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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-07-13 · Heft 25 (13.7.1882) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 25 (13.7.1882)
Date
1882-07-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Mit Artikeln, wie in der letzten Nummer der von ber *! ״Scli’ehitah“ von unserem sehr geistreichen Collegen Rotter, > den ich hochachte und schätze, wird nichts bezweckt, als daß bei Collegen, die zu wenig Erfahrung haben, ein eingebildeter Stolz, ein Dünkel in's Herz gepflanzt wird, der ihn bald mit sich selbst und mit seiner Gemeinde in Conflict bringt und die Folge ist nicht für die Gemeinde — sondern schwer für ihn. — O, wie schön wäre es, würde der Cantor nicht gezwungen sein, 86t106116t zu sein —. aber noch ist nicht die Zeit da, die Constitution der Gemeinden anzugreifen. — Und schließlich!? Müssen nicht solche Artikel jetzt schon, wo wir kaum den freien Flug uns angeeignet haben, die Gemeinde erbittern?, — Oder Einsendungen, wie letztere, Kladno betreffend, müssen uns die Gemeinden zu Feinden machen, denn ich kenne die Ursachen des Wechsels dort, da ich dort lebte. Kladno ist eine achtbare Gemeinde, hat aber wenig Glück in der Wahl ihrer Functionäre, über welchen Punkt man sich erst bei der Gemeinde Aufschluß geben lassen soll, auf welcher Seite das Unrecht ist, bevor man solche Eingaben der Oeffentlichkeit übergibt. Wo die Klage gerecht ist, müssen wir unbarmherzig solche Gemeinden unseren Collegen zu erkennen geben; wo aber nicht,, erbittern wir solche gegen uns, wenn wir auf die Aussage des Kindes hin den Lehrer verdammen*). — Auf die Seh’ehitah zurückkommend, muß ich noch aufmerksam machen, daß in Mähren und Ungarn, mit wenig Ausnahmen, sämmtliche Cantore zugleich Schochtim sein müssen, denn die meisten der Gemeinden sind sonst nicht im Stande, den Cantor anständig zu honoriren. Sie ist kein schönes Geschäft, das geb' ich zu! Aber unwürdig? verächtlich? — Nein! — Eine Function, bei der ich den Namen Gottes anrufe, bei der ich eine Benedeiung sprechen muß,.. .die. ein Webot Gottes.,für die Priester .ist, kann nicht unheilig genannt werden! — Was die Achtung betrifft, wird derjenige Cantor sich solche zu erzwingen wissen, ohne daß er ein Streben an den Tag legt, der wahrhaft religiös lebt, der nach jeder Richtung ein Charakter ist und bei der Ausübung des Schlachtens die Ausübung einer religiösen Function deutlich erkennen läßt. Langsam und bescheiden, ohne sich zu erniedrigen, Hand in Hand mit den Gemeinden müssen wir unserem vorgesteckten Ziele zusteuern, dann werden wir es mit Gottes Hilfe erreichen. Mit dem Kopfe durch die Wand rennen, ist Un- Möglichkeit, aber dem Tropfen ist es nicht unmöglich, den Stein auszuhöhlen und der Letztere sei unser Vorbild. An den Constitutionen der Gemeinden wollen und dürfen wir nicht rütteln, so lange es uns nicht gelungen ist, uns in diese große Familie recht einzunisten, ihre Herzen durch gerechte Ansprüche zu ge- Winnen — haben wir dies — das Weitere findet sich. ״Das erste Ziel unseres Strebens-geht dahin die Gemeinden für unseren Verein zu interessiren und zu gewinnen, das zweite die definitive Anstellung." Alles Andere ist vor der der Hand in den Hintergrund zu stellen. Du lieber Gott, zwingen Sie einen Vater in der Noth, einen Posten der Sch'chitah wegen auszuschlagen! Wo das Kind nach Brod schreit, hört jede