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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-09-19 · Heft 33 (19.9.1882) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 33 (19.9.1882)
Date
1882-09-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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s An den ״jüdischen Cantor" in Lromderg. In der letzten Nummer unseres Blattes gaben wir der Freude über den Entschluß unseres Collegen in Bromberg, Musikbeilagen zu bringen, lebhaften Ausdruck. Dabei konnten wir aber nicht umhin, unser Bedauern darüber zu äußern, daß dieselben zu so hohem Preise geliefert werden. Wenn wir dies — und zwar nicht aus eigenem Antriebe, sondern von anderen Collegen hiezu aufgefordert — aussprachen, so geschah es nur im wohlverstandenen Interesse der Sache. Keineswegs war es uns beigefallen, dem ״jüdischen Cantor" irgendwie nahe zu treten oder uns auf seine Kosten auf wohlfeile Art mit einem Glorienscheine zu umgeben. Dieses Motiv scheint uns aber unser Bromberger College untergeschoben zu haben. Darauf wenigstens deutet die in der jüngsten Nummer des genannten Blattes erschienene und an unsere Adresse gerichtete Enunciation, die, wie wir es offen gestehen, uns auf's Peinlichste berührt hat. Wir glauben es unserer Würde schuldig zu sein, Einiges aus derselben herauszuheben und zu beantworten. Vor Allem wissen wir nicht, was wir von der uns untergelegten Behauptung, daß unsere Abonnenten nach Tausenden zählen, halten sollen. Wenn dieselbe darauf ausging, uns zu ironisiren, dann müßten wir es tief bedauern, daß unsere wohlgemeinten Worte in dieser Weise vergolten werden. Sollte dieselbe jedoch ernst gemeint sein, dann ist sie uns erst recht unbegreiflich. Woher soll denn ein Fachblatt, das naturgemäß auf einen engen Leserkreis beschränkt ist, eine solche Unzahl von Lesern nehmen? Der ״jüdische Cantor" sucht dann zu beweisen, daß wir, weil unser Abonnementspreis um Etwas größer ist, auch schon im Stande seien, die Beilagen gratis zu liefern. Dabei läßt er jedoch wohlweislich außer Acht, daß unser Blatt — abgesehen davon, daß es ein größeres Format und daher auch mehr Satz hat — in einer Großstadt erscheint, somit Druckerkosten sowie anderweitige Redactionskosten um ein Erkleckliches höher zu stehen kommen, als bei einem Organe, das in einer Provinzstadt herausgegeben wird, wo die Arbeitskraft immer wolfeiler ist. Die Differenz im Abonnementspreis wird dadurch mehr als ausgewogen. Wenn wir aber später bei Herausgabe von Musikbeilagen gezwungen sein sollten, von unseren Abonnenten eine Entschädigung hiefür zu verlangen, so wird dies gewiß ein bedeutend geringerer Betrag sein, durch den, wenn auch nur ein Theil unserer Auslagen gedeckt werden soll. Wohl sind wir uns dessen nur zu sehr bewußt, daß wir dabei Opfer werden bringen müssen; durch diese aber wird einem dringenden Bedürfnisse gerade der minder gut situirten Collegen abge- Holsen werden können, was keineswegs geschieht, wenn für eine Beilage ein Betrag, der den Preis des ganzen Blattes bedeutend übersteigt, gefordert wird. Wir anerkennen übrigens gerne, daß das Erscheinen unseres Blattes vom ״jüd. Cantor" freundlich begrüßt wurde. Ebenso wenig kann uns aber das Zeugnis versagt werden, daß wir stets bestrebt waren unserem Bromberger Collegen vollste Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Niemals war es unsere Absicht den ״jijd. Cantor" zu verkleinern. Niemals sind wir aus unserem Wirkungskreise heraus getreten, auch