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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-07-29 · Heft 27 (29.7.1882) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 27 (29.7.1882)
Date
1882-07-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Bei dieser Discussion vermißt man den 86110611et als Besprochenen, damit das audiatur et altera man auch die . gegentheilige Ansicht höre und den Wahrspruch jedem gebildeten Leser überlasse. ' Gestatten Sie, geehrter Herr Redacteur, "in gedrängter Kürze dem Unparteiischen das Wort zu dieser beregten Discussion. ־ Herr Cantor Wallerstein und ein früherer Fachgenösse haben den Schächter doch in die Reihe der anständigen Menschen gestellt und nachgewiesen, wie das 8611'611ita-Wesen durchaus dem Cantor in seiner Dignität keinen Abbruch thut — ich aber behaupte, daß der jüdische Schächter bei Leibe kein Thierverrecker, sondern eine hochstehende Figur in der Cnlturgeschichte des Judenthums ist. Wenn man seine erzpriesterliche Vergangenheit sich gegenwärtig hält, wenn man erwägt, daß der Hohepriester gleichzeitig der erste und alleinige Schächter des gesammten jüdischen Volkes war, so Muß man zugestehene, daß dieses Amt eine sehr wichtige, ethische und moralische Mission im Judenthume zu erfüllen hatte. Man denke sich das jüdische Volk, umgeben von Völkerschäften, deren Grausamkeiten allen unseren gegenwärtigen Begriffen Hohn sprechen, die ihre eigenen Kinder einem Moloch opfern, Völker, die ihren Fleischbedarf aus dem frisch ansgeschnittenen Stücke des lebenden Thieres deckten und nun soll Israel ein Volk voll Barmherzigkeit, voll Liebe für seinen Nächsten werden, mit einem Worte, es soll die Stufe einer Civilisation erreichen, welche noch heutzutage bei gewissen modernen Völkern unerreicht dasteht! Ja, diese Schrullen des Herzens mußten auf ganz eigenem Wege beseitigt werden. - Und das Mittel war in der rationellsten Installation eines Schächters, resp. eines Schächters in der Person des Hervorragendsten, des Edelsten im Volke — dem Hohenpriester Aaron, dem edlen Friedensstifter, dem Kenner menschlicher und thierischer Krankheiten und deren Heilmittel. Du Jude darfst nicht morden, Du darfst nicht zusehen, wie ein Thier unter der Last kauert, wie es herrenlos herumirrt. Helfen und mitleidig sein. Die Thiere, welche genossen werden, dienen als Opfer dem lieben Gott, die der ganzen Weltschöpfung und Erhaltung dienen, aber nicht der Mordlust, der Bestialität. Unser Volk erhielt hiedurch nämlich durch Priesterschlachtung keine Gelegenheit,, an dem Blute der Thiere sich zu weiden, an deren Qualen seine Lust zu sehen. Dem 861106116t verdanken wir die interessante Räuberstatistik der Juden. Der Jude hat vom Hause aus keine Anlage zum Mord und Raubwerk. Wir können, ohne der Unwahrheit geziehen zn werden, ausrufen, daß die jüdischen Schächter die berufenen Lehrer, der Humanität im Judenthume waren. Ein Volk, das nicht an Blut gewöhnt, ist sanftmüthig, ist weichherzig. - Sollten wir Ihnen das Leben eines jüdischen Schächters schildern, wie wir sie in Galizien aus eigener Anschauung kennen — wahrlich, ein Muster der Gottergebenheit, des Wohlthuns, der Milde. Vom Studium der Thora und dem Gebete zu seinem Berufe, den er als Vollstrecker des Göttlichen ausübt. Im Hause eines solchen sehen wir Gastfreundschaft üben, wie vor undenklichen Erzvaters Abraham's Zeiten. Und als wir jenen Mann frugen, ob es wohl angeht^ so viel für Fremde zu thun, erwiderte dieser würdige Priesterstellvertreter: ״So lange ich lebe, will ich meine Leute um mich haben, nach dem Tode ist man ja ohnehin vereinsamt." Der Schächter, aber nicht der moderne Thierverrecker, hat somit einen segensreichen, hohen und erzpriesterlichen Beruf. Sollen wir erst von dem בדיקה sprechen! Was ist das für eine unschätzbare Einrichtung, von der wir nur wünschen, daß der Sehoetiet in die Lage versetzt wäre, in die modernen Seuchen- und Thierkrankheitslehren einen richtigen Einblick sich zu verschaffen. Während bei anderen Nationen die äußere Besichtigung genügt, nm das Thier als gesund zu erklären, prüft der 861106116t die verborgenen Innern und bringt so Manches an's Tageslicht, was die äußere Thierschau verbirgt. Alle Achtung vor einem Sehochet, welcher unbeeinflußt sein Trephe ausspricht; wer seines Amtes in nicht echt jüdischem Geiste waltet, vergreift sich an der Gesundheit ganzer Familien. Diese 861106116t-Gattung gehört eben zu den Thierverreckern. Gehen wir nun zu den Cantoren — diese unsere modernen Leviten. Auf diese überging in der exelischen Zeit das Amt, die Thieropfer mit dem Sprachopfer zu begleichen. Diese neuzeitlichen Priester haben ein sehr edles Amt: die Herzen zu Gott zu wenden, die Sinne dem Centralpunkt des jüdischen Glaubens dem Gotte Israel, nein, sagen wir richtiger, dem Altvater zuzuwenden. Dieses Amt zu realisiren, soll er würdig in seinem Gebaren, gelehrt und geschult sein, von anständigen Körperformen und natürlich eine wohlklingende Stimme besitzen. Wie viel Wissen muß da ein Schächter mehr besitzen, ׳ als der Sänger Zions? Ein guter Cantor gewinnt die Gemeinde im Sturmschritte, ein guter Schächter kann wohl selten mehr als das Herz des Rabbiners und einiger hochgelehrter Gemeindemitglieder für sich - in Beschlag legen, ״er stellt ja Alles auf die Schürfe des Messers". Wenn man daher die hohe Begabung besitzt, beide Cardinalämter in einer Person zu vereinigen, ja wer das Vertrauen hiezu sich erwirbt, der ist doppelt preiswürdig. Bei Alledem zählen wir uns zu jenen Männern, welche die Verquickung beider so hochwichtiger Aemter in einer Person??? Es stehen auch sachliche Bedenken im Wege. Es ist wohl gewiß, daß der löbl. Verein die Idee der Errichtung einer Cantorenschule in's Auge fassen werde, um einen tüchtigen Nachwuchs heranzubilden. Dieses geht wohl und wird großen Anklang finden. Wird aber die Cantörenschule in spe auch immer Jünger finden, welche Seh’chita lernen wollen und die physische Eignung dazu besitzen. Ich glaube wenig. Ferner sind die Verantwortlichkeiten eines Schächters groß genug bei der Ueberweisung des Fleisches und findet daher kaum Zeit zum modernen Cantorenthume (als בעל תפילה mag's noch hingehen). Arbeitstheilung ist die Devise der Weltenschöpfung, sollen nach der Tradition Engel, resp. Gottesboten jeder blos Eine und eine specielle Arbeit leisten. Und warum soll es ein schwacher Mensch zu leisten im Stande sein? Es bleibt dem jüdischen Vorstande, welcher Sinn und Liebe für das jüdische Ritoral hat, für den Vorstand, welchem das Schächterwesen mehr als ein altes Möbelstück aus der alten Rumpelkammer ist, lieber zwei Fachmänner, als einen unfachmännischen Doppelfachmann anzustellen.

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