Pflicht gegen den Verein auf. Der arme Mann wäre wohl im Stande, selbst zu hungern, um seinem dem Vereine gegebenen Versprechen nachzukommen, aber Weib und Kind über Alles. Nun genug! I. Holzer. *) Wir können nicht Alles an Ort und Stelle untersuchen, werden aber in Zukunft gewiß vorsichtig sein. Die Red. Die russisch-jüdischen Flüchtlinge. Brody, am 8. Juli 1882. Das hiesige Comitc ist fortwährend mit der Repatriirung der russischen Juden beschäftigt und geht diese mit möglichster Pünktlichkeit und Sorgfalt vor sich. Nächster Tage soll ein Zug von circa 300 Personen nach Rußland befördert werden. Der Zuzug von neuen russischen Flüchtlingen hat gänzlich aufgehört und ist die Gesammtzahl der hier weilenden russischen Juden jedenfalls unter zehntausend anzunehmen. Ungemein viel trägt zur Linderung der Noth- und des Elends der russischen Juden der seit einiger Zeit hier weilende Secretär des Baron Hirsch, NameuH V e n e z i a n i bei. Selber vertheilt reichliche Spenden an die russischen Flüchtlinge insbesondere und an alle Nothleidende hierorts überhaupt, wobei die Art und Weise, wie er diese Unterstützung den Leuten gewährt, das freundliche Entgegenkommen und Begegnen den Armen gegenüber besonders hervorgehoben zu werden verdient, denn bekanntlich wirken Gaben, aus eine derartige Weise gereicht, doppelt angenehm für den Empfänger. Außer dem Ankauf der Spinnerei, worüber bereits gemeldet, hat Herr V e n e z i a n i ein sehr schönes, in einer fast romantischen Gegend gelegenes Landhaus gekauft, das zum Aufenthaltsort für russische Wöchnerinnen bestimmt ist. Besagtes Haus besteht aus mehreren Zimmern und ist die Einrichtung daselbst eine vorzügliche zu nennen. Den daselbst weilenden Wöchnerinnen wird zweimal täglich Suppe, Fleisch und Wein gereicht. Nächster Tage findet gelegentlich eines Beschneidungssestes daselbst die feierliche Einweihung statt. Besonders macht sich Herr Dr. Heinrich Leiblinger um diese Anstalt als Ver- Walter verdient und behandelt er die hier Untergebrachten in ausgezeichnet freundlicher Weise. Wünschenswerth im Interesse der Menschheit wäre es, daß die edlen Thaten des Herrn V e n e z i a n i recht viele Nachahmer fänden. Seit einigen Tagen beschäftigt man sich in Star)-Brody, einer Vorstadt Brody's, mit der Aufstellung von Zelten zum Zwecke der Unterbringung russischer Juden. -r * Brody, am 9. Juli 1882. Am 3., 4. und 5. d. M. fanden hier die Prüfungen der selk 28 Jahren bestehenden israelitischen Knaben und Mädchenschule, welche von nun ab eine jährliche Subvention von fl. 6000 ö. W. aus Landesmitteln bekommt, in feierlichster Weise statt. Auf besondere Einladung Seitens der hiesigen Direction entsendete der hohe Landesschulrath hieher einen Delegirten für diese drei Tage in der Person des Herrn K a l i ck i und sind die Fortschritte im Allgemeinen, insbesondere aber die Resultate der polnischen Sprache hervorzuheben, worüber Herr Kalicki seine besondere Zufriedenheit mit dem Bemerken äußerte, daß die Leistungen der Schule seine Erwartungen bedeutend übertroffen haben. Kleine Ahronik. Cardinal Fürstprimas Dr. Johann Simor hat die aus Anlaß seines 25jährigen Bischofsjubiläums an ihn gerichtete Gratulationsadresse der Graner jüdischen Gemeinde in nachfolgender Weise beantwortet: ״Löbliche Cultusgemeinde! Für die aus Anlaß meines 25jährigen Bischofsjubiläums am

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