Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 33 (19.9.1882)
- Date
- 1882-09-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Die Centrale besteht aus dem Präses, 2 Präses-Stellvertretern rc. §• 17. Alle Ausfertigungen und Kundmachungen des Vereines müssen vom Präses und einem Präses-Stellvertreter und in Verhinderung des Präses von beiden Stellvertretern unterzeichnet werden. Ueber das Ledürfniß eines sogenannten כפר הזנות של כל השנה das ist eine Sammlung der alten National - Synagogen- Melodien und Responsorien nach Weise der alten Hebräer, wo ״Odasan" (Vorbeter) und ״kohol" (Gemeinde) an dem Gottesdienste gemeinschaftlich theilnehmen. Von M. G. Löwen stamm, weiland Obercantor der israelitischen Cultusgemeinde in München. (Schluß.) Nach dieser beinahe nothwendigen Abschweifung, die man uns gewiss verzeihen wird, kommen wir wieder auf unsere alte Synagogenmusik zurück. Unsere nationale Sprache, von der schon so Vieles verloren gegangen, droht leider im neuen Israel ganz verschwinden zu wollen. Sie, die früher ״E086don hakadoschoh“ genannt wurde, weil sie allen Israeliten ״heilig" war, ist kaum mehr ״Sefas Ever“ zu nennen, weil sie die Hebräer nicht mehr ׳ sprechen und die Wenigsten verstehen. Aus 86״ta8 Ever“ ist eine ״Sefas ovar“ geworden! Vergessen wir dazu noch die so altehrwürdigen, von unseren Urvätern uns überkommenen nationalen Weisen, die sich so lange erhielten und ihnen so heilig waren, als wären sie vom Sinaj gekommen, verwerfen wir das ״alte Chasanos", so geht auch unsere Geschichte, unsere Ceremonie und noch vieles Andere verloren. Und was ist ein Volk ohne Sprache, ohne Nationalmelodie, ohne Kenntniß seiner Geschichte? Dank sei daher den wenigen Männern in Israel gebracht, welche die Nothwendigkeit einsehen, Sinn für Sprache, Geschichte, Liturgie, Ceremonie und Sitte in Israel zu wecken und zu erhalten. Schon regt sich seit Jahren auch dieser Eifer unter den Neologen, sie sahen ein, daß, soll auch das eine Zehntel ״Eosloü weclioaloii“ fest stehen bleiben, der Jsraelite seine Bräuche, seine nationalen Sitten und sein Gepräge beibehalten muß. Viele Gemeinden in Israel bauen neue Gottes- Häuser, renoviren die alten ״Botlle keDesioth“ würdig zur Ehre Gottes, errichten israelitische Volksschulen, an denen sie tüchtige Schulmänner anzustellen bemüht sind. Hierin gehen namentlich Wien, München, Frankfurt a. M., Pest und noch andere mit schönem Beispiele voran und bleibt es hoffentlich nicht bei׳ dem traurigen Trost ״Ei 10 almon Isroel“ sondern wir erleben bald die Zeit, wo ein jeder ״misera hajehudi“ seine Geschichte rc. rc. kennen und in Ehren halten wird und wo das Bes Eloliiin wieder so besucht sein wird, daß man wird können ״omedim zefufim umischtaciiawim rewochim“. — Hier zeigt sich nun auch die Nothwendigkeit eines 8״ekerehasanos, schel kol hasehonoh“. Dieses nationale Werk soll aber nicht nur in die Hände der ., Chasanim “ und Baale tefilot gelangen, sondern in die Hände des ganzen Volkes; es soll ein allgemein nationales Gut werden. Soll unsere Synagoge ihrem Namen und Sinn entsprechen, so muß sie in allen ihren Theilen das nationale Gepräge an sich tragen. Jeder Jsraelite, der Oesterreicher, sowie der Russe, der Frauzose und der Engländer und der Italiener muß in jeder Synagoge, die er zur Andacht betritt, seine Synagoge wieder finden und an Liturgie und Chor-Responsorien Theil nehmen können, denn welche Gotteshäuser zeigen noch Da Plötzlich bewegt sich wankenden Schrittes eine in einen großen Mantel gehüllte Gestalt, mit großer Laterne in der Hand, der Judengasse zu, klopft an die Fensterscheiben, während sie gleichzeitig den bekannten Ruf: ״Zu Stiches! Zu Sliches!" laut ertönen läßt. Schlaftrunken stecken auch bald einzelne mit Namen Gerufene ihre mit langen, spitzen Schlafmützen bedeckten Köpfe zum Fenster heraus. Die Uhr zeigte gerade die erste Stunde und das schien denn doch den Meisten noch zu zeitlich zu sein, um zu Sliches aufzustehen. ״Entweder ist der Schames schicker oder geht unsere Uhr nicht richtig," so sprach der Hausherr, während die Hausfrau sich anschickt, noch schnell einen Kaffee zu bereiten. Nach und nach hat sich ein großer Theil der Gemeinde- Mitglieder vor dem Portale der Synagoge versammelt, doch der Schames will noch immer nicht erscheinen um die Pforten des Gotteshauses den fröstelnden Leuten zu öffnen.. Nun erst werden die Taschenuhren einzelner Mitglieder verglichen und siehe da, bis auf eine kleine Differenz zeigen alle 20 bis 25 Minuten nach 1 Uhr. Verdutzt sehen sich die Leute an und kommen schließlich auf den Gedanken — daß man sie ״genarrt" hat. ״Aha, ich weiß schon, woher der Wind weht," beginnt endlich Nachem der Trägler*), ein durchgewitzter Junge, ״ich wett', daß uns den Possen kein Anderer als wie der Pfarrer, der ״ausgejüdeschte Kopf" gespielt hat — aber laßt's nur gut *) Jüd. Stadtträger. sein, denn sein .jom hadin*) wird bald kommen, Raboißes laßt's mich nur machen aber ich bitt Euch, daß ja kein Mensch von der ganzen G'schicht red't, denn sonst werden wir obendrein noch gut ausgelacht." Mißgestimmt, aber ruhig, als ob nichts vorgefallen wäre, begaben sich die Leute wieder in ihre Behausungen, um daselbst den Ruf des ״wirklichen Schames" abzuwarten. * * * Rabenschwarz war die Nacht. Ein vom kalten, heftigen Winde gepeitschter Regen goß in Strömen nieder, schlug klatschend an die Fensterscheiben und wuchs in den Gassen, und Straßen zu förmlichen Bächen an. Vom nahen Kirchthurme hatte soeben die Glocke die zweite Stunde verkündet, als über das holperige Straßenpflaster ein mit einem Pferde bespanntes Bauernwägelchen über den Marktplatz des Städtchens eilends rasselt. Beim Pfarr- Hause angelangt, hält dasselbe, der Kutscher springt herab und zieht die Hausglocke. Bald daraus werden schlürfende Schritte im Hausflur vernehmbar, ein kleines Schiebsenster im Thore wird geöffnk't und eine Frauenstimme fragt nach dem Begehren. In mährischer Sprache ersucht der Kutscher der velebni pan (hochwürdige Herr) wolle sofort nach der zwei Stunden von der Stadt entfernten großen Mühle kommen, da der Besitzer derselben sterbenskrank sei und sich versehen lassen möchte. Der Herr Pfarrer ist aber selbst nicht ganz wohl, erwiederte die Pfarrersköchin, könnte nicht der Herr Kaplan ihn vertreten? *) Zahltag.