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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-08-06 · Heft 28 (6.8.1882) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 28 (6.8.1882)
Date
1882-08-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 schauungen über Religion, Cultus und Gottesdienst, welcher sich seit den letzten zwei Decennien durch die rasche Vermittlung des Drahtseiles und des Dampfrosses allenthalben vollzog. Der deprimirende Wellenschlag des Fortsprunges, nicht des Fortschrittes, hat Manches weggefegt und auch sämmtliche Gemeindeinstitutionen, so auch den Gottesdienst in den Kleingemeinden lahmgelegt. Wenn nun zu dieser herrschenden Gesinnung und Gesittung der Gegenwart die Ungunst der Zeiten und die materialistische Strömung der Welt sich gesellt, ist es dann ein Wunder, wenn der eiskalte Jndifferentismus gegen Cultus und Gottesdienst solch' schreckliche Dimensionen annimmt, daß viele Gemeindemitglieder selbst in den Kleingemeinden mit Recht von sich sagen dürfen, ־מיום כפורים זה עד יום כפירים הבא besuchen wir kein Gotteshaus? Es ist übrigens nicht meine Absicht, hier Jeremiaden anzustimmen, da hiemit dem Uebelstande nicht abgeholfen wird, als vielmehr zu constatireu, daß die Stellung und Amtswaltung des Cantors in der Kleingemeinde aus dem Grunde eine überaus schwierige ist, weil derselbe unter solchen Verhältnissen an seine Gemeinde mit den billigsten Forderungen behufs materieller Unterstützung der Zum Choralgesange nöthigen Mittel nicht hervorzutreten wagt. Die Folge dessen ist, daß der eifrige und gewissenhafte Cantor, der im Interesse des Gottesdienstes den Choralgesang nicht vernachlässigen kann, durch Ueberanstrengungen sowohl in der Function als auch in dem ewigen Abrichten des Chores sich selbst an seiner Stimme schädiget und durch die precären Umstände oft seine durch die größten Plackereien auf dem Gebiete des Choralgottesdienstes zu Tage geförderten Leistungen plötzlich zunichte macht, was dann natürlich dem Cantor allen Eifer benimmt, ihm alle Lust und Liebe zu seinem heiligen Amte verleidet. O, wie viele Amtsgenossen in der Provinz würden in Folge ihrer theoretischen Kenntnisse auf dem Gebiete der Musik und in Folge ihres heiligen Berufseifers Tüchtiges zu leisten im Stande sein, wäre ihnen nicht durch den Mangel aller zum Choralgottesdienste nöthigen Gesangskräfte der Weg geradezu verschlossen. Denn wie der Musiker auf einem Jnstrumente, das nicht gehörig besaitet oder mangelhaft construirt ist, nichts Erhebliches zu leisten vermag, ebenso kann auch der Cantor, mit dem besten Willen und schönsten Fähigkeiten ausgerüstet, ohne die Assistenz der zu einem Harmoniegesange nöthigen Mittel dem Gottesdienst nicht jene Solennität verleihen, welche man nach modernen Begriffen an einen solchen zu stellen berechtigt ist. Obschou der Cantor durch seine Geschicklichkeit, welche sich durch sympathetische Stimme, herrlicher Intentionen in seinen Gesangsweisen re. kundgibt, bei jeder gottesdienstlichen Function zu dominiren berufen ist, ja an dem künstlerischen Erfolge jeder Function unstreitig den Löwenantheil verdient, so kann aber auch nicht aberkannt werden, daß zur Celebrität und Verherrlichung eines Gottesdienstes der Choräle ein nothwendiges medium, ja eine conditio sine qua non ist. Denn David, der größte Sänger aller Zeiten, wies schon in seinen Psalmen mit dem Spruche 'במק האם כרכו אה ה unzweideutig auf die Wichtigkeit des Choralgesanges bei gottesdienstlichen Functionen hin. Die