Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 23 (27.7.1882)
- Date
- 1882-07-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/1304829-3452870-3452892--0199-3454213- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oradea 1× ep/1002404
OCR text
<־• ״Beachten wir nicht jene Sonderwünsche Einzelner, welche ganz und gar unstatthaft sind, da sie sehr wenig Ernst für unsere Sache zeigen, Sonderwünsche, die nicht für das Wohl des Vereines gestellt werden, sondern nur geeignet sind, Zerfahrenheit, Verdruß und Unfrieden zu erzeugen. Jetzt heißt es rüstig an die Arbeit gehen. So wie wir unsere offenen und geheimen Gegner in ihren Erwartungen getäuscht unv beschämt haben, indem der Cantorentag einen würdigen Verlauf genommen, so muß es uns jetzt darum zu thun sein, durch unser einheitliches Vorgehen theils unsere eigenen Kräfte zu sammeln, theils aber auch jene Unentschlossenen zu uns herüber zu ziehen, deren Vertrauen zu uns von gewisser Seite erschüttert wurde. Dann kann und wird es auch nicht lange dauern und wir werden auf eigenen Füßen stehen, dazu gehört aber vor Allem Vertrauen zu uns selbst, Vertrauen zur Sache und Vertrauen zu Denen, die sich bis heute der Sache angenommen haben." — Sehen wir gerade vor uns! WereinsnachrichLen. In der am 21. d. M. abgchaltcncn Bereinsfitznng kamen die von der Generalversammlung gewählten Vorstandsmitglieder zur Verlesung und wurden auch die Wahlen angenommen. Demnach besteht der Vorstand der Centrale aus den College«: I. Gold st ein, I. Präses; I. Singer, II. Präses; I.Bauer,Präses-Stellvertreter; Fischer, Cassier; 2l Kulka und Stern, Schristsührer; M. Blatt und M. Goldstein, Controlore. Ferners aus den lOBeiräthen: College« Schiller, Löw, Tauber, Zempliner, Rotter, Hirsch, Freisinger, Petersilka, Fleck und Schlesinger. Für die Zweigniederlassungen, deren Wirksamkeit nach herabgclangtcr behördlicher Genehmigung der Statuten zn beginnen'hät, wurden gewählt sür Böhmen: Die College«: Brod in Prag; E. Frankel, Strakonitr; 21. Freisinger, Pilsen; Holzer, G.-Jenikan; S. M vor, Prag; 2l. R o t t e r, Turnau; D. N u b i n, Prag; I. N o s n e r, Hcrm.-Mestec, nnd I. Straus k h, Prag. . Für Ungarn die College«: M. Berenseld, Preßbürg; I. D u l d n c r, Szentes; K. E i s e n b e r g, Eisenstadt; Jwanowsky, Waag-Bistritt; D. 51 o h n, 2lrad; Kornrtze r, Tapolcza: K r i» e r, Galgocz; L e w i n g e r, Keszthely; S. M o o r, Großwardein, und Weiß, Vasarhely. Für Mähren die Collegen: M. Bachra ch, Olmütz; G r ü n b e r g e r, Preran; G o l d st e i n, Ungar. - Ostrau; D. Kohn, Lnndenbuvg; L a z a r u s, Mähr.-Oftran; I. St ein er, G.-Meserisch; M. W o d a k, Göding; I. Weiß, Tobitschau, und Weiß, Ungar.-Brod. Zur Leichenbestaitungsfrage. (Fortsetzung.) Zur Verdeckung des mit der Handhabung des Apparates Betrauten ist an der Kopfseite desselben eine monumentale Wand aufgestellt, die in geeigneter Weise decorirr ist und zu beiden Seiten des Apparates sind zur Benützung für die Leidtragenden mit Erde gefüllte Schalen vorhanden. Ein und derselbe Apparat ist für alle Classen verwendbar. Ein Apparat erster Classe ist mit monumentaler Wand, Baldachin, Grablaternen und'Tuchdrapirung im Inneren des Apparates, sowie mit Blumen decorirt, kann