niemals h«ben wir unter dem Deckmantel der Unparteilichkeit die Spalten unseres Blattes einem Artikel geöffnet, in welchem in ungerechtfertigter Weise gegen unseren Collegen in Bromberg polemisirt worden wäre. Stets war unser Streben dahin gerichtet, mit unserem Collegen in Friede und Eintracht zu leben, — und so wird es hoffentlich auch in Zuknnft geschehen. Denn nur durch gegenseitige Unterstützung nicht aber durch unfruchtbaren, unnützen Streit oder gar unverständige Concurrenz kann unser Ziel erreicht werden. Indem wir die Erwartung ausfprechen, daß der ״jüdische Cantor" durch unsere Erklärung von seiner irrigen Meinung abkommen wird, glauben wir zugleich den Gegenstand damit erledigt zu haben. Aus Israels Vergangenheit. Culturbild aus den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts oon S. M o d l l n g e r. II. Unter den Tischgästen befand sich Jakob, einer von den vier Brüdern, die die Volksstimme mit dem Collectivnamen ״die vier heiligen Thiere" bezeichnete und Isaak aus Lancut, ein Jüngling von blühender, schöner Gestalt. Er mochte bereits sein neunzehntes Lebensjahr erreicht haben und war dennoch unverheiratet. Gewiß eine Seltenheit, daß es unter den l Israeliten von dazumal einen Mann iu diesem Alter geben konnte, der nicht schon seit fünf oder sechs Jahren geneigt gewesen wäre, den Bund der Ehe einzu gehen. Der Lancuier war aber fest entschlossen, gar niemals zu heiraten Nicht etwa, weil er es den Philosophen Plato, Spinoza und Kant nachthun wollte — diese Namen waren für ihn aus dem Grunde nicht maßgebend, weil ihrer im Talmud keine. Erwähnung gethan wird —, auch nicht, weil Sokrates eine böse Frau hatte. Die heil. Gemarrha zählt diesen Mann unter die Frommen der ״Völker der Welt", denen die zukünftige Welt gehört, ein Glück, das sich der Lancuter Jüngling am meisten gewünscht hätte, wenn es selbst auf Kosten einer Lantippe geschehen sollte. . . . Nein, Isaak aus Lancut wollte nicht heiraten, weil er in die Thora verliebt war, und diese wollte er durch keine andere Nebenbuhlerin kränken. Da es ihm jedoch Viele als eine Anmaßung anrechneten, in die heil. Thora derart verliebt zu sein, als wäre er ein zweiter Sohn Asai's (eine Art jüdischer Plato), glaubte er, sich zu Beer begeben zu müssen, um von ihm die Autorisation zum Cölibate zu erhalten. Und so war er zufällig mit Jakob ״von den heiligen Thieren" zusammengetroffen und hatte ihm zur Seite Platz genommen. Zu Beginn des Mahles sprach Beer zu seiner Neuverwählten: ״Danina, meine Tochter, fülle ein Gläschen für Jakob, deM Manu von den ״heiligen Thieren", was natürlich sogleich geschah. Als nun diese dem Manne das Gläschen vorsetzte, konnte der neben ihm sitzende Isaak sich nicht erwehren, einen Blick auf sie zu werfen, worauf er sogleich verspürte, daß sein Herz urplötzlich in ein Feuermeer verwandelt worden sei. Er hätte auf einmal tausend Fragen an die Dame richten wollen. Kein Sterblicher durfte es aber wagen, beim Tische Beer's Gespräche mit einer Frauensperson anzuknüpfen. Isaak sah sich genöthigt, bei dem neben ihm sitzenden Jakob ״von den heiligen Thieren" Erkundigungen einzuziehen. ״Ist das die Tochter Beer's?" fragte er Jakob, worauf dieser antwortete: ״Du bist ein Narr! Es ist die Frau des Rabbi." Diese kurze und bündige Antwort hätte den jungen Mann schamroth machen sollen; sie rief aber bei ihm die entgegengesetzte Wirkung her-! vor — er wurde todtenblaß. ״Wie?" dachte er, ״das schöne

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