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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-08-30 · Heft 31 (30.8.1882) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 31 (30.8.1882)
Date
1882-08-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 nach Rakonitz zu begleiten, um nach dreijährigem Studium, von seinen Wohlthätern und Gönnern mit allem Nöthigen genügend ausgestattet, abermals seine Studien in Prag aufzunehmen. — Reich talentirt und namentlich auf talmudischem Gebiete tüchtig vorbereitet, hatte Koppel Markbreiter seine Aufmerkiamkeit auch dem profanen Wissen nicht abgewendet — seine reizvolle Stimme machte ihn sehr oft zum Mittelpunkte der kleinen Welt, in deren Mitte er lebte und war es sonst auch selbstverständlich, daß jeder Bocher nötigenfalls auch vorbeten mnßte. so galt M. bereits damals als hervorragender Baal t' filoh. — Zu 1791 תהנ״א פסה besuchte M. seine in Nikolsburg lebende Mutter, deren Stütze er mittlerweile geworden.— Dieser Act der Pietät, seiner Mutter gegenüber, sollte die Quelle all' der Segnungen werden, mit denen der Himmel unsern M. fortan beschenkte. — Nach glücklich vollbrachter Lösung manch' unentwirrbar scheinenden talmudischen Knotens — welche Probe ieder heimkehrende ״feine" Boeder, der damaligen Sitte gemäß ablegen mußte — ward M. auch mit der Aufgabe beehrt, am Na^rnv zu Pesach vor- Sudeten; — war es der kühne Flügelschlag des jungen Adlers — war es die Erregung über die glückliche Rückkehr zur geliebten Heimat oder gar die Poesie des Gedankens, in jener Synagoge, an deren Stätte mancher Traum der allerdings ernsten, aber immerhin selig verlebten Jugendzeit haftete, selbst als Vorbeter zu wirken — die Töne des jungen M. quollen aus dem Herzen und drangen auch zum Herzen seiner Zuhörer. Unter diesen Letzteren war ein Wiener, ein zufällig in Nikolsbürg weilender sehr geachteter Mann. Namens Jakob Pollak, welcher nach kaum beendigten - Gebete und nach kurzer Rücksprache unserem M. den Vorschlag machte, mit ihm nach Wien zu übersiedeln, um seinen Kindern als Lehrer und dem in seinem Hause eingeführten Gottesdienste als Vorbeter vorzustehen. (Schluß folgt.) Schullehrer und Cantor. Bon Emil Kränkel. In der letzten Nummer unserer Fachzeitung wurde der Inhalt einer, in zweiter Austage erscheinenden Broschüre: ״Presse und Judenthnm" von I. Singer, auszugsweise mitgetheilt. Der werthe Autor scheint ein Verehrer des Cantorates zu sein und tritt für die Amatgamirung des Cantorates mit dem Lehramte in wohlmeinender, beredter Weise ein. Schon die löbliche Redaction konnte ihm jedoch nicht voll beistimmen, indem sie ganz richtig bemerkte, daß jedes der beiden Aemter den ganzen Mann verlange und auch ich bin aus triftigen Gründen, sowohl physischer als auch pädagogischer Art. gegen eine Vereiuigung derselben. Ich möchte den Herrn Autor höflichst fragen, wie ein Cantor täglich 6 Stunden Schuldienst leisten, ferner seinen Chor instrniren. Montag, Donnerstag. ר״ח, Freitag und שבת beim Gottesdienste mit vollem Organe fungiren soll? Da weiters in kleinen Gemeinden der Cantor auch קורא ist. so bitte ich mir einen Mann zu zeigen, dessen gemartertes Organ, eine solche Riesenarbeit für die Dauer aushält! Zur Zeit der hohen Feiertage sind wohl Schulferien, jedoch muß der Cantor zur Erholung für das abgelaufene Schuljahr, eine Chorprobe nach der anderen abhalten. Wie geschwächt an Kraft und Stimme kommt er dann zur Hauptaufgabe des Cantors!!! Und nachdem er an den hohen Feiertagen seine Hauptaufgabe erfüllt hat, beginnt wieder der nicht minder aufreibende Schuldienst. So geht es fort, Jahr ein, Jahr aus, ohne Unterbrechung. Das hielte vielleicht ein lyrisches Tenörchen aus, ein Bariton niemals? Doch zugegeben, es besäße der Cantor Kraft und Stimme genug, um alle diese Schwierigkeiten zu bewältigen, müßte er nicht ein Amt um des andern Willen vernachlässigen, wenn Leichen. Hochzeiten, Beschneidungen rc. mit einem Worte Casualfnnctionen sich aufeinander häuften? Käme er nicht mit der Vorgesetzten Schulbehörde in Collision? Wie würde sich dieselbe bedanken, nacheinander Urlaube. Substituten zu bewilligen! Man gewährt es nicht gerne dem Rabbi als Religionslehrer, nun käme noch der Cantor-Lehrer. Für jede Schule ist ein solcher Zustand ein Ding der Unmöglichkeit. Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht, kann der Cantor in kleinen Gemeinden Gesanglehrer. Religionslehrer. Chormeister und Gemeindesecretär sein. Eines dieser Nebenämter kann er, nach Fähigkeit und Talent, mit ein oder zwei Stunden wöchentlich, annehmen. Hiefür kann jene Zeit in Anspruch genommen werden, in welcher nach dem Ortsbrauche der Cantor keine Functionen zu versehen hat. Aber ein Satz hat mich in dem Artikel besonders erstaunen gemacht, in welchem der Herr Autor nämlich sagt, der Cantor, der zugleich Lehrer wäre, genösse mehr Achtung in den Augen der jungen Sänger! Ich verstehe diesen Passus nicht. Am ersten österreichischungarischen Cantorentage sah ich zu meiner unaussprechlichen Freude, solche intelligente, liebenswürdige und tactvolle Amtsbrüder, daß ich stolz auf Stand und Collegen wurde. Das sind nicht die Männer, die erst Lehrer werden müssen, um sich, in welchen Kreisen immer. Achtung zu verschaffen! Solche Ansichten über den Cantor wären antiquirt, mittelalterlich! Jeder Cantor wird von seinem Chorpersonate die Achtung genießen, die er sich in seiner Gemeinde zu erwerben versteht. Göthe sagt: ״Selbst ist der Mann!" Ueberhaupt ist die Verbindung von Aemtern, selbst wenn die Kenntnisse und Fähigkeiten vor- Händen sind, eine schwere Sache. Die Kräfte wollen auch berücksichtiget sein und Mancher büßt diese Ueberbürdung mit dem Verlust der kostbaren Gesundheit. In vielen kleinen Gemeinden Deutschlands, die Reformgemeinden sind, in welchen sehr wenig gebetet und die Thora in drei Jahren gelesen wird, während die Hauptaufgabe beim Gottesdienste dem Chore zufällt, der auf der Gallerie thronet, ist der Cantor auch Prediger, oder der Prediger auch Cantor. Natürlich ist er das eine so viel oder so wenig wie das andere. Nun muß man mit Erbarmen ansehen, welche Anstrengung es dieser Copie des Pastors kostet, wenn er mit der kleinen Predigt fertig ist. nur das einfache Beten zu Stande zu bringen. Daher kommen auch die meisten dieser Gemeinden später zur Einsicht, daß es viel praktischer sei, dem Prediger das Lehramt zu übertragen, während der Cantor den Religionsunterricht ertheilt. Und diese Eintheilung hat sich auch am besten bewährt.

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