Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 22 (19.6.1882)
- Date
- 1882-06-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 der Erfolg kann und wird nicht ausbleiben, denn der Einzelne vermag für die Gesammtheit nichts zu thnn, er muß froh sein, wenn cs ihm gelungen ist, seine Stellung erträglich zu gestalten. Adolf Rotter. MuMriesc. Bon Obercantor He:ma»n Goldstein. Ueber die menschliche Stimme und deren Anwendung. (Fortsetzung.) ä Wird geübt, indem man die Zungenspitze an den harten Gaumen in der Nähe der oberen Schneidezähne anschlägt und dabei dieselbe von unten nach oben erhebt, während beim t die Spitze und ein kleiner weiterer Theil der Zunge an den Gaumen entschieden angepreßt wird, wobei jedoch strenge darauf zu sehen ist, daß diese Pressung nur möglichst kurze Zeit ausgeübt wird. & und k werden erzeugt, indem der Hintere Theil der Zunge niit dem weichen Gaumen in sehr leise Berührung gebracht wird. rv, t. s 2c. werden geübt, indem man die Lippen oder die Zunge entsprechend stellt und die Luft nur ganz leicht ausströmen läßt. Zum 1 ist zu bemerken, daß man dasselbe mit sehr beweglicher Zungenspitze in Verbindung mit dem Vocale a, also 1a, übt. Die Zungenspitze wird Anfangs nach Oben umgebogen, so daß der untere Theil derselben an den harten Gaumen ankommt und dann plötzlichherunter geschnellt. Diese 1a- Uebungen in oster und rascher Aufeinanderfolge befördern zugleich die Zungengeläufigkeit. Nebst dem r ist das 611 der wichtigste und beim Singen einflußreichste Consonant. Wird bei Anwendung desselben das Gaumenthor zu sehr verengt, so kann der Vocal nur mit dem Verluste seiner Schönheit den Canal passiren. Wenn kein Consonant prononeirt gesprochen werden darf, so ist es bei diesem am wenigsten erlaubt. Wer das 611 zum Beispiele in den Worten Leeli, L’eho, Chessed oder Chajim nicht mit sehr schnell verflüchtigender Luft spricht, wer den Hinteren Theil der Zunge an den weichen Gaumen andrückt, erzeugt einen unangenehmen, wenig hörbaren Ton, den Gaumenton. Der am schwersten zu sprechende Consonant ist das r, bei welchem eine entschiedene Zungengymnastik vorausgesetzt wird. Dieser Buchstabe darf nur mit der Vibration der Zungenspitze hervorgebracht werden, wobei ein Zuviel zu vermeiden ist. Es gibt in der öechischen Sprache ein r, ungefähr 6r8611, welches zu erlernen man sich Mühe nehmen soll, da man dann das 1׳ sicher gut aussprechen kann. Es eignet sich die an Consonanten so überaus reiche öechische Sprache als Uebung für den Redner ganz vortrefflich, während wir dem Sänger die italienische nicht genug empfehlen können, da dieselbe weniger Confonanten aufzuweisen hat und weil die letztere Sprache, die entschiedenere Betonung der Vocale bedingt. Nicht nur der Sänger, sondern auch der Redner hat sich die Fertigkeit, die Confonanten deutlich zu bringen, anzueignen. Man trifft oft im Leben, besonders in größeren Räumen, als in Hörsälen, Tempeln, Versammlungslocalen und so weiter, Redner, welche kaum den Nächststehenden verständlich sind, weil diese Redner, Professoren, Prediger, Volksredner rc. weder Pie Confonanten, noch die Vocale richtig beherrschen. Wer gezwungen ist, und das kann bald Jemandem geschehen, in einem größeren Raume sich den Zuhörern verstündlich zu machen, wstd daher gut thun, früher und über- Haupt die Confonanten in der bereits beschriebenen Weise, wobei der Vocal nur gedacht wird, zu üben. 7 Ist dies geschehen, so muß der Redner den Vocalen seine Aufmerksamkeit schenken; dies wird am einfachsten (beim Redner) dadurch bewerkstelligt, daß derselbe mit höherer Stimme zuerst das Wort Hüon und mit tieferer Stimme das Wort Amen mehrere Male jedes für sich laut, das ist vernehmlich und kurz, ausspricht, wobei der Vocal ü und a besonders betont werden. Beim Reden wie beim Singen werden die ersten Consonanten eines Wortes weniger pronoucirt als die späteren, es darf jedoch kein Consonant so entschieden ausgesprochen werden, daß Härten entstehen. Bei dem Worte Vetter z. B. wird das V nur angedeutet,- der Vocal 6 energisch gebracht, das Doppel-t, weil nach diesem wieder ein Vocal kommt, zwar prononcirt, jedoch nicht in dem Maße, wie dies beim Worte Blatt geschieht. Selbstverständlich werden Vocale der kurzen Silben nicht mit derselben Tonstärke gebracht, wie die der langen. Der Redner, welcher mühelos durch lange Zeit sprechen will, darf die Bruststimme nicht zu häufig anwenden,- sondern muß, schon im Interesse der Modulation, sich häufig der höheren Mittellage bedienen. Zu Beginn der Rede soll man nicht mit voller Kraft eintreten, sondern mit höherem, schwächerem und doch vernehmlichem Tone sprechen, damit man bei Stellen, bei denen, die gehobene, das ist die starke Stimme nothwendig ist,.Kraft״ genug hat, um diese Stellen, die ja ohnedies nicht am Anfang der Rede zu Tage treten, gegen die anderen zum Unterschiede bringen kann. Jeder Denkende wird auch beim Reden die nöthige Stimmöconomie anwenden. Wer in Folge eines Mangels, besonders der vorderen Zähne, undeutlich isff wird gut thun, diesen durch einen entsprechenden Ersatz zu beseitigen. Stotternde, wenn dieser Fehler nicht in einer Nervosität liegt und meist auch da, können sich ihren Fehler durch Uebung im langsamen und gleichmäßigen Sprechen, oft auch durch Singen, wobei die Melodie gleichsam die Brücke bildet, mit der Zeit abgewöhnen. Der Stotternde spreche Anfangs blos die Worte: Eins, zwei, und zwar im strengen Tacte langsam und entschieden und oftmals aus; später werden erst einfache, dann zusammengesetzte und größere Sätze gewählt, wobei jede Silbe, ob lang oder kurz, gleich stark und gleich lang streng im Tacte ausgesprochen wird. Nach und nach kann man schon die kurzen Silben schwächer und kürzer, die weniger wichtigen Worte mit weniger Betonung bringen lassen. Diese Uebungen sind auf einem und demselben Ton zu machen. Durch die genaue Uebung der Confonanten können die Sprachfehler, insoferne dieselben nicht auf einer sehr fehlerhaften Bildung der Sprachwerkzeuge beruhen, beseitigt werden, so das Anstoßen mit der Zunge oder das fehlerhafte 8, welches wie 68611 gehört wird; ersterer Fehler durch die gründliche Zungengymastik, letzterer durch das genaue Ueben des 8 ohne