Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-06-11 · Heft 21 (11.6.1882) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 21 (11.6.1882)
Date
1882-06-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/1304829-3452870-3452890--0184-3454196
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

5 4. Halbvocale, bei denen die Luft zwar nicht durch einen vollständig offenen Mund, wie bei den Vocalen geht, die aber durch einen unvollständigen Zungenverschluß hervorgebracht werden: i, r. Die beiden Eintheilungen zusammengestellt, ergibt sich also folgende Tabelle: Stoßlaute Dauerlaute Nasenlaute Halbvocale harte > weiche harte weiche Lippenlaute P b f w m Zungenlaute t d ß 8 n 1, r Gaumenlaute k g ch j ng Die beiden Buchstaben z und x bezeichnen nicht einfache Laute, sondern Lautverbindungen, zwei auf einander folgender Laute, nämlich ts und ks. Alle Lippenlaute sind durch eine möglichst rasche Oeffnung und Schließung hervorzubringen und gilt hier wie bei allen anderen Consonanten, bei der Uebung derselben, das Gesetz, beim Reden sich den Vocal, der mitgesprochen werden muß, nur zu denken. Die Lippen müssen entschieden bewegt werden, weil dies zur Deutlichkeit viel beiträgt. Man bewegt nämlich, um das h zu üben, die Lippen sehr rasch nacheinander auf und zu, ohne das 6 zu sagen. Ebenso werden die anderen Lippenconsonanten geübt. Bei Hervorbringung vieler Consonanten spielt die Zunge eine sehr bedeutende Rolle; dieses Organ kann auch bei der Erzeugung der Vocale durch eine unrichtige Stellung der freien Entfaltung sehr hindernd im Wege stehen; es ist daher geradezu nothwendig, der Zunge eine große Aufmerksamkeit zuzuwenden und mit ihr eine entschiedene Gymnastik zu treiben. Um die Zunge beweglich zu machen, lege man deren "Spitze leicht" an den oberen harten Gaumen so, daß dieselbe noch die Rückseite der oberen Schneidezähne berührt und lasse dann die Luft über die Spitze so streichen, daß Letztere vibrirt. Es ist dies für Manchen anfangs nur sehr schwer auszuführen, bei gutem Willen jedoch und oftmaliger Uebung kann man sich diese unerläßliche Fertigkeit aneignen. Gibt es doch Sänger ersten Ranges, welche diese Zungen- Übungen nicht gemacht haben. Der Mann hat eine der schönsten Stimmen und bringt doch nach dem r häßliche Töne, weil er diesen Consonanten mit dem Hinteren Theil der Zunge spricht und dadurch einen Gaumenton erzeugt, welcher seinen ungünstigen Einfluß durch mehrere Tacte geltend macht. (Fortsetzung folgt.) Kleine KHronik. * In Nr. 21 der Zeitschrift ״Der jüdische Cantor" finden wir zu unserer größten Ueberraschung nachstehende Erklärung: ״In Nr. 19. der ״Oesterr.-ungarischen Cantoren-Zeitung" vom 23. Mai d. I. ist mein Name in der Reihe der dem ״Oesterreichisch - ungarischen Cantorenvereine" beigetretenen Collegen ohne mein Wissen genannt. Ich erkläre hiermit, daß, ungeachtet ich diesem Vereine herzlichst Glück wünsche, ich aus gewissen Gründen demselben bis allher noch nicht beigetreten bin. Teplitz-Schönau, den 29. Mai 1882. M. Stoessel, Obercantor." Wir hätten dieses gänzlich ignorirt, da es uns jedoch darum zu thun ist, den Nachweis zu liefern, daß wir es nicht nöthig haben, Namen zu fingiren, sehen wir uns veranlaßt, zu erklären, daß - die Aufnahme des Herrn Obercantors M. Stössel in Teplitz-Schönau in das Mitgliederverzeichniß weder einem Jrrthume zuzuschreiben, noch weniger aber ohnedessenWissengeschah, sondern wir mittelst Zuschrift däo. 16./5. a. 6 unseres sehr geehrten Collegen Herrn I. Stransky in Prag verständigt wurden, daß Herr Stoessel dem Vereine beigetreten sei. Uebrigens haben wir, um dessen Wunsche vielleicht zuvorzukommen, die Streichung von der Liste verfügt. Das Comits. Goldene Hochzeit -es Ehepaares Gol-schrni-t. Im jüdischen Tempel in der Seitenstettengaffe hat am 10. d. M. in früher Morgenstunde die religiöse Feier anläßlich der goldenen Hochzeit des