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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-08-30 · Heft 31 (30.8.1882) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 31 (30.8.1882)
Date
1882-08-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Priillumeilllillns-Prejs für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3:— Vierteljährig . fl. 1.50 —VAJ— Für das Ausland: Ganzjährig . . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 incl. Jastrllong in's gans. O r g a 11 kür die OrZlmimi-Iilimsskll jüdischer Cantoren Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkob Mcrirerr. ctlaclian Administration Lcopoldlladl, Circusgasse Nr. 20. lj Inscrate l werden billigst berechnet.! Manuscripte werden nicht 1׳ retournirt. Nr. 31. Wien, 30. Äugust 1882. 2. Jahrgang. Ein Mahnruf! Wenn es noch eines Beweises für die dringende Noth- Wendigkeit eines engeren Verbandes der Cantoren Oesterreich- Ungarns bedurft hätte, so wurde er uns vor Kurzem in recht trauriger Weise geliefert. Ein College, in den besten Jahren, wurde seiner Wirksamkeit durch plötzlichen Tod entrissen. Er hinterläßt eine trauernde Witwe und zwei unversorgte Waisen. Ohne Vermögen, ohne irgend welche Ansprüche an die Gemeinde in der der Verstorbene durch Jahre gewirkt, sind Jeine Hinterbliebenen auf die Mildthätigkeit der Collegeu angewiesen. Es ist zwar von dem Wohlthätigkeitssinne derselben zu erwarten, daß sie dem schönen Beispiele, mit dem Einige vorangegangen, auch folgen werden und so die Möglichkeit geboten sein werde, den bitteren Verlust, wenn auch nur einigermaßen weniger fühlbar zu machen. Doch welche Unruhe muß sich eines jeden Einzelnen unter uns bemächtigen, wenn er bedenkt, daß auch er ja nur, ein Mensch, dem menschlichen Schicksale unterworfen sei. Muß er sich nicht die schmerzlichen Fragen auswerfen: Was soll dann mit meiner unglücklichen Gattin, was mit meinen geliebten Kindern geschehen? Wer soll sich ihrer annehmen, wenn sie des Ernährers beraubt sind? Sollen sie auf die Wohlthätigkeit Einzelner angewiesen sein? Ist dies doch eine Quelle die leicht versiegt, versiegen muß und gerade damals versiegt, wo die Noth am größteü. Und Verzweiflung muß eines jeden Familienvaters Herz dabei ergreifen, ihm jede Freude an seinem Wirken vergällen und alle seine Kräfte in diesem vergeblichen Kampfe aufreiben. Man wird nun wohl die Frage aufwerfen, ob irgend ein Mittel gegeben sei, um diesem furchtbaren Uebelstande abzuhelfen und auf's Wirksamste zu steuern. Und darauf antworten wir, wie der alte Cato mit seinem 66״t6rnm censeo“: es gibt ein solches Mittel. Aber nur ein Mittel und dieses ist die energische Durchführung der von uns in Angriff genommenen Gründung eines Unterstützungsvereines der Cantoren Oesterreich- Ungarns. Ein solcher Verein wird einem Jeden die Sicherheit bieten, daß die Existenz seiner Familie nicht von dem bloßen Zufalle abhänge, es würde dadurch das bittere Gefühl erspart werden, das nur zu leicht Jedermann beschleicht, wenn er auf die Wohlthätigkeit Einzelner angewiesen ist. Denn der Verein wird die Unterstützungen nicht als Wohlthaten gewähren, sie wären nur das Aequivalent für die Leistungen eines jeden einzelnen Mitgliedes. Darum ist es auch die Pflicht eines jeden unserer Collegen für das Zustandekommen dieses so hochwichtigen Vereines mit aller Kraft einzutreten; eine heilige Pflicht gegen sich selbst, gegen seine Familie. Eine Verletzung dieser Pflicht kann vor dem Forum des eigenen Gewissens nicht verantwortet werden. Niemand darf sich von diesem Unternehmen ausschließen, Niemand darf, auf seine gute Stellung pochend, dem Vereine ferne bleiben; der Gedanke, daß kein Mensch weiß, was der kommende Tag in seinem Schoße birgt, muß Jedermann für unser erhabenes Ziel erwärmen. Keiner dünke sich zu hoch, Keiner zu gering, für den Verein zu wirken. Und es möge Niemand glauben, daß er dieser seiner Pflicht entsprochen, wenn er seinen größeren oder kleineren Beitrag entrichtet hat, dies wäre ein sehr gefährlicher Jrrthum. Der Zweck des Vereines ist zwar, pecuniär den Mitgliedern, respective deren Familien in der Zeit der Noth beizuspringen und ein segensreiches Wirken kann ja nur bei Vorhandensein genügender Mittel erwartet werden. Aber eben darum ist es die heilige Pflicht eines jeden Collegen auch auf andere Weise für den Verein auf's Kräftigste einzutreten, die Gemeinden und ihre Mitglieder an ihre Pflicht zu mahnen, da doch auch sie ein Interesse daran haben, oder wenigstens haben sollten, daß für die Zukunft ihrer Beamten möglichst vorgesorgt werde. Durch dieses, sowie dadurch, daß wir die Apathie und Gleichgiltigkeit, die leider noch so manchen unserer Collegen beherrscht, energisch zu bekämpfen suchen, wird es uns gelingen die Zwecke unseres Vereines zu fördern, denn nur viribus nnitis vermögen wir etwas zu erreichen. Man wird es uns nicht verargen, wenn wir bei dieser Gelegenheit an unsere geehrten Collegen die dringende Bitte richten, jedes Die nächste Nummer -er ״Oesterr.-nngar. Cantoren-Zeitnng" erscheint Donnerstag den 7. Sept. a. c.

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