Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 23 (27.7.1882)
- Date
- 1882-07-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 und unartige Vorsingen ist, wo ein einfaches Verbot nicht hinreicht, mit Geldstrafen zu belegen. Die Haftorah ist nur vom Rabbiner oder Cantor vorzntragen. Damit wäre der Anfang gemacht, die Rechte des Cantors mindestens im Gotteshaufe gewahrt zu wissen und wenn dieses erreicht ist, dann werden auch nach und nach die anderen Rechte zur Geltung kommen können. Einen zweiten, das Ansehen des Cantors in der Provinz schädigenden Umstand will ich nächstens besprechen. - Sigmund Kraus, Cantor nnd Lehrer in Podebrad. * * Löbliche Redaction! Auch ich statte den redlichen Unternehmern unseres in's Leben gerufenen humanen Vereines meinen wärmsten und innigsten Dank für deren Bemühung ab und der himmlische Vater lohne Sie mit seinem schönsten und reichsten Segen. Auch unserem sehr geehrten und hochgeschätzten Ehrenpräses Herren Professor Sulzer und Obercantor Goldstein verleihe der himmlische Vater Kraft uns Ausdauer, daß Sie, als die Krone, mit Eifer und Energie unserem Vereine viele, viele Jahre vorstehen können nnd daß alle Ihre Wünsche auch auf diesem Gebiete in Erfüllung gehen mögen. Weiß. Prag, am 19. Juni 1882. Geehrter Herr College! Ich ersuche Sie, mit Bezugnahme auf die Verwahrung des Herrn Hösel aus Teplitz, davon in Ihrem werthen Blatte Notiz zu nehmen, daß Herr Lowensohn aus Brüx das hiesige Comite i m Namen des Herrn Hösel ersuchte, denselben als Mitglied des Cantorenvereines anmelden zu lassen, welches mir heute von Seite des Herrn Löwensohn abermals in einem Schreiben bestätigt wird. Wieso nun Herr Hösel dazu kommt, uns zu desavouiren, möge, er mit seinem Tactgefühl ausmachen. Ich zeichne mit aller Hochachtung, ergebenst I. Stransky, Obercantor. A y i s o! Wir ersuchen um rechtzeitige Uebersendung der Abonnements- und Grnndnngsbeiträge. Gleichzeitig bitte» wir auch alle jene Herren, die für das II. Quartal noch im Rückstände find, ihr Abonnement umgehend au uns einsendcn zu wollen, da auch wir unseren Verpstichtungen gerecht werden müssen. Die Administration. Gorrrresponöerrz. P. in B. Lol Kinah u'Tefilah von Lewandofsky. M. S. in P. Wir haben nochmals genau nachgeschlagen. II. Quartal nicht bezahlt. II. i n T. Nur College», die das 60. Fahr bereits überschritten haben, werden in den Verein nicht ausgenommen, S. K. in P. Vorgemerkt. Sch. in K. Senden Sie uns den Artikel. Concurs ging von der Gemeinde aus. Zeitung haben wir nicht eingesendet. Wir verschicken unser Blatt sowohl an College» als auch an Gemeinden. A. Z. in K. Manuscripte haben wir leider damals zu späterhalten. Mittlerweile schon verspätet. S. R. i n K. Betreffs §. 6 waren wir ebenfalls dagegen, nachdem wir jedoch in der Minorität verblieben, wurde dieser Paragraph abgeändert. Heute kann diesbezüglich keine Aenderung mehr getroffen werden, weil von der Generalversammlung beschloffen. B a ß l, Wien. Cantor bleibtaus seiner Stelle. H. in T. Einverstanden. L. W. in S. War irrthümlich. Nach Bestätigung der Statuten erhalten Sie Gewünschtes. Einzahlung kann sofort geleistet werden gegen Bestätigung. I. St. i n D. Bitten §§. 6 und 7 genau durchzulesen. Ferners werden die eingezahlten Beiträge zu einem Fonde angesammelt, um dann eine Penfionscassa gründen zu können: '! ׳ extxXZ et o n. Der Verfluchte. Erzählung aus dunkler Zeit von Ab. v. Zemlinszky. (Nachdruck streng verbeten! Uebersetzungsrecht vcrbebalte״.) 1. Die Nacht des Unglücks. Der Winter hatte sich im Jahre 1349 streng und frühzeitig eingestellt. — Es war eine rauhe, kalte Nacht zu Anfang des Monates December. Der Himmel war von dunklen Wolken umhüllt, welche bald vom Hauche des eisigen Nordwindes pfeilschnell auseinander gejagt, — bald aber, eben so schnell, wieder vereinigt wurden. Hoher Schnee lag auf den Dächern, — bedeckte den hart gefrorenen Boden, knisterte unter den Fußtritten. Ruhe herrschte überall. Längst schon waren die Lichter nnd Lämpcheli der zahlreichen Verkäufer, die auf offener Straße ihre Maaren feilboten und der alten Judenstadt zu Prag einen freundlichen Anblick verliehen, erloschen, — längst schon Alles zur Ruhe gegangen. Die Straßen waren menschenleer — und nur hie und da huschte ein Einzelner, dicht in seinen ihn vor der Kälte schützenden Mantel gehüllt, nach Hause oder in's Lst-Ramidrasch *). . Vor der kleinen Thüre des eisernen Gitters, welches die Jndenstadt von dem anderen Theile der Pragerstadt trennte, stand ein Mann, in ärmliche Kleider gehüllt, und pochte an dieselbe. - Schlürfenden Schrittes nahte sich nach einer Weile der alte Pförtner und fragte den draußen Harrenden in grämlichem Tone um sein Begehren zur späten Nachstunde. ״Vergebt, wenn ich Euch in Eurer süßen Ruhe störte," rief der draußen Stehende in sarkastischem Tone durch das Gitter, — ״nicht 11t ein Wille — sondern der meines Herrn war es, welcher mich mit wichtiger Botschaft hieher sendete." ״Was küni'.ncrt mich Euer Herr?" sagte der Alte grämlich׳ ״ —doch meldet, was Ihr zu sagen habt und trollt Euch dann nur immer wieder weiter, erspart Euch alle Weitschweifigkeit, denn ich bin wirklich nicht gesonnen, in dieser Hundekälte die ganze Nacht mit Euch zu verplaudern." ״Gemach — gemach, Alter — kann's mir leicht vorstellen/ daß es eben nicht sehr angenehm sein muß, aus den weichen, warmen Federn so mir nichts, dir nichts heraus zu müssen auf die kalte Straße — weiß ja doch auch ein Liedchen hievon zu singen. — Faulpelz — aufgestanden, meinte mein Herr, der portug. Rabbi Don Rafael Mecado, indem er mich derb rüttelte, mußt hinüber nach der Judenstadt und dem Rabbi Moses Hirsch eiligst eine Botschaft von mir vermelden. — Und darum bin ich hier und darum laßt mich eintreten — oder nicht — so kehre ich straks wieder um und die Folgen habt dann Ihr Euch selbst zuzuschreiben." ״Ich habe strengen Befehl während der Nachtzeit Niemandem den Eintritt in die Judenstadt zu. gestalten unddavon seid Ihr selbstverständlich nicht ausgeschlossen," meinte der Alte. ,,Gut — wie Ihr wollt — doch leid thut's mir um *) Zusammenkunftsort jüdischer Gelehrter, woselbst Vorlesungen über verschiedene religiöse Themata gehalten werden.