greisen Ehepaares Goldschmidt stattgefunden. Nach dieser Feier versammelten sich die Familie und zahlreiche Freunde in einem Saale des Tempelgebäudes, wo der Cultus- Vorstand, die Vorstände der ״Alliance Jsraolite", des Blindeninstitutes und das Comits des Taubstummeninstitutes, Letzteres unter Führung der Baronin T o d e s c o und der Frau Stern, Glückwunschadressen überreichten. Prediger Je llin ek hielt eine Ansprache an das Jubelpaar und sprach zum Schluß einen Segen über dasselbe. Um 11 Uhr begab sich die Familie wieder in die Döblinger Villa und fand dort die sämmtlichen Räume mit den sinnigsten und duftigsten Geschenken überfüllt. Colossale Blumenspenden in reizendem Arrangement, die ein glänzendes Zeugniß für unsere Gartenkünstler lieferten, waren gesendet worden von Baronin Wiener, Baronin Königswarter, dem italienischen Gesandten Grafen Robilant, Frau Friedländer, Herrn Sonnenthal BanquierDutschka, Generaldirector Sochor, Grafen und Gräfin Larisch, Herrn Landauet re. Freiherr Albert v. Rothschild sendete eine Schüssel mit Blumenkorb aus massivem Gold mit der Inschrift: ״Meinem lieben Freunde Moriz Ritter v. Goldschmidt in dankbarer Erinnerung; Freiherr Nathaniel v. Rothschild zwei prachtvolle Vasen mit Blumen; Herr v. Landauer eine große Vase aus Gold; Fanny Elßler eine kunstvoll ausgeführte Statuette, die berühmte Künstlerin selbst darstellend; Tilgner eine meisterhafte Statue der Jugend von seiner Künstlerhand; Frau Haizinger ihr Bild; Herr und Frau Gabillon ein Album; der Bruder des Gefeierten einen colossalen Silberbecher, die Namen sämmtlicher Familienglieder enthaltend. Zu den sinnigsten Geschenken zählte ein Tisch mit den Photographien sämmtlicher Mitglieder der Familie auf Porcellan, gespendet von zwei Söhnen des Jubelpaares; ein Silberteller mit der Ansicht von Frankfurt. Zwei Oelgemälde freuten den Jubilar am meisten. Das eine stellt den Moment dar, in dem der Curfürst von Hessen dem alten Anseln Meyer v. Rothschild sein Vermögen übergibt, das zweite die Rückgäbe des anvertrauten Gutes; die Figuren auf beiden Bildern sind porträtähnlich. Allgemeine Bewunderung fand ein allerliebstes Gemälde, einen Theil der Familie darstellend, von der anmuthigen Enkelin Marie Goldschmidt mit künstlerischem Verständniß ausgeführt; eine niedliche Blumenfregatte, deren Wimpeln die Namen der Söhne, Töchter und Enkel enthielten. Von Mittag an fuhren die Glückwunschdeputationen vor. Zuerst erschien der Bürgermeister von Wien, begleitet von den Gemeinderäthen Haupt mann und Wiener, und überreichte mit einer festlichen Ansprache die große goldene Salvator- Medaille. R. v. Goldschmidt dankte gerührt, er nenne sich mit Stolz einen Bürger von Wien und er übergebe diese Medaille seinen Kindern als theuersten Schatz. Mit Freude wies er auf seine Söhne und unter ihnen auf Denjenigen hin, der die Ehre habe, zu den Vertretern der Gemeinde zu zählen und dort gewiß seine Pflicht erfüllen werde. Dann folgten Deputationen der Nordbahn, der Südbahn, des Hauses Rothschild. Alle brachten herzliche Wünsche dem glücklichen Paar. Wien. Donnerstag den 8. d. M. fand die neunte ordentliche Generalversammlung der ״Israelitischen Allianz" zu Wien statt. Auf der Tagesordnung standen der Bericht über die Thätigkeit und die finanzielle Gebarung des Vereines im Jahre 1881, die Wahl von fünf Mitgliedern des Vorstandes, die Wahl eines Mitgliedes in den Beirath und etwaige Anträge der Mitglieder. Nach Verlesung des Rechenschaftsberichtes, den wir an anderer Stelle reproduciren. wurde über Anregung des Herrn A. L. Löwy ein dreimaliges Hoch auf Se. Majestät den Kaiser ausgebracht, weiters über Antrag des Herrn L. v. Wertheim st ein dem Vorstande und dem Präsidenten der ״Allianz" für ihre aufopferungsvolle Thätigkeit einstimmig der Dank votirt. Hieranf macht der Präsident Mittheilung über

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.