Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 34 (27.9.1882)
- Date
- 1882-09-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pliillnnierlltillus-PmL für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Für das Ausland: Ganzjährig. . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 incl. Zustellung in’f Hau«. Organ für die GeZMmt-IlltrreMU jüdischer Cnntmm Erscheint jeden ad)ten Hag. Begründ er: Obercantor Icrkob Wcruev. f cdactian Administration LeopolLstaLt, Circusgasse Nr. 20. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 34. Wien, 27. September 1882. 2. Zahrgnng. Ein ernstes Wort an unsere Leser. Zwei gute, zwei tüchtige Männer waren es, die in kurzen Zwischenräumen ihr Jubiläum gefeiert, und in einer Weise gefeiert, die sie mit stolzer Freude erfüllen kann. Waren sie doch das Ziel von Ovationen aus Ost und West, aus Süd und Nord. Von Bekannten und Unbekannten langten an sie herzliche Gratulationen auf telegraphischem oder brieflichem Wege an, einfache Widmungen und pompöse Adressen, .Blumen-״-- spenden und Goldpocale trafen aus allen Richtungen der Windrose ein. An ihrem Ehrentage vereinigte sich Alles, um ihnen Freude zu gewähren, um ihnen den Lohn für ihr Streben zu geben. Und in ihnen wurden ja Zierden unseres Standes, Männer gefeiert, die mit Künstlergabe Intelligenz vereinigen. Dies allein würde ja schon genügen, um uns herzliche Freude darüber zu bereiten, daß sie Gegenstand )0 einmüthiger Anerkennung gewesen. Aber es tritt dazu noch ein Moment von so großer Tragweite, dass es geeignet ist, das erste in den Hintergrund zu drängen und zu verdunkeln. Und dieses Moment ist das erhebende Gefühl der Zusammengehörigkeit, das alle Kundgebungen athmen, der gerechte Stolz einem Stande anzugehören, der solche Männer zu den Seinen zählt, das Band der Einigkeit, das sich um Alle schlingt. Und dies sticht ja nur zu sehr ab gegen die Verhältnisse und Zustände einer kaum vergangenen Zeit, einer Zeit, die wir ruhig zu den Todten legen dürfen. Wie ein böser Traum scheint es uns, wie ein schweres Alpdrücken, von dem wir befreit wurden. Was wußte man in Oesterreich-Ungarn von einem Stande der Cantoren? Wo kannte ein College den Andern? Wer suchte durch gegenseitige Aufmunterung das Wirken zu erleichtern? Bedrückt und ohne Selbstvertrauen, glaubten wir noch vor Kurzem das Aschenbrödel unter unseren Glaubensgenossen'zu sein, wir die Priester des Allmächtigen. Und woher kam dieser Mangel an Selbstachtung? Daraus, daß wir uns unserer nicht bewußt waren, daß wir die Geringschätzung, mit der wir behandelt wurden, für eine verdiente Hinnahmen. Wir waren nur zu sehr niedergedrückt und das wurde von unseren Gegnern — und wir hatten und haben ja der Gegner nur zu viele — weidlich ausgenützt, wobei unsere Uneinigkeit dies erleichterte. Und jetzt? Der böse Traum ist verflogen, nicht mehr umgibt uns der alte Kerker mit seinen modernden Dünsten, wir fühlen Luft und Licht, die Stunde der Befreiung hat auch für uns geschlagen. Was hat aber dieses erfreuliche Resultat zu Tage gefördert? Auf welche Weise und mit welchen Mitteln wurde es erreicht? Wir können es ohne Ueberhebung sagen, w ir waren diejenigen , die zuerst den Ruf erhoben haben nach Licht, wir haben zuerst die Finsterniß zu verscheuchen gestrebt. Mit Schmerz sahen wir lange die traurigen Verhältnisse unserer Amtsbrüder, wir suchten nach einem Mittel, um das Uebel zu heilen, wir suchten und wir fanden. Die Presse, die man mit Recht die achte Großmacht nennt, sollte und mußte das Werk vollführen Helsen. Von diesem Gedanken geleitet, gründeten wir nach dem Vorbilde unserer deutschen Collegen die ״Oesterreich-ungar. Cantoren-Zeitung". Und siehe da! was wir kaum zu erschaffen gewagt, ward zur Wirklichkeit. Eine Umwälzung ging vor sich. Alles erwachte aus der Lethargie, rieb sich den langen Winterschlaf aus den Augen und begann munter in die Welt zu ׳ blicken, begann sich als Eines zu fühleu. Wir errangen Selbstbewußtsein, brüderlich reichten wir uns die Hände, um in gemeinsamer Arbeit unseren Stand in den eigenen Augen, in den Augen der Glaubensgenossen zu heben. Eine jede Seite des vielverzweigten Cantorenlebens wurde gründlich erörtert, Gründe für und wider vorgebracht. Aber nicht genug daran. Auch an der materiellen Hebung des Standes arbeiteten wir gleich emsig. Ter Cantorentag, ein Mittel hiezu, bot uns reichliche Gelegenheit, Collegen aus Nah und Fern zu begrüßen, Alle hatten wir früher nur zu geringe von unseren Standesgenossen gedacht. Und hier ward uns die freudige Ueberraschung. Männer zu finden von Geist und Intelligenz, Männer, die mit Leib und Seele an ihrem Berufe hängen, die für ihn! alle ihre Kräfte einzusetzen bereit waren. Man sollte nun glauben, daß solche Errungenschaften solche Erfolge, die zum guten Theile der ״Oesterreich.-ungar. Cantoren-Zeitung" zuzuschreiben sind, auch allseitige Anerkennung, daß unser Streben allseitige Unterstützung gesunden Die nächste Nummer -er ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung" erscheint Montag oen V. Lctober a. c.