Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 23 (27.7.1882)
- Date
- 1882-07-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 ist durch Kopfwand und Grablaternen geschmückt. Erdschalen sind bei allen Apparaten vorhanden. Nachdem die Herstellungskosten solcher Apparate gegenüber ihrer großen Dauer und Benützungsfähigkeit nur unbedeutend sind, so ist auch die für eine Benützung derselben entfallende Gebühr nur sehr gering. Dieselbe wird aber auf ein Minimum redncirt, wenn die betreffenden Gemeinden für eine möglichst allgemeine Benützung dieser Verbesserung Sorge tragen, wobei denn auch die' jetzt aufgewendeten Kosten für Balken, Bretter und Stricke entfallen. Abgesehen von dem guten Eindrucke, welchen eine solche feierliche Beerdigung auf die Hinterbliebenen machen muß. werden durch das Entfallen jeder geräuschvollen Störung Sittlichkeit und Andacht geweckt, was als weitere Folge nur veredelnd wirken kann. Die sonstigen Vorzüge eines solchen Apparates sind: Die Vereinigung der für die Leichenbestattnng nöthigen mechanischen Bestandtheile und Zurüstungen, die bis jetzt zersplittert in Verwendung kommen und so dem Grabe kaum zur Zierde gereichen können. Ein und derselbe Apparat ist für alle Classen, für die Beerdigung von Erwachsenen und Kindern verwendbar und schnell aufgestellt; fünf Minuten genügen, um einen solchen Apparat über dem Grabe aufzustellen, was im Nothfalle auch nur durch zwei Mann bewirkt werden kann. Die Leidtragenden sind, wie schon erwähnt, durch nichts gestört, da das Hinablassen des Sarges nur durch einen einzigen Mann geschieht, der seinen Platz in gedeckter Stellung am Kopfende des Grabes, hinter der monumentalen Kopfwand hat. Bei dem Gebrauche des Apparates für die Bestattung der Kinder wird zwischen die beiden bereits vorhandenen Riemenschließen noch eine dritte eingeschaltet, welche bei dem Gebrauche für Erwachsene wieder weggenommen werden kann. Die Abräumung eines solchen Apparates erfordert nicht mehr Zeit, als für die Aufstellung erforderlich war. Bei größeren' Friedhöfen, wo die Begräbnißftellen weiter auseinander liegen, wird der Apparat behufs Transportes auf eine Achse mit zwei Rädern gestellt und damit zu dem betreffenden Grabe gefahren. Gewöhnlich wird das Grab mit einem Leichensteine oder mit einem Monument geziert; dies kann man jedoch erst dann thun, wenn das Grab bereits mit Erde zugeworfen ist, was einen Zeitaufwand von mindestens zwei oder mehreren Tagen in Anspruch nimmt. Bei dem Begräbniß selbst sind aber das Grab und die Umgebung des Grabes öde und teer. Der Apparat schafft auch hiefür eine momentane Abhilfe, indem er das ganze Grab einrahmt und an der Kopfftelle, wo späterhin ein Grabstein oder ein Monument sich befinden wird, zur Beschießung des feierlichen Actes einen Grabstein mit beleuchteten Laternen improvisirt. Der Moment der Grablegung wird somit nicht nur weihevoller gestattet, sondern durch Hervorragen des Apparates auch schon von Weitem den Leidtragenden der Ort der Begräbnißstelle sichtbar gemacht. Oft kommen aber auch Fülle vor, in denen wegen plötzlich eingetretenem Tode oder aus gebotenen Sanitätsrücksichten von einem Ceremoniell im Hause oder in der Stadt abgesehen werden muß. In einem solchen Falle ist durch diesen Apparat den Hinterbliebenen ein Mittel an die Hand gegeben, um auf