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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-08-06 · Heft 28 (6.8.1882) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 28 (6.8.1882)
Date
1882-08-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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-ici voraüsgegaugener Erhitzung aufmerksam, warne sie auch vor dem so schädlichen, nichtsdestoweniger aber sehr üblichen Wassertrinken nach kaum beschlossener Singübung. Wenn sich -Bei dem Schüler Trockenheit oder Rauhheit, Kitzel und Drücken im Kehlkopfe und der Luftröhre zeigen, wenn die Stimme nicht ihren eigenthümlichen Klang hat, wenn der Sänger selbst merkt, sie nicht wie sonst gebrauchen zu können, dann befindet sich die Stimme in einem krankhaften Zustande und es ist die Pflicht des Lehrers, den Schüler ruhen zu lassen und nicht weiter zu forciren, wenn er nicht den Zustand verschlimmern 'oder wohl gar die Stimme seines Zöglings ganz verderben will. Was die Ausbildung der Organe selbst anbelangt, so ist besonders darauf zu sehen, dieselbe durch regelmäßige Sangsweise zu befördern. Der Lehrer unterlasse ja nie, seine Schüler aufmerksam zu machen, daß durch das gewöhnliche Schreien und Ueberschreien die Stimme ihren schönen Klang verlieren müsse, abgesehen davon, daß besonders bei schwächlichen Individuen sehr leicht dadurch unheilbare Brustübel entstehen. Nur durch die gleichmäßig fortgesetzten Singübungen gewinnt die Stimme an Kraft. Klarheit und Klang. Der Lehrer lasse wo möglich seinen Schüler allein singen, damit er sich leichter hören und den Klang seiner Stimme kennen lerne. Das Mitsingen des Lehrers (besonders wenn er selbst nicht mit der besten Stimme betheiligt ist) hat die übelsten Folgen für das Organ des Schülers, denn unwillkürlich gewöhnt sich das Ohr an die Stimme, die es immer hört und es bildet sich der Klang nach dem Klang des Vorsängers. Ein kleiner Beweis dieser Behauptung mag darin liegen, daß die schönsten, kräftigsten Stimmen der Bauernmädchen nach der zitternden Stimme eines alten Vorbeters sich bei Proeessionen ummodeln. Daß der Sänger gerade, mit freier Brust vor dem Notenpulte stehen, beim Singen den Mund gehörig öffnen müsse, dies sind wohl Dinge, die jeder Singmeister ohnehin weiß und daher seinen Schülern einschärsen wird. Äccente, Tonzeichen oder Tropp. Von Emil Frankel, Strakonitz. In dem herrlichen Werke meines Freundes und Collegen Abraham B aer, Obercantor in Gothenburg. Schweden, findet sich, so Vieles des Interessanten, Wissenswerthen, daß in allen Cantorkreisen nur eine Stimme höchster, einstimmiger Anerkennung laut wird. In der Cantorschule in Alzey wird das Werk als Lehrbuch mit vorzüglichem Erfolge benützt und im zukünftigen österreichisch-ungarischen Cantorseminar in Wien wird es seinen verdienten Platz als Lehrbuch finden; deutsches, polnisches, portugiesisches 011a8ou68 und Recitativ mit allen Minhogim und Vorschriften, viele melodiereiche Compositionen, sowie der Reformgottesdienst ist vorhanden, 1511 Nr., die Ausstattung und Druck musterhaft. Ich erlaube mir, die geschätzten Collegen besonders aufmerksam zu machen, auf die nun erscheinende 2. Auflage zu subscribiren. Meister Baer flat Verehrer in seiner nordischen Heimat gefunden, die ihm materiell gewaltig beistehen; die Auflage kostet 6000 Mark und ist er dadurch in die angenehme Lage versetzt, vom ersten Preis 50 Mark auf 30, für unbemittelte Amtsgenossen 20 Mark zu reduciren und im Stande, seinem epochemachenden Werke die weiteste Verbreitung ohne jeden materiellen Gewinn -zu geben! Im Vorworte findet sich eine wissenschaftliche Abhandlung über die Betonung, Accente, Tonzeichen, Tropp, die höchst interessant ist und in der eine Capacität wie Prof. Petermann seine Ansicht mittheilt. Anfangs spricht Collega Baer über den traditionellen Synagogengesang, Entstehung und Entwickelungsgeschichte desselben,׳erinnert an die Ansichten des seligen Naumburg in seinem Aguda8 Lekirim und Ehrlich's in der von ihm herausgegebenen liturgischen Zeitschrift und sagt dann: Es dürfte Manchem unbekannt sein, daß die Armenier ihre Kirchenlieder nach einer Art Noten singen, die den hebräischeu Tonzeichen nicht unähnlich sind. Prof. Petermann sagt hierüber in der ״Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft" Folgendes: Die Armenier singen ihre Kirchenlieder nach einer Art Noten, welche in mannigfaltigen, über den Buchstaben angebrachten Zeichen bestehen und sich seit dem 5. Jahrhundert n. CH. unverändert erhalten haben sollen. Es wird vermuthet, daß die Armenier ihre musikalischen Zeichen von den Griechen entlehnt haben sollen. Ihre ältesten Kirchenlieder sind von Jahak dem Großen, Katholikos der Armenier, und seinem treuen Ge- Hilfen Mcsrop, welche Beide in der ersten Hälfte des 5. Jahr- Hunderts lebten, blühten, sowie von ihren zahlreichen Schülern. Sie waren es auch, welche die acht Tonarten für die Gesänge einführten. Die ersten Christen hatten nämlich keine Kirchengesänge, es wurden die Psalmen Anfangs nur recitirt, später jedoch nach den acht verschiedenen Tonarten gesungen. Allmälig kam der Gebrauch besonderer Lieder auf und als diese Sitte überhand nahm, wurden viele Psalmen, die bisher abgesungen worden waren, wieder nur recitirt, statt deren aber wurden andere Gesänge den Psalmen analog gedichtet, so entstanden bei den Armeniern acht Arten von geistlichen Liedern. Hier bringt Baer die Zeichen des armenischen Tropp und die musikalische Vortragsweise. Prof. Petermann stellt folgendes System auf: 1. das Metrum der hebräischen Schriften wird durch Accente bezeichnet; 2. auf der Silbe, worunter der Accent steht, liegt auch der Ton; 3. die Accente sind die ursprünglichen Musikzeichen, Noten, und bezeichnen die vollständige Melodie des hebräischen Textes. Prof. Anton in Wittenberg geht von der Ansicht aus, daß die Accente nicht einzelne Töne, sondern lauter Dreiklänge, gleichsanr eine Art bezifferten Baß, bezeichnen. Hierauf schließt er, daß die sieben Töne der Scala durch die ersten Buchstaben des hebräischen Alphabetes, welche von jeher als Zahlzeichen galten, ausgedrückt wurden, so daß א (Aleph) die Prime, Tonica oder der Grundton ב (Beth) die Secunde, ג (Gimel) die Terz. ד (Daleth) die Quarte, ה (He) die Quinte. 1 (Waw) die Sexte und ז (Sajin) die Septime bezeichnet. Diesen Schluß zieht er aus der ganz ähnlichen Gestalt der Accentzeichen bei dem semitischen Alphabete, namentlich des phönizischen-egyptisch-samaritanischen, und stellt hierauf folgendes musikalische System auf: 1. א Prime wird bezeichnet durch Siluk und Mimach e. 2. ב Secunde wird bezeichnet durch Gereseh. Tipcha und Gerschaj im d. 3. ג Terz wird bezeichnet durch Kadma. Merka und Tewir und Kephnla e.

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