Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 24 (5.7.1882)
- Date
- 1882-07-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Stümper gut, während es dock gerade beim ersten Unterricht, wo unkundige Lehrer, die das betreffende Instrument selbst nicht zu behandeln wissen, den Schülern z. B. im Clavier eine unregelmäßige Haltung der Hände, schlechten Anschlag, unrichtigen Fingersatz, verfehlte Tacteintheilung u. s. w. beibringen, so zwar, daß ein künftiger Meister oft mit der größten Anstrengung nicht mehr im Stande ist, den schon eingewurzelten Fehler wieder auszumerzen. — Das schwierigste und die größte Umsicht erfordernde Lehramt in der Musik, welches nothwendiger Weise auch auf Erfahrung beruhen muß, ist unstreitig das des Gesanges. Ein Gesanglehrer muß tiefes Studium besitzen, um all' die Gebrechen, die sich in dieses Fach einschleichen, sogleich zu heben. Ein guter Gesanglehrer soll zugleich Sänger sein und die Methode gründlich studirt haben. Dem zunächst kommt der Violinmeister, von dem ebenfalls ein vielfälliges Studium, dann Methode im Vortrag, Erzeugung eines schönen, reinen Tones und der Intonation einer freien, eleganten Bogenführung erforderlich ist. — Mögen daher Eltern und Vormünder nicht auf die Wohlfeilheit der Meister sehen, wenn sie ihren Zweck erreichen wollen. * * Das englische Volkslied ״God save the King“ wurde von Henry Carrey am Vorabend der Jnsurrection zu Gunsten des Kronprätendenten Jacob Stuart im Jahre 1715 componirt. Der Aufstand schlug fehl und die Melodie schlummerte bis zum Siege des Admirals Vernon im Jahre 1740, wo der Componist bei einem Gelage sein Lied vortrug, statt Jacob aber den Namen Georg setzte. Dr. Arne ließ es 1745, als ein neuer Kronprätendent auftrat, zum ersten Male im Drurylanetheater absingen. Sir Henry Carrey starb 1743. — Nach diesem englischen Volksliede ist theilweise die deutsche Volkshymne ״Heil Dir im Siegeskranz" vom Pfarrer Heinrich Harries (geb. 1762 zu Flensburg, gest. 1802 zu Brügge bei Kiel) gedichtet und zum ersten Male auf dem Berliner Nationaltheater im Jahre 1795 gesungen worden. Hffenev Sprechfclar für AUe. Prag, am 19. Juni 1882 *). Geehrter Herr College! Ich ersuche Sie, mit Bezugnahme auf die Verwahrung des Herrn Stöffel aus Teplitz, davon in Ihrem werthen Blatte Notiz zu nehmen, daß Herr Löwenfohn aus Brüx das hiesige Comito im Namen des Herrn Stöffel ersuchte, denselben als Mitglied des Cantorenvereines anmelden zu lassen, welches mir heute von Seite des Herrn Löwensohn abermals in einem Schreiben bestätigt wird. Wieso nun Herr Stössel dazu kommt, uns zu desavouiren, möge er mit seinem Tactgefühl ausmachen. Ich zeichne mit aller Hochachtung, ergebenst I. Stransky, . Obercantor. *) Wir veröffentlichen dieses in unserer vorigen Nummer schon gebrachte ״Ei n g e s e nd et" aus dem Grunde nochmals, weil durch unliebsames Verschulden de§ Setzers sich Satzfehler wiederholt eingeschlichen. Die Redaktion. Gorrrresponöenz. HL. 9). Z. Wir verweisen Sie auf den diesbezüglichen Artikel in unserer heutigen Nummer. F. in P. Wegen Raummangel werden wir Eingesandtes nächstens besprechen. G. i n A. Besprechung folgt in nächster Nummer. Au. in H. Das Ganze ist jetzt doch nur Provisorium. Uns können Sie keine Schuld beimeffen. Uebrigens soll Jeder persönliches Interesse dem allgemeinen Wohle hintansetzen. e u i 1* i* e 10 n. Der Verfluchte. Erzählung aus dunkler Zeit von Ad. v. Zemlinszky. (Nachdruck streng verbeten! Ueberschungsrecht vcrbebalten.) 1. Fortsetzung. 2. Der? Tod. Rabbi Moses Hirsch war soeben aus dem L6t-Uamidra86i1 heimgekehrt. Schweigend hatte "er sich, nachdem er die wärmenden Oberkleider abgelegt hatte, in einen Lehnstuhl vor den Kamin gesetzt, in welchem ein lustiges Feuer unterhalten wurde. Nachdenkend schaute er in die Flamme, ohne seine Umgebung zu beachten. —־ Es waren drei Wochen bereits seit jener Schreckensnacht verstrichen. — ״Was ist's doch, Väterchen, was so sehr Dein Gemüth verdüstert, was Dich so traurig — so niedergeschlagen macht," unterbrach plötzlich seine Tochter Esther die Ruhe des Gemaches, nachdem sie ihn lange stillschweigend beobachtet hatte. ״Erzähle doch, Vater — schütte aus den Kummer Deines Herzens vor mir — kann ich Dir auch nicht rathen, nicht helfen, so wird Dir doch leichter werden." ״Hast Recht, mein Kind," sagte der Rabbi, indem er tief aufathmete; ״seitdem Deine gute Mutter in ein besseres Jenseits uns vorangegangen ist, habe ich ja nur Dich allein — hast Recht, mein Kind, ich will Dir erzählen, was mir so schwere Sorgen bereitet." ״Wir waren vorgestern wie gewöhnlich im Bethause versammelt, um unser Abendgebet zu verrichten, da plötzlich unterbricht ein lauter Wehruf die Andacht der Gemeinde; erschrocken unterbricht der Chasan seinen Gesang, Alles drängtsich an einem Orte zusammen. ״Auch ich eile dorthin und erblicke zu meinem größten Schrecken meinen alten Freund Gerson Levi am Boden liegen. ״Er war es, der den Schrei ausgestoßen hatte und von seinem Sitze herabgefallen war. ״Schnell hatte der Schames Essig und Wasser gebracht . um den Kranken zu laben und zum Bewußtsein zurückzubringen. ״Es gelang nach langer Anstrengung, Gerson Levi schlug die Augen auf, doch nur lallen konnte er, Gott, sein Name sei gepriesen, hatte ihm die Sprache genommen. ״Man trug ihn auf einer Bahre nach Hause — während wir unser unterbrochenes Gebet beendeten. ״Und heute," schloß der Rabbi seine Mittheilung, ״heute ist bereits der dritte Tag. Gerson Levi ist bei Bewußtsein, doch hat er seine Sprache nicht wieder erlangt. ״Gram und Kummer um den Verlust seiner verlorenen Tochter haben ihn in diesen Zustand versetzt." Plötzlich wurde die Thüre geöffnet und der Schames trat in's Gemach. ״Herr Rabbi," sagte er, ״ein Bote von Gerson'Levi ist hier, er verlangt nach Euch, er liegt im Sterben." — ' Erschrocken war der Rabbi von seinem Sitze aufgesprungen, legte schnell seine Oberkleider an und folgte dem Boten. In einem kleinen, von einem Oellämpchen nur matt erleuchteten Gemache ruht ein alter Mann mit silbergrauem Kopf- und Barthaare auf einem mit weißen Linnen überzogenen Bette.