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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-06-19 · Heft 22 (19.6.1882) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 22 (19.6.1882)
Date
1882-06-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Offener Sprechsaat' für Alle. Löbliche Redaction! Als beigetretenes Mitglied des gegründeten Cantoren- Vereines bin ich sehr erfreut über das bei der Generalversammlnng humane Zusammenwirken der Herren Theilhaber. Ich habe gelesen und wohl überdacht die mit Geist und warmer Hingebung gehaltenen Reden der geehrten wackeren Vertreter dieses Vereines und deren edle Sprachweise. Ich gebe der gehegten Hoffnung Raum, daß dieser angestrebte Verein tiefe und feste Wurzeln fassen und segensreich gedeihen werde. כי כל כנסיה שהיא לשם שמים סופה להתקים Und so möge Gott, der Herr, den Verein beglücken und seinen Segen hiefür walten lassen! Mögen aber auch alle Herren Berufsgenossen mit mir gleichen Sinnes sein und ihre Sympathie thatkräftig dem Vereine zuwenden laut Wahlspruch unseres allgeliebten Monarchen vieidu8 uniti8. Schließlich erlaube ich mir, meine besten Grüße dem Gesammtvereine und meine tiefste Verehrung den geschätzten Vereinsv ertretern auszusprech en. Kohljanowitz (Böhmen), im Juni 1882. In aller Hochachtung Joachim Popper, Cantor. Korrespondenz. A. K. Fr. Ihr Abonnement haben wir bis Ende Februar 1883 vorgemerkt. Das Andere nach Wunsch geordnet. F. in St. Urkunde nächstens. Abonnementseinladnng. Mit 1. Juli a. 0. beginnt das III. Quartal dieses Jahrganges und eröffnen wir demnach auch ein neues Abonnement aus die;5@eperr .־Ungar. Gantoren-IerLung". Der Abonnementspreis beträgt: Für Wien, Umgebung und Provinz: Ganzjährig.ff. 6.— Halbjährig.fl. 3.— Vierteljährig.... fl. 1.50 Für das Ausland: Ganzjährig.fl. 7.— Halbjährig.fl. 3.50 Vierteljährig . ... fl. 1.75 incl. Zustellung in's Haus. Wir ersuchen um rechtzeitige Uebersendung dieser Abonnementsbeträge. Gleichzeitig bitten wir auch alle jene Herren, die für das II. Quartal noch im Rückstände sind, ihr Abonnement umgehend an uns einsenden zu wollen, da auch wir unseren Derpflichtungen gerecht werden müssen. Die Administration. enxtZet on. Lehu-a den Halem. Historische Erzählung von Ad. v. Zemlinszky. (Nachdruck streng verboten! Uebersehungsrecht Vorbehalten.) 10. Fortsetzung. Da, wie von übernatürlicher Kraft angeregt, richtet Sarah ihre Blicke nach der geöffneten Thür. ״Jochai, mein Gatte!" schrie sie in herzzerreißendem Tone. — Noch immer stand Jochai gleich einer Bildsäule unter der Thüre, neben ihm David. Keiner von Beiden sprach ein Wort, keiner von Beiden versuchte, das Gemach zu betreten. Jehuda ben Halevy allein hatte schnell begriffen, um was es sich handle. Freudig erregt eilte er Jochai entgegen und reichte ihm seine beiden Hände zum Willkomm. ״Ermannt Euch," sagte er; ״wenn Ihr hier eine Person findet, die Euch gewiß theuer ist, die Ihr tobt und längst verweset glaubtet, so denket, daß Gott es so wunderbar gefügt und danket ihm hiefür." ״Bist Du gekommen, Jochai, um mir zu verzeihen?", sagte Sarah leise, damit die Anderen es nicht hören sollten. ״Dir verzeihen?" sagte Jochai; ״was habe ich Dir denn zu verzeihen? Du arme Dulderin, Du hast gesühnt, was Andere verbrochen, Du bist eine Märtyrerin. Was geschehen, das liegt begraben und vergessen in jenem Grabe am ״guten Orte", auf welchem der Leichenstein Deinen Namen nennt. ״Sieh, Sarah, mein Haar ist weiß geworden, das Deine grau, vielleicht frühzeitig, doch es ist so. Schau Deine, meine Kinder, in ihrem Glücke wollen wir leben, den Rest des Lebens, der uns von Gott noch beschieden. Komm an meine Brust, Du armes Weib, lass' uns Alles, Alles vergessen, nur nicht, daß wir Kinder haben, mit denen wir noch glücklich sein können." ״Dank Dir, Du edler Mann," sagte Sarah; ״und jetzt gib mir meinen Sohn, den ich so lange entbehren mußte, ich gebe Dir dafür Deinen hochgefeierten Schwiegersohn Jehuda ben Halevy, des Königs Leibarzt, und dessen Frau, unsere Tochter Rebecca. Und darinnen im Nebengemache harret des ersten Kusses Dein Enkelkind." . Nach vielen Leiden, nach Kämpfen und Seelenqualen aller Art waren sie endlich eingelaufen in den Hafen der Ruhe, des Glückes. Epilog. Motto: Auch Jehuda ben Halevy Starb zu Füßen seiner Liebsten, Und sein sterbend. Huupt^.es ^ruh,r. Auf den Knie'n — Jerusalems. (Aus Heine s: Jehuda ben Halevy.) Viele Jahre sind dahingebraust. Jochai Carmo und sein Bruder Elieh liegen schon längst in kühler Erde, längst schon hat auch das ״leere Grab" seine Bewohnerin erhalten. Und die schönen schwarzen Lockenhaare Jehuda ben Halevy's sind gebleicht vom Denken und vom Leid. Seine Rebecca, sein ״frommes Täubchen", war entflohen nach den Gefilden ewiger Seligkeit. Sinnend sitzt er im Lehnstuhl. Er hatte der heiteren Dichtkunst entsagt, der Philosophie sich zugewandt, nur religiöse Lieder noch gesungen. Die Weisheit ist ein breites Meer, D'rauf schwimmt das Lied als Schaum umher. Sein großes religionsphilosophisches Buch, der ״Kusari", liegt vollendet vor ihm. ״Mein hieniediges Werk ist vollendet, hier liegt mein Testament, das Testament meines Geistes, der Erbe ist über den ganzen Erdboden, zerstreut ist mein armes Volk, das.ich nicht nur in meinem Namen, sondern stets auch in meinem Herzen getragen. Und nun auf zu ihr, die seit meiner Rebecca Tod meine Einziggeliebte ist, auf nach Jerusalem, der Stadt meiner Sehnsucht." Das Antlitz des fast Sechszigjährigen strahlte in hehrer Freude, da er Jerusalems gedachte. Will auf jenen Trümmern weilen, Dort mein Herz zum Opfer bringen, . Will einst ruhen in dem Staube, Von dem meine Lieder fingen!

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