Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 23 (27.7.1882)
- Date
- 1882-07-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nächsten ausholte, möge zur segenspendenden Hand sich öffnen das Schwert, das zum Kampfe gezückt ward, möge zum Palladium des Friedens umgewandelt erscheinen. וכתתו חרבותם לאתים, וחנינותיהם למזמרות ... ולא ילמדו עוד מלחמה. Pflegen wir das zarte Pflänzchen, welches bei dem momentan umdüsterten Himmel Israels nur bei der angestrengtesten Sorgfalt entwickelungsfähig erscheint — bestreben wir uns Jeder, sein Pflänzchen zur vollen Blüthe entfalten zu helfen -- vielleicht — und ich meine, es bedarf hiezu gerade keines Prophetenblickes —- gelingt es uns dann, aus all den Blüthen einen Strauß zu winden, an welchem noch spätere Generationen sich erquicken und laben mögen. Mit collegialem Gruß Josef Singer, Obercantor der Israel. Cultusgemeinde in Wien. Kleine GHronik. ׳ Zur Unterstützung der stüchtigen russischen Juden. Das Comite, welches sich in Wien zur Unterstützung der flüchtigen Juden aus Rußland constituirte, hat bereits bedeutende Resultate für seinen wohlthätigen Zweck erreicht. Die Spenden fließen noch immer reichlich und versprechen im weiteren Fortgange namhafte Summen, zumal sich noch in mehreren Provinzstädten Filialcomits's mit dem besten Erfolge gebildet haben. Das Centralcomits in Wien hat an den Präsidenten der ״Israelitischen Allianz", Herrn Josef Ritter v. Wertheimer, folgendes Schreiben gerichtet: Euer Hochwohlgeboren! Das Comite zur Unterstützung der russischen israelitischen׳ Flüchtlinge hat den Beschluß gesaßt, die auf Grund des am 6. Mai d. I. erlassenen Aufrufes bereits eingegangenen und noch eingehenden Sammelgelder der geehrten ״Israelitischen Allianz" zur Verfügung zu stellen, denn es ist von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die geehrte ״Allianz" in Wien im Sinne der jüngst beschlossenen und bereits durchgeführten Organisation der Hilfeleistung gewiß in der geeignetsten und raschesten Weise die angedeuteten Spenden .dem Zwecke ihrer Widmung zuführen wird. Indem wir uns beehren, Euer Hochwohlgeboren von diesem Beschlüsse in Kenntniß zu setzen, erlauben wir uns mitzutheilen, daß die bis Freitag den 16. Juni eingegangenen Sammelgelder die Summe von 62.843 fl. 80 kr. betragen, welche jederzeit gegen Erlag rechtmäßiger Empfangsbestätigung ganz oder theilweise bei der Firma Franz Leitenberger in Wien Seitens der geehrten ״Israelitischen Allianz" in Wien, behoben werden kann und worüber eine seinerzeitige Verrechnung über die Verwendungsart erbeten wird. Euer Hochwohlgeboren ergebener Leitenberger in. p. Ed. Sueß m. p. Zichy m. p. Chumecky m. p. Gleiwitz. Soeben passirten hier 350 jüdische Flüchtlinge, welche durch die hiesige Gemeinde verpflegt wurden, unsere Stadt. Eine große Anzahl von Gemeindemitgliedern war rechtzeitig nach dem Bahnhofe gegangen, um die Vorbereitungen in Ruhe treffen zu können, die erforderlich waren, um während des nur kurzen Aufenthaltes von 15 Minuten alles bei der Hand zu haben, was für die Emigranten bestimmt war. Alles ging rnhig und ordnungsmäßig von Statten und kein Einziger ging leer aus. Jammervoll war der Anblick des Elends, das unter den Flüchtlingen herrschte und namentlich waren es die Kinder, die das allgemeine Mitleid erregten. Lehachirasas Kallo. Ein würdiger