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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-07-21 · Heft 26 (21.7.1882) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 26 (21.7.1882)
Date
1882-07-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 zeichnete Weite zu gestatten. Um das Tressen der Intervalle dem Sänger wie möglich zu erleichtern, nehme der Lehrer Üebungen in Secunden. Terzen/ Quarten u. s. w. vor, bei welchen der Lernende die vermittelnden Töne zuerst mitsingen muß und hat er das Raumverhältniß des Tones genau begriffen, erst dann weglaffen kann. Der Lehrer schreibe in dieser Weise die Uebung aller Intervalle in allen Our- und Noll-Tonarten auf die Tafel und lasse dieselben von dem Schüler gewissenhaft durchsingen, bis er zu einem richtigen Verständnisse dieser Tonverbindungen gekommen ist. Ist der Sänger ferme in der richtigen Intonation der Intervalle *), so gehe der Meister über zu den Üebungen, verschiedene laufende Tonfiguren im schnelleren Zeitmaße zu singen, um die Kehle seines Schülers ronlant (geläufig) zu machen. Daß bei Diesem Zeit und Geduld von Seite des Lehrers, Liebe und Eifer für die Sache von der des Schülers unerläßlich ist, versteht sich wohl von selbst; allein durch fleißiges Ucben, jedoch nicht zu forcirte Anstrengung, besonders bei schwächlichen Schülern, wird die Kehle bald jene Geläufigkeit erlangen, die zum figurirten Gesänge nothwendig ist, abgesehen von dem großen Vortheile, den die öftere Uebung noch auf die Stimme selbst bewirkt, indem sie dieselbe reiner, voller und kräftiger macht. Bei der Gelegenheit kann ich nicht unterlassen, den Lehrer aufmerksam zu machen, daß er auf die physischen Kräfte seines Schülers ein sorgsames Augenmerk werfe und besonders, was die Singnbungen anbelangt, nicht einen wie den anderen Schüler gleich behandle, denn das Temperament des Sängers muß wohl berücksichtigt werden. Feurige Naturen erliegen gewöhnlich früher als kältere und die sogenannten trockenen taugen zumeist am wenigsten zum Gesang. Weniger bestimmt ausgesprochene Temperamente sind für den Sänger am zuträglichsten. Die physische Ausdauer des Sängers hängt vorzugsweise von der mehr oder minderen Ausbildung der Organe ab, die beim Gesänge in Thätigkeit gesetzt werden. Daß nun diese der Lehrer berücksichtigen müsse, braucht keiner weiteren Erinnerung; nur w i e der Singmeister am schnell-! sten und sichersten die physischen Mängel und Schwächen seiner Schüler erkenne, dies scheint noch einer kleinen Andeutung zu bedürfen. Die Schwäche der Brust und der Lunge geben sich wohl auch einem ungeübten Auge, bald zu erkennen durch Mangel an Kraft im Herausstoßen des Tones oder durch die Beschwerden, welche das längere Aushalten und Tragen der Töne verursacht; allein schwerer sind die Schwächen im Kehlkopfe zu bestimmen, weil der Sänger, der damit behaftet ist, wenn er dabei eine gesunde Lunge und eine starke Brust hat, diesen Mangel zeitweise so verbergen kann, daß es kaum möglich ist, ihn herauszufinden. Die besten Kennzeichen sind, daß Derjenige, welchem die Kraft in der Kehle mangelt, plötzlich, oft ohne Ursache, wie es scheint, heiser wird, bei hohen anstrengenden Tönen leicht ermüdet und, trocknet ihm die Kehle aus, was sehr *) Daß hierzu die Kenntniß der Our und Moll-Sonarten־ gehöre, daß der Lehrer seinen Schüler mit den erhöhten und erniedrigten Tonverhältnißzeichen genau bekannt gemacht haben müsse, versteht sich von selbst; überhaupt kann hier blos von Andeutungen über Bildung der Stimme, keineswegs von der musikalischen Ausbildung die Rede sein denn die Grundprincipien der Musiklehre können wir bei dem beschränkten Raume nicht bekannt geben, auch meinen wir, daß ohne diese Kenntniß kein Gesanglehrer denkbar sei. häufig geschieht, für Augenblicke keinen Ton Hervorbringen kann. Ob diesem Mangel ganz abzuhelfen sei? dies ist eine Frage, deren Beantwortung dem Arzte, aber nicht den! Singmeister obliegt; daß aber der Letztere einen solchen Schüler vorsichtiger behandeln müsse, ihn nicht zu stark forciren darf, dies ist seine Pflicht als Künstler und als — Mensch. _ (Fortsetzung folgt.) Der Gesang in der Volksschule"). Bon I. Holzer, Gr.-Jenikau. Thesen, die auf den deutschen Lehrerversammlungeu 1.879 über den Gesangsunterricht angenommen wurden: 1. Die Schule erzieht und unterrichtet für das Leben und dieser Grundsatz muß auch beim Gesangsunterrichte berücksichtigt werden. 2. Der Gesangsunterricht in der Volksschule hat in erster Reihe das Volkslied zu pflegen. 3. Künstlerische Leistungen können von der Volksschule nicht gefordert werden, aber man soll das Streben darnach lebendig machen. 4. Es werde kein Gesangsstück cingeübt, welches nicht von unzweifelhaft poetischem und musikalischem W e r t h e ist. 5. Auch beim einfachen Volksliede ist Aufgabe des Unterrichtes: Das, was Dichtung und Composition beabsichtigen, zum Ausdruck zu bringen. Die Technik soll nicht Zweck sein, sondern Mittel. 6. Die Musik soll nicht blos Vergnügen am Ton spie! und Wohlklang sein, sie soll veredelnden Einfluß auf's Herz geltend machen. 7. Die pädagogische Behandlung des Gesangsunterrichtes setzt einen pädagogischen wie künstlerisch gebildeten Lehrer voraus. 8. Die Bildung des Voltes durch Musik und für Musik hat nationale Bedeutung. 9. In jeder Schule muß Gesangsunterichr ertheilt werden, aber nicht in Extrastunden, sondern j während der gewöhnlichen Schulzeit. 10. Der Gesangsunterricht darf nur mir Hilfe eines geeigneten Instrumentes, z. B. Geige, Harmonium, Orgel ertheilt werden und kann nur dann guten Erfolg haben, wenn der Gesangslehrer hinreichend musikalisch gebildet ist. 11. Kein Schüler ist von derTheilnahme am Gesänge zu dispensiren. 12. Gehör- und Stimm üb ungen müssen die ganze Schulzeit hindurch in jeder Gesangsstunde vorgenommen werden. 13. In jeder Volksschule ist die Einübung von Volksliebern und Chorälen in den Vordergrund zu stellen, aus den Unterstufen einstimmig, auf den oberen ein-, zwei- und dreistimmig. 14. Nur solche Lieder, die einen edlen Inhalt haben, dürfen eingeübt werden. Der Text ist vor Einübung der Melodie den Kindern zum Berständniß zu bringen und dann auswendig zu lernen. 15. Bestrafungen dürfen während des Gesangsunterrichtes nur in äußerst seltenen Fällen stattfinden, kör perliche Züchtigung ist ganz zu vermeiden. *) Biele College» sind auch mir dem so schwierigen Gesangsumerricht in den Volksschulen betraut und für sie hauptsächlich hat Vorstehendes Werth. D i e R ed.

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