Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 32 (7.9.1882)
- Date
- 1882-09-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Trompete. bestanden hätte, so zeigt das unter Anderem auch von ihrer Unkenntniß der darüber handelnden Stellen im Talmud rc. rc. einerseits, anderseits aber, daß sie geneigt sind, zu leugnen, die Tochter sei der Mutter doch so ähnlich, aber etwas moderner und — verunstaltet. — Wie sollte man glauben können, daß zu einer Zeit, wo ein Obermusikmeister (Menazeaeh) wie ״Chananjali“, die weitberühmten Musiker ״Neman", ״Assaph" und ״Ettau" rc. rc. als Lehrer. Anführer und dirigirende Mitglieder des großen Tempelorchesters wirkten, wo, nach der Chronik, - über 4000 Musiker zur Mitwirkung disponibel waren, daß da eine Unvollkommenheit anzutreffen war? Und gehen wir nun noch zurück auf die Zeit des ״Bezalel ben Uri", der mit einem ״Ruaeh Elohim“ begabt, an Phantasie und Kunstsinn überreich und ein Meister des Gesanges war, ja gehen wir noch weiter zurück bis zu ״Jubal" dem Erfinder der Streich-, Schlag- und Zupfinstrumente, die gewiß' mehr als eine Saite halten. Ja es scheint, daß schon unter ״Kain" die Musik gepflegt wurde; denn heute noch nennt man in Persien die Musiker ״Kaine" oder ״Kahne". Auch zeigt die heilige Schrift schon in dem Gedichte des erblindeten ״Lemech", das derselbe seinen Frauen ״Gerillan" und ״Adda" vortrug, einen rhytmischen, prosodischen, sanglichen, poesievollen Fluß. Wenn nun schon hier im grauesten Alterttmin so viel Erfindungsgeist, so viel Sinn für Kunst und Poesie zu finden war, sollte man nach so und so viel Jahr- Hunderten später die gottesdienstliche Musik der Hebräer eine unvollkommene, das Vocale durchaus als ein Ilnwono bezeichnen wollen! — Wenn nun auch, ohne es aber wirklich anzunehmen, und obgleich zu Zeiten David's und Salomo's schon eine Orchestration von beinahe 32 diversen Musik- Werkzeugen bestand, wie allgemein bewiesen ist, die Musik nicht auf der Stufe, die sie heute einnimmt, gestanden haben mag, so ist das noch kein Beweis für die Unvollkommenheit der Musik der alten Hebräer. Wer weiß, welche Veränderungen der heutigen Musik und deren Notation rc. rc. noch bevorstehen, der Kamps der Parteien hat seit Jahren schon begonnen. Jedes Ding ist einer weiteren Vervollkommnung fähig — weil nichts hierniedeu vollkommen — warum sollte dieß nicht auch in vorliegendem Falle zugestanden werden können? ,,E11 eliödoseh, tachas haseliemeseh“ oder wie ״Ben Akibah“ sagte: Alles -schon dagewesen. Das Neue sollte stets die Verbesserung des Alten sein. Diese Reform führt am Ende zu der erhabenen Einfachheit zurück und wir sind die Erfinder von Dem, was schon die alten Hebräer und Griechen erfunden hatten. — Ein stetes Unisono der vocalen Musik der alten Hebräer möchten wir aber schon darum nicht zugeben und wir bekämpfen diese irrige Ansicht mit aller Macht und Kraft und ganz richtig, weil bei den alten Hebräern der Gesang in allen Verhältnissen nicht nur bei gottesdienstlichen sondern auch bei außergottesdienstlichen Feierlichkeiten sowohl von ״Männer"- als ״Frauenstimmen" vorgetragen worden ist und hier mußten sich die so großen Chöre der Leviten und Sänger, zumal am vueban, durch die verschiedenen Stimmlagen (Stimmtymbre) im mehrstimmigen — vielleicht achtstimmigen — Satze und in Doppelchören geltend machen! Wahr ist's, daß es sehr schwer wird, eine Partition solch' alter hebräischer Musik vorzulegen. Es ist aber dies auch