College, Vereins- Mitglied, bittet, ihm hilfreich sein zu wollen. Unterstützungen an die Redaction d. Blattes. Offener Sprechfaar für Alle. Podöbrad, 21. Juni 1882. Geehrter Herr Redacteur! Erlauben Sie, daß ich an dieser Stelle unserem geehrten Collegen Herrn A. Rotte r in Turnau für seine so gediegenen Artikel, in denen er insbesondere die Interessen der Cantoren in der Provinz verficht, im Namen vieler Gleichgesinnten die wohlverdiente Anerkennung und den tiefgefühltesten Dank ausspreche. Gebe Gott, daß seine Worte Das bewirken, was er und mit ihm noch Hunderte von Collegen erstreben und erhoffen!!! Ja, es gibt noch viele Uebelstände zu beseitigen, welche das Ansehen des Cantors schädigen und unter diesen ist es besonders eine r, auf den ich heute das Augenmerk der Collegen und der Gemeinden richten will. Es hat sich, besonders in kleineren Gemeinden, der Mißbrauch eingebürgert, daß jeder Laie, der nur einigermaßen die Gebete in der Ursprache lesen kann und der einige Melodien (wenn auch der profansten Lieder) aufgefischt hat, sich unterfängt, die Functionen des Cantors auszuüben. Erregt nun ein solcher Debütant an Wochentagen gemeiniglich durch seine Toilette, in der er an die heilige Stätte tritt (mir sind Leute untergekommen, die sich nicht entblödeten, mit Mütze und in Pantoffeln zum Omsä zu treten), den Aerger der Andächtigen, um so mehr ist dies an den hohen und höchsten Festen durch die Wiedergabe von Melodien der Fall, die eher überallhin als in ein Gotteshaus Passen. Da wird, statt die Andacht der Zuhörer zu befördern, meist nur auf ihre Lachmuskeln eingewirkt und man muß schamroth werden, wenn man bei den heiligsten Gebetstellen die jüngere Generation nach den Melodien eines solchen Chasans eine Mazur tänzeln sieht. Wenn nun ein solcher Herr zwei-, dreimal vor dem Omeä debutirt hat, so sinkt das Ansehen des Cantors in seinen Augen unter den Nullpunkt, er wirst sich zum Kritiker auf, will Alles besser verstehen und stört den Gottesdienst durch sein Vorsingen, respective Vorschreien. Ist endlich eine Gemeinde so glücklich (?), mehrere solcher Exemplare zu besitzen, dann gnade Gott dem daselbst Angestellten! Ta ertönen vor jeder, vom Cantor laut vorzutragenden Stelle die verschiedensten Melodien in allen möglichen Tonarten und Stufenleitern und ist der arme Cantor kein zweiter Sulz er, so ergeht es ihm übel. Meistens sieht er sich gezwungen, die Schreier mit Aufgebot aller seiner Stimmkräfte zu überschreien oder ’ er muß sich gedulden, bis Ruhe wird und die Zuhörer haben dann den Genuß, ein- und dieselbe Gebetstelle von drei und noch mehr Cantoren zu hören. Ein solcher Vorgang ist aber sehr dazu angethan, das Ansehen des Cantors zu schädigen, welcher, da so viele Ersatzmänner für ihn eintreten können, nur als ein überflüssiger Schmarotzer betrachtet wird, dem mit Achtung oder Ehrerbietung zu nahen Niemandem auch nur im Traume einfällt. Diesem Uebelstande könnte nun, wie ich glaube, einigermaßen dadurch gesteuert werden, wenn es Usus in den Gemeinden würde, unter keiner Bedingung weder an Wochen-, noch an Festtagen den Gottesdienst von einem anderen als dem jeweilig angestellten Cantor oder Rabbiner abhalten zu lassen. Der Cantor möge auch an Wochentagen (sowie über- Haupt bei jeder Function) im gebräuchlichen Ornate erscheinen und die Gebete nicht minder weihevoll vortragen. Das lästige