dem Friedhofe selbst ein ebenso pomphaftes als würdiges und billiges Begräbniß veranstalten zu können, um dem theuren Todten die letzte Ehre zu erweisen, was mit den bisherigen Einrichtungen in solcher Weise nicht thunlich war. _ (Schluß folgt.) widertönte, daher geschah es, daß ich eben dieses Lied, obwohl pianissimo, anschlug. Schon nach den ersten Accorden begann die Kranke, die bis dahin — einer starren Leiche ähnlich — teilnahmslos gegen Alles, was vorging, datag, sich zu erheben und den Kopf nach mir zu wenden. Der Arzt staunte und die Mutter rief mir: ״St!" zu. Ich erschrack und hörte sofort auf, zu spielen. Doch in eben demselben Augenblick sank auch Emilie wieder auf das Kissen und in den vorigen Zustand zurück. Schnell bedeutete mir der Arzt, weiter zu spielen. Ich begann also wieder im pianissimo und hatte kaum die ersten Noten derselben Melodie gespielt, als die Kranke abermals sich erhob, mit Heftigkeit dem Arzte ihre Hand entriß, aufhorchte und bald mit geschlossenen Augen aus dem Bette stieg. Dabei entstürzten ihr Thränen und sie schluchzte laut auf. Vater und Mutter weinten und selbst dem alten Doctor blinkten Thränen der Rührung in den Augen. Emilie aber kam mit nassen Wangen, doch mit einem der Verklärung gleichen Lächeln auf mich zu. Arzt und Eltern folgten ihri ״Stocken Sie ja nicht, um des Himmelswillen, fahren Sie nur fort," flüsterte mir der Doctor zu, ״durch Sie hat mir Gott einen Fingerzeig gegeben. Jetzt hoffe ich Alles." Am Claviere angelangt, sagte Emilie: ״Das ist schön von Dir, mein guter Carl, daß Du wieder da bist und mich aus der garstigen Ohnmacht geweckt hast. O. ich kann Dir gar -nicht sagen, wie schwer und elend mir war! Spiele nur fort — noch einmal — und dann singe." Dr. M . . . . wandte sich nun an die Kranke: ״Wie geht es Ihnen, liebes Fräulein? Heute schliefen Sie lange." Emilie schwieg. ״Antworte doch, liebes Kind, dem Herrn Doctor," redete die Mutter sie an. Emilie aber beachtete nichts, schien nicht zu hören, nahm keine Notiz von Allem und behielt die Augen zu. ״Hören Sie mich nicht, liebes Fräulein?" begann wieder der Arzt und nahm sie bei der Hand. .,Hinweg? hinweg von mir!" rief sie auf's Heftigste und stieß seine Hand von sich. ״Wunderbar! — sprechen Sie mit ihr, spielen Sie aber dabei fort," sagte kopfschüttelnd der Arzt zu mir. Ich gehorchte und redete sie wie gewöhnlich mit ״Sie" an. ״Was fällt Dir ein, Carl," unterbrach sie mich, ״ich bin es ja und nicht Emilie, die schläft — zu mir mußt Du herzlich und traulich reden und nicht mit dem fremden und kalten ״Sie." — Bis Jene erwacht — bist Du wieder der Lehrer — jetzt aber bist Du mein Freund — mein Vater, mein Bruder — mein Alles, was ich nur liebe. Nun aber singe — singe und spiele." Ich folgte mit unsäglicher Rührung der Weisung und nachdem ich geendet, sagte sie — die Hand und dann die Wange mir reichend — ״für heute genug, mein theurer Carl — genug, denn bald wird sie erwachen. — Komme morgen wieder, dann spielst und singst Du mir wieder. — Ich weiß es wohl, daß sie krank ist. Lasse auch deshalb den Doctor kommen, spreche mit ihm, er soll Dir Verschiedenes aufschreiben — was er glaubt, das ihr gut ist; dann aber frage mich — aber nur Du und kein Anderer, denn ich höre nur Dich, sehe nur Dich — und ich werde Dir sagen, werde wählen, was ihr gut ist."