kein Wunder, da bei dem mannigfachen traurigen Schicksal dieses Volkes und dessen Zerstreuung in allen Ecken der Welt das Meiste, sowohl an Musikwerken als anderen Kunst-, wissenschaftlichen und geschichtlichen Werken, in Verlust gerathen und wie vieles Andere uns nur durch mündliche Ueberli eferung geblieben ist. Der sehr würdige Abt ״Flür y" Salomon van T i e l, ״Blasius U g o l i n o aus Venedig" ..Speide l" rc. rc., also keine Israeliten, sowie noch mehrere andere wahrheitsliebende Musik- und Alterthumsforscher, sagen in ihren Werken über ״Musik der alten Hebräer", daß sie Manuscripte aus den ältesten Zeiten der Hebräer gesehen haben, welche ausgezeichnete — notirte — Melodien enthielten, die sehr harmonisch gewesen sein sollen. Schade, daß sich die reicheren Gemeinden Israels nicht bemühen, solch' unschätzbare Kleinodien aufsuchen zu lassen und zu erlangen. (Fortsetzung folgt.) Äus Israels Vergangenheit. Culturbild aus den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts von S. M o b l 1 n 3 e r. . Voll der wunderlichsten Auswüchse einer üppigen, orientalischen Phantasie, ist die Kabbala,׳-jenes merkwürdige Werk, über das schon viel gesprochen und geschrieben wurde und das doch nur Wenigen in seiner wahren Gestalt bekannt ist. Ueber Gott und Seraphim, über Himmel und Hölle, über Leiden und Freuden der Todten wird dort in autoritativer Form gleich genaue Auskunft ertheilt. Und der Eingeweihte vermag durch seinen Machtspruch sich die Kräfte der Natur dienstbar zu machen, ihm ist kein Ding, kein Wort bedeutungslos. Alles legt er sich nach seiner Weise aus, Alles steht im engsten Zusammenhange mit den himmlischen Seraphim. Und so ist auch dem sonst doch ziemlich irdisch klingenden Wörtchen ״Entdecken" in der Kabbala ein ganz anderer, höherer Sinn zugeschrieben. ״Entdecken" heißt nämlich in der Sprache der Eingeweihten, die Wahrnehmung machen, daß ein׳ Mensch, der zu etwas Höherem nicht berufen zu sein schien, durch verschiedene Waschungen und Selbstheiligungen dazu gelangt sei, mit dem Himmel in unmittelbarsten Verkehr zu treten, und dem lieben Gott Befehle zu ertheilen. Ein solches ״Entdecken" ist wahrlich wichtiger als die Auffindung eines neuen Continentes oder irgend eines Himmelskörpers. Mit dem letzteren dürfte es etwa insofern einige Äehnlichkeit haben, als ein ״entdeckter" Mann auch in himmlische Bahnen einlenkt und nur scheinbar mit seinen leiblichen Füßen diese ״unreine" Erde berührt. Die folgenden Zeilen enthalten die Geschichte eines solchen ״Entdeckens". Beer aus Meseritsch, ein Discipel des Mannes von ״gutem Namen" und nicht minder als dieser berühmt, hatte das Unglück, seine Gemahlin zu überleben. Als gottergebener Mann, ertrug er die schwere Hand des Himmels mit wahrer Seelenruhe. ״Die Hand welche verwundet, wird auch zu heilen wissen", Pflegte er zu sagen. Denn die Sprüche der Bibel und aus dem Talmud waren ihm, wie das Wasser dem Strome, geläufig und er hatte bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ein Kerncitat zur Hand. Demzufolge dachte er schon am siebenten Tage nach dem Tode seiner Gattin, an welchem er zufällig seinen 62. Geburtstag beging, an seine Wiederverheirathung. Sein erster Gedanke war zwar eine Witwe zu ehelichen, doch ließ er diesen bald fallen, und entschloss sich zu einem Mädchen, das in der ganzen Stadt im Rufe der größten Frömmigkeit und Schönheit stand. Gewisse Gründe zwangen ihn, diesen Entschluß ehemöglichst zur Aus-