'chita". Die schwersten Tage der Arbeit sind vorüber, unser Herz haben wir vor dem Allvater ausgeschüttet, ihm nufer Leid geklagt. Möge Er unser Flehen auch erhören! Nun wollen wir auf unseren, durch die Vorarbeiten zu den hohen Feiertagen unterbrochenen Meinungsaustausch in Beziehung auf unsere, unter obigen Schlagworten erschienenen Artikel zurückkommen. Der aufmerksame Leser derselben wird uns das Zeugniß nicht versagen, daß wir uns hierbei jederzeit einer gedrängten Kürze befleißigt haben, die vielleicht nicht ganz am Platze war. Allein wir gestehen, daß dieses absichtlich geschah, um den Leser aufzumuntern, neues Material herbcizutragerr, und so dem Stoffe eine gewisse Abwechslung und Frische zu verleihen. Und hierin wurden unsere Erwartungen nicht getäuscht. Es entspann sich, wie wir es gewünscht und gehofft, ein frischer, fröhlicher Krieg. Und Das war gut; denn den Krieg lernt man nur im Kriege. Und unser Kampf um's menschenwürdige Dasein ist kein leichter, er will geübte Kämpfer. Nicht minder wird man uns das Zugeständniß machen, daß wir uns jederzeit der strengsten Objectivität befleißigt und uns nur an die Sache gehalten haben. Sind nun unsere Erwartungen auch in dieser Hinsicht befriedigt worden? Nein! In den gegnerischen Aeußerungen vermißten wir bis auf geringe Ausnahmen, das richtige Verständniß. Oder war es, wohlüberlegte Absicht, die Polemik auf ein Feld zu ziehen, das wir gar nicht bestellt haben? Mit welcher Zeile, mit welchem Worte haben wir das heilige Amt des Ledoeliöt oder gar dessen Person als unehrenhaft bezeichnet? Und das war ja der Tenor der gegnerischen Ereiferungen. Waren wir es, die z. B das Amt des 861106d6t mit dem eines Mautheinnehmers verglichen? (Nebenbei gesagt, vergaß dieser Herr College in jugendlichem Eifer für die Sache, daß der Mautheinnehmer die k. k. Finanzwache zu seinem Schutze anrufen kann. Und wer schützt den 86d06d6t?) Und weiter. Wodurch wird, nach der Ansicht eines anderen Herrn Collegen, mit solchen Artikeln, Zwietracht gesäet? Liegt nicht gerade für die Gemeinden die beste Gewähr, tüchtige Männer anzustellen, darin, daß diese etwas Ganzes sind? Wer es Allen recht machen will, macht es in der Regel Niemandem. Dem declarirten ״Unberufenen" wurde von anderer Seite heimgeleuchtet und so bleibt uns noch die humoristisch sein sollende Epistel eines von uns sehr verehrten älteren Herrn Collegen. Es thut uns aufrichtig leid, früher etwas Salz in die Tinte geben zu müssen, um mit gebührender Schärfe demselben entgegen zu treten. Vor Allem hätten wir gerade von dieser Seite, die, wie wir bestimmt wissen, an Erfahrungen sehr reich ist, mehr Ernst bei der Behandlung dieser für uns Cantoren brennenden Frage erwartet. ״Licht, Licht, mehr Licht!" rief der sterbende Göthe. Und wir suchen Licht. Mit gedankenlosen Wortspielen helfen wir uns nicht hinweg. Ernst, mehr Ernst! Leider aber hat dieser Herr College, gewiß gegen seine Absicht, das Malheur, gerade dort sehr׳ komisch zu werden, wo er den ernstesten Ernst an den Tag legen will. Oder klingt es nicht ungemein komisch, daß zur Würde eines Cantors weder Studien noch angebornes Talent nöthig sei!! Zuletzt mag es noch wahr werden, daß zur Würde eines Cantors nur — langes Haar nöthig sei! Nein, geehrte Herren Collegen, so wollten wir nicht verstanden sein. Unser Streben ging und geht vielmehr dahin, unseren Stand sowohl nach der materiellen, als auch nach der idealen Seite hin . zu heben. Zum Zwecke der materiellen Förderung unserer Interessen ist in erster Linie der Cantorenverein berufen. Diesem werden wir unsere Wünsche immer an's Herz legen, wenn es gilt, den Bedrängten in Schutz zu nehmen. Und zur idealen Vervollkommnung unseres Standes haben wir doch nunmehr das ausgezeichneteste Mittel zur Hand: die ״Cantoren-Zeitung." Nun denn, herbei Ihr Großen, Ihr Erfahrenen unter den Cantoren, lehret, erzählet! Euere Jünger harren erwartungsvoll Euerem Mahnrufe entgegen. Lehret uns, wie wir es anstellen müssen, unserem heiligen Berufe auch nach Außen hin mit Würde zu entsprechen, wie nicht minder unsere Interessen nach Innen zu wahren! Ist es Euch Ernst darum, ein ewiges Vermächtniß Eueren Epigonen zu hinterlassen, nun, wohlan, wir wollen Eueren Worten lauschen, Euere Lehren beherzigen! Betretet den Boden der Oeffentlichkeit und zeiget den Dunkelmännern, die gelegentlich des, Cantoren tages eine Cantoren nacht erwarteten, daß Euere Jünger, von langem, langem Schlafe erwacht, endlich dem Lichte zustreben und ihren Meistern gleich werden wollen! Adolf Rotter. I Turn au, 24. September 1882.

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