Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 28 (6.8.1882)
- Date
- 1882-08-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 so glücklich, daß er bereits als 13jähriger Knabe befähigt war, in den Synagogen der größten Gemeinden Böhmens, Sachsens, Mährens und Baierns als Chasan zu fungiren und als 26jähriger junger Mann die Stelle eines ersten Cantors in der bedeutenden Gemeinde Fürth anzunehmen. Hierselbst verlebte er, wie er persönlich äußerte, die glücklichste Zeit seines Lebens. Jntellectuell reich begabt und vom glühendsten Wissensdränge beseelt, arbeitete er rastlos an seiner Ausbildung und soll, nach kaum vierjährigem Aufenthalte in Fürth, sich große Fertigkeit im Clavier-, Violin- und Violoncellospiele, als auch genaue Kenntnis mehrerer fremder Sprachen angeeignet haben. — Als Beleg für dessen eminente gesangliche Leistung diene die Nachricht, nach welcher er im nahen, damals von keinem Juden bewohnten Nürnberg in Gemeinschaft mit seinen N6sehorerim sechs geistliche Concerte gab, welche so beifällig aufgenommen wurden, daß der Kurfürst Maximilian Josef, nachmaliger König von Baiern, ihn aufforderte, in der im Hofconcerte zu Aschaffenburg aufzuführenden Haydn'schen Schöpfung eine Partie zu übernehmen. Schreiber dieses Aufsatzes, dem die Thatsache der oben erwähnten Nürnberger Concerte bekannt war, forschte seit Monaten in den Archiven Nürnbergs nach einem, dies Ereigniß publicirenden Actenstück, emer Concertanzeige oder Programm re. und es ist ihm gelungen durch freundliche Mithilfe des Herrn Dr. Essen wein, I. Director am germanischen Nationalmuseum, folgendes interessante Document aufzufinden: ״Friedens- und Kriegs-Courier Nr. 62 vom 14. März 1799: M u s i k aTi s ch e Anzeige! Sonntags, als am 17. März, wird Herr L e v y von Fürth mit noch zwei Sängern die Ehre haben, hier im Bitterholz*) eine große musikalische Academie zu geben, Er empfiehlt sich einem verehrungswürdigen Publicum und hofft auf zahlreicher: Zuspruch. Der Anfang ist um 6 Uhr; das Entree 30 Kr. Friedens- und Kriegs-Courier Nr. 67 vom 20. März 1799: Die trei Tonkünstler, vorzüglich Herr Levy, welche die musikalische Academie den 17. d. im Bitterholz gegeben, danken sehr für den ihnen geschenkten, großen Beifall und gute Aufnähme und empfehlen sich bestens." Obgleich nun das Factum dieser Concerte, im Spiegel der damaligen religiösen Zustände betrachtet, als ein großes Ereigniß bezeichnet werden muß, so erregt es thatsächlich unsere volle Bewunderung, wenn wir erfahren, daß Israel Levy bei seiner später erfolgten Berufung nach Paris dort nicht blos als bedeutender Chasan, sondern auch als Künstler ersten Ranges anerkannt und gewürdigt wurde. — Berühmte Componisten, Sänger und Sängerinnen, wie Pa er, Rossini, Talma, Martin, Frl. Mars und Frau Catalani, besuchten die beiden Synagogen in den Straßen Sainte-Avoie und du Chaiime, in denen Levy abwechselnd fnngirte, um ihn zu hören. In den Salons des Grafen Angles und der Gräfin Merlin war der jüdische Künstler ein gern gesehener Gast und dort war es, wo er mit Frau Catalani jene schwierigen Duette so vollendet sang, daß die Zuhörer zu lauten Beifallsbezeugungen hingerissen wurden. — Bei solchen Errungenschaften konnte es nicht ausbleiben, daß die Leiter der verschiedensten Theater den großen Chasan für ihre Zwecke zu gewinnen trachteten, welche Anerbietungen Levy, trotz der sicheren Perspective auf