sorgsame Pflege des Choralgesanges gehört demnach Zu den hehrsten Aufgaben und Pflichten eines jeden vom Berufseifer durchdrungenen Cantors. Es ist daher als ein Leidwesen und als ein empfindlicher Uebelstand zu bezeichnen, daß viele Cantoren in den Kleingemeinden, ausgerüstet mit den schönsten theoretischen Kenntnissen auf dem Gebiete der Musik und des Cantorates, aus Mangel an gehöriger Unterstützung von Seite der Gemeinden mit den größten Mühseligkeiten nur Mangel- Haftes zu leisten im Stande sind. Nur aus Mangel an gehörigen Gesangskrästen kann es daher dem Cantor in der Provinz bei aller Anstrengung nicht gelingen, dem Choralgottesdienst jene Weihe und Würde zu verleihen, welche derselbe mit Recht erfordert. Ich ׳habe nun hiemit zur Discutirung dieser für uns höchst vitalen Angelegenheit die Anregung gegeben. Es mögen nun gewiegte und weise Männer auf dem Gebiete des Cantorates hervortreten und zur Abhilfe dieses Uebelstandes mit praktischen Rathschlägen den in dieser Beziehung höchst bedrängten Collegen erleichternd und unterstützend zur Seite stehen. Wohlan! geehrte Amtsbrüder! עצוח־בת Wir erfreuen uns eines Vereines und eines Vereinsorganes, das unsere Interessen nach jeder Richtung zu vertreten sich zur hehren Aufgabe gestellt. Dasselbe wird zur Aufnähme solcher gemeinnützigen Arbeiten bereitwilligst die Hand reichen. Unser Verein, wie auch dessen Organ, soll nicht nur unserer Zukunft, sondern auch der Gegenwart dienen. Andeutungen;um Gesangsunterricht. Von Alois Knlka. (Schluß.) Und so wäre ich denn nun am Ende meiner Andentungen, deren gedrängte Kürze diesen Titel wohl rechtfertigen. Beim Niederschreiben dieser paar Worte, wozu mich gewiß nur die bereits zu Anfang ausgesprochene Absicht bestimmte, habe ich erst cinsehen gelernt, wie schwer es sei, über einen so ausgebreitetcn Gegenstand, wie die Gesangslehre ist, nur einzelne Winke zu geben. Ich habe dadurch die Meinung gewonnen, daß cs unendlich leichter sei, über einen Gegenstand der Art eine weitschweifige Abhandlung zu schreiben, als in wenigen Worten Winke zu geben, die einiger Beachtung Werth sind. Ehe ich jedoch diesen Aufsatz schließe, halte ich es für nothwendig, Einiges über die Klangfähigkeit der Stimme noch hinzuzufügen, welches meines Erachtens für Gesangslehrer von einigem Nutzen sein dürfte. Daß der Klang der Stimme im Kehlkopfe unter Mit- Wirkung des Mundes und hauptsächlich der Luftröhre gebildet wird, ist wohl bekannt genug. Die Beschaffenheit der Stimme hängt von der Beschaffenheit der Organe ab, durch welche dieselbe gebildet wird. Es sind dies: die Luftröhre, der Kehlkopf und die Häute und Sehnen, welche die Stimmritze bilden. Es ist daher nicht außer Acht zu lassen, daß die gewissenhafte Erhaltung dieser Theile für den Sänger von großer Wichtigkeit sein müsse. Der Lehrer hat demnach sorgfältig darauf zu sehen, daß der Schüler weder durch Zurückpressen, noch durch Vorbeugen des Kopfes, durch festes Binden des Halses der Kehle keinen Schaden zufüge, denn nicht nur, daß dadurch das Singen erschwert, wo nicht gar unmöglich gemacht wird, kann auch noch leicht ein solcher Vorgang für die Zukunft nachtheilig auf die Stimme einwirken. Der- Lehrer sehe ferner darauf, seine Lehrstunden so einzurichten, daß sie nicht sogleich nach Tische oder spät Abends, wenn der Körper durch angestrengte Arbeit bereits ermattet ist, vorgenommen werden. Er mache seine Schüler auf die Schädlichkeit kalter Getränke

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