Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 22 (19.6.1882)
- Date
- 1882-06-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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dem Vocal mit möglichst unbedeutender Bewegung der Zungenspitzen. Sie, ohne 16. Beim Singen wie beim Sprechen werden die Doppellaute 61. 611 wie ai, aii gebracht, wobei das a angedeutet, das i oder 11 betont wird. Man sagt oder singt nicht: mein, dein, fein, Freude 2c., sondern main, dain, fain, Fraüde und so weiter. Dies gilt vom Deutschen, das griechische Wort Europa z. B. wird F—uropa nicht Aüropa ausgesprochen. Ebenso wird das hebräische Wort 010m oder Elohenu, aulom Elanheim ausgesprochen, indem man das a und das 11 getrennt, jedoch sehr schnell aus einander sagt; vom Oiloin der Polen und vom Ellom der Lithauer nicht zu sprechen. Auch im Deutschen wirv au z. B. im Worte Laube La—ube ausgesprochen. (Fortsetzung folgt.) Kleine KHronik. Abraham Schwarz. In ganz Tirol und Vorarlberg, auf allen Bergen und Thälern, in den Klöstern und Abteien, überall ist der Name der alten Patrizier-Familie Schwarz, die so alt wie der, der Sulz er, gekannt, geachtet und geschätzt. Diese Woche starb in Hohenems in Vorarlberg der 80jährige Herr Abraham Schwarz, Oeconom und Weingroßhändler, Vetter und Jugendfreund unseres Meisters Vater Sulz er. Sal. Sulz er und Abraham Schwarz waren so treue Freunde,-wie Brüder, von frühester Kindheit bis in's Greisenalter. Schwarz war ein Original, ein gerader, derber Tiroler, ein treuer Jude dabei. Der Mann war Kiddusch Haschern, er vertrat das Judenthum im finsteren Lande der Glaubenseinheit, die Tiroler sahen in Schwarz wieder den Tiroler, der mit dem Schießprügel mit zum Schießstande ging, den schönsten Viehstand hatte, dessen Oeconomie, Auftreten und ganze Handlungsweise so ganz anders war, als man sonst an Glaubensbrüdern gewöhnt; dabei von einer köstlichen Unverfrorenheit. Schwarz war sehr oft Commissär bei den öconomischen und Thierausstellungen und besonders vom Ministerialrath Hamm und Graf Belrupt als Fachmann hoch angesehen. Im Tempel sang Abraham Schwarz lange Jahre zweiten Baß, die Gesänge seines 8a1me1e (S. Sulzer) waren sein Stolz. Auch im Gesangvereine Frohsinn wirkte.er mit, wie denn in seinem Hause gute Musik gehört wurde; seine Gattin, eine außerordentlich feine Dame, ein Engel der Wohlthätigkeit, und Frau D o l c i n e, eine Veroneserin, gab der Häuslichkeit die vornehme Weihe. Herr Abraham Schwarz war Vorstand der von seinem Vater gegründeten Chebra Dubor tow und wurde von dieser Familie nur Edles geübt. Die Friedhöfe von Kufstein, Meran und Bozen wurden von den Gebrüdern S chw arz mitbegründet, die ihren Glaubensbrüdern die letzte Ehre erwiesen und Geld und Mühe nicht scheuten, um für ihre Gtaubensbrüder Etwas zu erreichen, bis zu Len höchsten Behörden gingen! Radetzky schickte im Jahre 1848 Militär, um die Schwarz zu schützen, die schon damals in Bozen begütert waren. Wie Dr. Jellinek einst in einer Rede sagte, die S ch w arz waren die Pionniere des Judenthums in Tirol, sic waren es, die gegen die Vorurtheile gegen unsere Glaübensbrüder siegreich ankämpften, sie haben die Festung Franzensfeste gebaut, die Bozen-Meranerbahn finanzirt, sie waren die Banquiers der Klöster, Abteien, des Adels! Abraham Schwarz liebte Sulz er ungemein und als das Jubiläum unseres Altmeisters gefeiert wurde, war in Hohenems der Tempel mit Blumen verziert, feierlicher Gottesdienst, im Gemeindesaale Sulzer's Büste unter einem Baldachine, große Festtafel und Schwarz und die Gemeinde sandten Adressen und Pocale; wie oft fuhr Abraham Schwarz nach Sulz in Vorarlberg, von wo unser Nestor Vater Sulz er abstammt! Wie oft und gerne erzählte Abraham Schwarz Reminiscenzen aus der Jugendzeit, wie er mit Sulz er ausgeritten und S ulz er sich erst in Lustenau an der Schweizer Grenze erinnerte, daß י״ב קטן zu machen sei, wie das in wilder Jagd nach Hohenems zurückging, oder Sülze r die Alpe bestieg, oben merkte, daß es Zeit zum מנחה Gebet und geraden Weges abstieg, den sogar Gemsjäger fürchteten! Wie Sulz er mit 18 Jahren ein Streichorchester errichtete, zu Kaisers Geburtstag im Tempel eine eigene Compofition mit Orchester aufführte und Alles entzückt war! Wie an einem Freitag Abend ein fremder Herr im Tempel Sulz er hörte und er plötzlich nach Wien berufen und unser großer Meister wurde! Als Sulz er mit weißen Haaren nach Hohenems kam, gab ihm sein Vetter ein Gewehr in die Hand und als Sulz er im Anschlag zitterte, sagte er: Dich haben sic in Wien unten verzärtelt! Die Kinder Abraham Schwarz' leben in Bozen, St. Gallen, Berlin und Wien in glänzenden Verhältnissen! Der edle Abraham Schwarz wird nie vergessen werden, so lange es Zeitgenossen gibt, die ihn gekannt, geschätzt, geliebt haben! ת״נ״צ״ב״ה. Emil Fränkel, Strakonitz. Wereinsnachrichten. Freitag den 16. d. M. fand unter dem Borsitze des Präses Herrn I. G o l d st e i n eine BorstandSsitznng statt. Bicepräses Bauer erstattete den Bericht, daß behufs Genehmigung die BereinSftatutc» der hohen n.-ö. Statthalterei in Borlage gebracht wurden. Weiters wurde die Liste der eingezahlten Gründungsbeitrage vorgelegt und der Verbuchung übergeben. Der gefertigte Borstand fordert Hiernit gleichzeitig die geehrten Collegen ans, ihre Gründnngsbeiträge ehebaldigft einsenden zu wollen. Nächste Sitzung Montag den 1ll. d. M. Der Borstand. Literarisches. Der israelitische Jugendgottesdienst in Wien. Soeben ist im Verlage der Buchdruckerei I. Schloßberg in Wien ein kleines Büchlein erschienen, welches in sehr hübscher Ausstattung eine׳ ganze Serie von Gebeten für den neu eingerichteten Jugendgottesdienst in sämmtlichen Bethäusern Wiens enthält. Wir können selbes auf das Beste anemvfehlen. Abwehr. Der bekannte geistreiche Rabbiner, Prediger Herr Dr. Mühsam in Graz, hielt anläßlich des Pessachfestes eine äußerst gediegene, schwungvolle Predigt betreffs der russischeu Greuelthaten und Verfolgungen. Selbe ist unter dem Titel ״Abwehr" in Graz in Druck erschienen und durch den geehrten Verfasser directe zu beziehen. Berichtigung. Der Cantor in Herm.-Mestec heißt nicht H., sondern I. Rosner. Daß wir dieses Druckfehlers wegen einer ״böswilligen Absicht" geziehen werden, scheint uns doch etwas zu stark!