Reichthum und Ehre, jedoch mit dem *) D. i. im jetzigen Hotel ״;um baierischcn Hof". Hinweise auf seine hohe Mission, als Diener Gottes, in zarter Weise ausschlug. — Angesichts dieser idealen Herzensrichtung müssen wir all' die Erzählungen und Witze rc. von sittlicher Unvollkommenheit in der Führung Lev y's, die sich im Volksmunde der Fürther jüdischen Bevölkerung bis nun erhielten, entschieden in das Gebiet der Erfindung verweisen. — Die im Journal Ar611iv68 israelites 1850 vom Universitätsprofessor Eugene Mannel in französischer Sprache veröffentlichte Biographie L e v y's betont es, daß man in Paris die Nothwendigkeit einsah, ein den großartigen Leistungen Lev y's auch entsprechend würdiges Gotteshaus errichten zu müssen und so entstand die am 5. März 1822 eingeweihte herrliche Synagoge mit Orgel. — Für diese Synagoge nun schrieb Levy die uns vorliegenden, erst im Jahre 1862 aus Pietät für den Componisten vom Pariser israelitischen Consistorium veröffentlichten Gesänge. — Die Compositionen tragen durchweg die Signatur der alten glaubensfreudigen Zeit und man hört es den einschmeichelnden Weifen an, daß sie nicht in der Abgeschiedenheit eines düsteren Ghettos, sondern in der Gemeinschaft freier, glücklicher Menschen entstanden sind. Nicht der gellende Angstruf eines von Schmerz durchwühlten, nach Erlösung ringenden Menschen, nicht das thränenfeuchte Auge des um Erhörung flehenden, verstoßenen Kindes, sondern der lächelnde, beseeligende Blick der Dankbarkeit ist es, dem wir hier begegnen. Schon der erste Leho dodi F-dur־4/4־S£act trägt die für unseren Geschmack zwar unmögliche, immerhin jedoch interessante Vermerknng Moiunement de marche und in der That hören wir bei p'ne sehabbos n'kabbdoh den Marschrhythmus der Marseillaise. (Schluß folgt.) Der Choralgottesdienst in den Kteingemeinden. Non Joses Löwinger in Keszthely. Die Solidarität einer Berufsgenossenschaft geht schon aus dem Umstande klar und deutlich hervor, weil jeder College, wenn derselbe irgend einen auf dem Gebiete des Amts sich fühlbar machenden Uebelstand in den Spalten eines Fachblattes ventilirt, zunächst ein Fürwort für alle jene Amtsgenossen führt, die an diesem calamitösen Zustande taboriren. Ich glaube von keinem Jrrthume befangen zu sein, wenn ich die Behauptung wage, daß viele Cantoren, besonders jene der Provinz- und Kleingemeinden, zu meinen Leidensgefährten zählen und hoffe im Sinne vieler Amtsgenossen gehandelt zu haben, wenn ich die nachfolgende Angelegenheit öffentlich und eindringlich in den Spalten unseres geschätzten Fachblattes zu besprechen Gelegenheit nehme. Es sind das nämlich jene immensen Schwierigkeiten und mannigfachen Hindernisse, welche dem größten Theile der Cantoren in der Provinz und in den K'eingemeinden in Betreff der Errichtung und Aufrechthaltung eines Choralgottesdienstes entgegentreten. Es herrscht leider unter den Amtsgenossen überall, mit denen ich über diese Angelegenheit Rücksprache zu nehmen Gelegenheit nahm, die allgemeine Klage, daß der Cantor, theils wegen des in Wahrheit begründeten Unvermögens der Landgemeinden, größtentheils jedoch aus Gleichgiltigkeit gegen sämmtliche Gemeindeinstitutionen nicht nur nicht gehörig unterstützt, sondern geradezu vernachlässigt wird. Den richtigen Schlüssel zu dieser für uns Gemeindebeamten gewiß sehr unliebsamen Constellation finden wir nach allgemeiner Meinung in dem rapiden Umschwünge der An