jedoch auch mit einem das Grab verschließenden Tuche versehen sein. Ein Äpparat zweiter Classe hat die monumentale Kopfwand, Grablaternen und Tuchdrapirung im Inneren des Apparates. Der für eine allgemeine Benützung bestimmte Apparat dritter Classe Die Somnambule. Bon Alois >iulfa. Es war int Hochsommer des Jahres 1872, als ich nach mehrjährigem Aufenthalte in Rumänien an Bord des prächtigen Dampfers ״Orient" meinem lieben heimatlichen Oesterreich wieder zusteuerte. Kein Lüftchen bewegte sich. Eine sehr schwüle Nacht war dem heißen Tage gefolgt. Ich und mein Reise- und Schlafgeführte, ein im vorgerückten Alter stehender intelligenter Bulgare, dessen Bekanntschaft ich in Braila gemacht hatte, suchten in unserer Cajüte vergebens den Schlaf. Auf dem Schiffe ׳herrschte Todtenstille, die nur hin und wieder durch das Plätschern und Anschlägen der Wellen 'unterbrochen wurde. Der ״Orient" hatte am Tage vorher den Hafen Turn-Severin angelaufen, um hier die kurze Nacht vor Anker zu liegen, da das ״Eiserne Thor" seiner zahllosen Klippen halber, von denen die größten und gefährlichsten vom rechten Ufer vorspringend einen Paß von nur 117 Meter Breite bei 91 Meter Tiefe bilden-, nur bei Tage passirt werden kann. Von Hitze und nicht weniger auch von Mücken geplagt-, beschlossen wir denn, uns auf das Verdeck zu begeben, um den Anbruch des Tages dort abzuwarten. Wir setzten uns in die Nähe des Steuers, drehten unsere Cigarretten und bald ringelten sich duftige Rauchwölkchen in die unterdeß kühler gewordene Luft empor. Hier nun erzählte mir mein Freund Blagostoynoff unter Anderem folgende selbst erlebte Geschichte: ״Purim war eingezogen, schwang sein lustiges Panier und die ganze Judengasse widerhallte vom Jubel, , Nur eine Familie saß traurig im düster beleuchteten Gemache und nahm keine Notiz von der Anwesenheit desselben. Ihr liebes Töchterlein, ein Wesen mild und schön wie der neugeborene Frühling, wie der erwachende, blumenbekränzte Maitag, lag krank. Zu Füßen des Bettes saßen Vater und Mutter und ihnen gegenüber der Arzt, mit ernster Miene den Puls der Kranken prüfend. Mit ängstlich fragenden Blicken hingen die Eltern an den Lippen des Doctors und erwarteten den Spruch über Leben und Tod des Kindes. ) ״Wahrlich," begann der Arzt mit gedämpfter Stimme, ״nie ist mir, während einer beinahe dreißigjährigen Praxis, solch' ein Fall noch vorgekommen und ich werde ganz irre an den Principien meines Wissens, meiner Kunst. Der Pulsschlag ruhig, normal, gleich dem eines vollkommen Gesunden, ebenso das Aussehen und dann wieder dies periodische Delirium und die daraus folgende todtenähnliche Unempfindlichkeit gegen die Außenwelt. Ich saß während dem am Clavier. Ich war Musiklehrer der holden, nun seit etwa drei Wochen erkrankten Emilie und kam täglich als gern gesehener Hausfreund, um mich nach dem Befinden meiner Schülerin zu erkundigen. Ich saß also gedänkenvoll am Clavier und unwillkürlich, und zwar zum ersten Male seit ihrer Erkrankung,, glitten meine Finger über die Tasten des Instrumentes. Mir war, wunderbar genug, Schuberts ״Gute Ruh', Gute Ruh', schließ' die.Augen zu" aus dem Liedercyclus ״Die schöne Müllerin" den ganzen Tag im Sinne gelegen, so daß die Melodie unausgesetzt in meiner Seele