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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-08-30 · Heft 31 (30.8.1882) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 31 (30.8.1882)
Date
1882-08-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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persönliche Motiv bei Seite setzend, nur das allgemeine Wohl im Auge zu behalten. . Auch wir wollen alle unsere Kräfte, so gering sie auch sind, für diesen Gedanken einsetzen, wollen uns durch nichts beirren lassen. Unbekümmert um alle Angriffe, mögen sie von welcher Seite immer kommen, werden unsere Blicke nur auf unser erhabenes Ziel gerichtet sein. Die ״österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung", deren Nothwendigkeit noch so Mancher nicht einsehen will und deren — wir können, ohne gerade unbescheiden zu sein, sagen — trotz ihrer kurzen Dauer schon so segensreiches Wirken, von nur zu vielen Collegen noch immer nicht gebührend gewürdigt wird, soll trotzdem immer und immer auf ihrem Platze stehen, wo es gilt die Interessen unseres Standes zu vertheidigen, seine Ehre zu wahren, für seine Zukunft zu sorgen. Und dies wird hoffentlich dazu beitragen, daß auch unsere bisherigen Gegner uns brüderlich ihre Hand reichen werden, um uns in unseren Bestrebungen für das Wohl der Cantoren Oesterreich-Ungarns thatkräftigst zu unterstützen. Wereinsnachrichten. Bei unserem Vereinseassier Herrn Cantor A. Fischer sind weiters von solgenden Collegen Gründungsbeiträge eingelanfen: I. Löwensohn. Brüx; Nähnadel, Libochowitz; Ad. Muneles, Prag; Porges, Prag; Schwarzkops, Tachau; R. Richnosskh, Sobieslan; Pollak, Schwihau; Bader, Pardubitz; Judenstein, Mnissek; H. Unschuld, Werschetz (V2jähr. Beitrag); R. Kohn, Kobersdorf; I. Tschatzny, Königsberg a. E.; Ferd. Pollak, Böhm.-Neustadtl bei Pilsen; Jos. Klein, Budweis; Lernberger, Kuttenplan (Vüähr. Beitrag). In Folge des in Nr. 30 der ״Oesterreichischungarischen Cantoren - Zeitung" erlassenen Ansruses sind zur Unterstützung der Familie des derstorbenen Collegen, Cantor I. Luria in Gran bis zum heutigen Tage solgende Spenden eingelaufen: Redaction der ״Oesterr.-ungar. Cant.-Ztg." fl. 5 College I. Singer, Wien.. 5 ״ ״ A. Fischer, ״.3״ ״ Schiller ״ .2״ ״ Papo, Wien.1 ״ ״ M. Reiser, Neuern. ......1 ״ ״ A. Adler, Ung.-Hradisch . . . . 1 ״ ״ Rosenfeld, Pisek.50.— ״ ״ A. Baer, Gothenburg ..... M. 5 Durch eine von Herrn Cantor A. Fischer unter Privaten eingeleitete. Sammlung . fl. 25 Restaurateur Winternitz, Wien .... 1 ״ Summa sl. 44.50 u. 5 Mark. Weitere Spenden bitten wir gefälligst an den Vereinseassier Herrn Cantor A. Fischer, Wien, I. . Sertenstättengafse 4 einzusenden. Der Vorstand des ״österr.-ungarischen Cantorenvereines." Rabbi Koppel Markbreiter, der Vorgänger Sülze r's. Von Obercantor Singer, Wien. Keine außergewöhnlichen künstlerischen Bestrebungerl, keine epochemachenden, die Welt zum Staunen veranlassenden Thaten sind es, die den Mann, der den oben angeführten Namen trug, auszeichneten, sondern eine Summe ethischer Eigenschaften, welche uns in selten schöner Vereinigung ein herzerhebendes, erquickendes Bild echten, altjüdischen Beamtenlebens vor die Seele zaubern. — Eine Rückschau auf das Leben und Streben unserer Altvordern bietet nicht blos die Bedingung, den Werth unseres eigenen Schaffens im Spiegel einer bereits abgeschlossenen Fachbestrebung zu prüfen, sondern auch — namentlich in der gegenwärtigen Zeit des rastlosen Jagens und Haschens nach Popularität — vielen von uns Cantoren die Gelegenheit, unserem Dasein und Streben den Stempel jenes patriarchalischen Stilllebens aufzudrücken, welches einzig und allein die Bürgschaft in sich trägt, uns über die Mühen und Sorgen des amtlichen Lebens hinwegzuhelfen und inmitten der menschlichen Gesellschaft eine unserem Stande würdige Stellung zu verschaffen. Koppel Markbreiter wurde im Jahre 1769 zu Nikolsburg in Mähren geboren. — An der Wiege des kaum sieben Monate alten Kindes erklang ein düsteres Schlummerlied; denn der Vater erlag einem, an seinem Körper lange zehrenden, durch Noth und harte Armuth sich rasch entwickelnden Leiden; — der schwer geprüften Gattin blieb nichts weiter übrig, als ein leeres Haus, ein gottesfürchtiges Herz und ein bekümmertes Gemüth, wie sie ihr Hauswesen weiter zu führen im Stande sein dürfte. Unter Sorgen und Noth, unter den härtesten Entbehrungen entwickelte sich das Kind, wie die meisten in Gottesfurcht erzogenen Kinder, so glücklich, daß die um das Glück ihres Sprößlings ängstlich bejorgte Mutter den, für die damaligen Verhältnisse geradezu heroischen Entschluß fasste, ihr Kind zur ferneren Ausbildung nach Wien zu bringen. — Im Jahre 1775, also sechs Jahre alt — stand unser Koppel, seine brave Mutter zur Seite, vor den als Philantropen noch 1 heute in gutem Andenken lebenden Männern, Herrn Samson Wertheimer und Herrn Josef Edlen von Wertheimstein, auf welche das schöne, lebhafte und wissbegierige Kind einen solch' überwältigenden Eindruck machte, daß sie die Mutter mit reichen Mitteln versahen, zu Hause ein kleines Geschäft unternehmen zu können und sich erboten, den kleinen Koppel in Wien zu behalten und nach ihrer Intention fortbilden zu lassen. — Wie ein Sonnenstrahl nach gewitterschweren Stunden die düstere Landschaft erhellt, so freudig ergriff dieses Ereigniß das Herz der besorgten Mutter und so schwer auch des Lebens Bürde ihr ward, der Hinblick auf die glücklich eingeleitete Fortbildung ihres Kindes stärkte sie in sorgenschwerer Stunde. — Nach sechsjähriger tüchtiger Arbeit (1784) war der Knabe bereits derart entwickelt, um die damals weltberühmte Talmudschule in Prag beziehen zu können und nach weiteren drei Jahren rastlosen Strebens fesselte der fünfzehnjährige Knabe bereits die Aufmerksamkeit des bedeutenden Talmudisten und damaligen Kreisrabbiners in Rakonitz Rabbi Josef Deutsch, welcher gelegentlich einer von den Juden Böhmens an Kaiser Josef gerichteten Deputation, deren Führer er war, vorübergehend Prag berührend, den jungen Mann veranlasste, ihn

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