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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-06-01 · Heft 20 (1.6.1882) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 20 (1.6.1882)
Date
1882-06-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Toast folgte auf Toast. Präses. Goldstein toastirte auf die Collegeu Böhmeus. worauf ihm College Waller st eiu aus Prag herzlichst erwiderte; College Rotter aus Turuau auf die Collegeu Uugarus und der ganzen Monarchie; College Lamm aus Pohrlitz dankte demselben im Namen der Cantoren Mährens. College Iwanofsky aus Waag-Bistritz im Namen der Cantoren Ungarns. Herr A. Löwit, als Vertreter der jüdischen Presse, besprach in einer geistreichen Rede die große Bedeutung des Cantorenstandes. College Holzer, der Mann mit dem unverwüstlichen Humor, leerte sein Glas in drei Zügen: der erste Zug galt unserem Redacteur Kulka, det zweite unserem Feuilletonisten A. von Zemlinszky, der dritte dem Verfasser der ״Musikbriefe", H. Goldstein, Fünshaus. Fortsetzung -er Berathung. Donnerstag den 31. Mai a. 6. wurden die Statuten von §. 14 bis zum Schluß einer eingehenden Besprechung unterzogen. Nach Schluß der Sitzung erhoben sich sämmtliche Anwesende von ihren Sitzen, intonirten die Volkshymne und brachten ein dreimalig donnerndes Hoch auf Se. Majestät den Kaiser aus. Das Ergebniß der Wahlbesprechung für die Centrale und die Zweigniederlassungen, sowie die endgiltig beschlossenen Statuten werden wir in nächster Nummer veröffentlichen. Zur Leichenbestattungsfrage. Die Leichenbestattung bildete zu allen Zeiten ein wichtiges Moment in dem Culturleben der Völker. Die ältesten hochwichtigen Denkmale, welche uns die Bedeutung dieser Frage bei dem ältesten Culturvolke in Erinnerung bringen, sind die Pyramiden und die Königsgräber des alten Aegypten, deren Erbauung zum Theil in das Jahr 2800 vor Christi zurückfällt. Auch die Königsgräber des alten Juda sind uns heute noch erhalten und die Geschichte bringt uns manche, wenn auch nicht völlig beglaubigte Mittheilungen über die Leichenfeierlichkeiten, welche zu Ehren eines Alexander des Großen von Makedonien, des römischen Imperators Cäsar, des Westgothen Alarich, des Hunnenkönigs Attila veranstaltet wurden. Auch die griechische Culturgeschichte ist reich an Beispielen, daß man den geliebten Todten eine weit über das Grab hinausreichende, pietätvolle Erinnerung widmete. Mit der Verbreitung der Civilisation trat eine vollstän-. dige Umwälzung der Sitten ein. Die rohen Gebräuche, die verschwenderische Pracht, wie sie um sich gegriffen hatte, wurden verabscheut. Diese Zeit erfaßte zuerst den bedeutungsollen Moment des Todes, in welchem die Seele zum Richterstuhle des Allerhöchsten emporgetragen wird, in seiner ganzen Reinheit und verband daher die Bestattungsfeierlichkeiten mit religiösen Ceremonien. " Von dem Augenblicke an, in welchem der Sarg auf dem Friedhofe anlangt, hat der Todtengr über die letzte Sorge übernommen, den der letzten Ruhestätte Zugeführten unter die Erde zu schaffen. Am Grabe angelangt, finden die Hinterbliebenen nichts als einen höchst primitiven Apparat. Rohe Balken, Bretter und Stricke bilden den Schluß der Trennung zwischen dem Todten und den trauernden Hinterbliebenen, um denselben als letzte Erinnerung im Gedächtnisse zu bleiben. Und das ist die ״Leichenbestattungsfrage", die als Lücke in der fortschreitenden Entwickelung unseres Begräbniß- Wesens bisher noch offen geblieben ist. Sache des Todtengräbers kann es nicht sein, für die Tröstungen des letzten Augenblickes in angemessener Weise zu sorgen, wohl aber für die richtige Größe und Tiefe des Grabes, um dem Verstorbenen die vom Gesetze vorgeschriebene letzte Ruhestätte zu bieten. Und so geschieht es denn oft, daß sowohl die Pietät gegen den Todten, als auch die erregten Gefühle der Ueberlebenden statt besänftigt, gerade im letzten Augenblicke der Trennung auf die empfindlichste Weise verletzt werden. Jedermann, der einer solchen Leichenfeier beiwohnte, sei es als Leidtragender oder als bloßer Zuschauer, wurde gewiß von der letzten Action, die der Todtengräber mit seinen Leuten vornimmt, unangenehm berührt. Das Zurückdrängen der Leidtragenden und das Herumtummeln der Leute, die natürlich das Begräbniß geschäftsmäßig betreiben, das fortwährende Commandiren derselben und.endlich das Hinablassen des Sarges in das Grab wird sowohl durch das Geächze der durch die Hände gleitenden Stricke, sowie, wenn die Leiche am Boden des Grabes angelangt ist. durch das Fallenlaffen und das Durchziehen der Stricke unter dem Sarge zu einer widerlichen Scene und ist nur dazu geschaffen, den letzten Eindruck als den empfindlichsten, verletzendsten zu gestalten. Der Zweck, die Leiche in das Grab zu legen, ist durch diesen Vorgang wohl nothdürftig erfüllt, jedoch ein beabsichtigter feierlicher Traueract wird auf diese Weise nicht erzielt. War es ja doch schon oftmals der Fall, daß das Hinablassen des Sarges bei sehr korpulenten Leichen eine angstvoll erregte Scene bildete und die Leidtragenden während desselben nicht nur befürchten mußten, daß möglicher Weise der Sarg in das Grab stürzen könne, sondern an den angestrengten Gesichtern der Todtengräbergehilfen die Besorgniß herablasen, daß diese ihre mühevolle Arbeit nicht anstandslos würden vollenden können. (Fortsetzung folgt.) Wereinsnachrichten. Unseren liebenswürdigen Kollegen, die sich zum Kan- Lorentage zur ernsten WeraLhung zusammengefunden, unsere herzlichsten Grüße und wärmsten Dank für die große Wühe, der sie sich unterzogen, um das Werk vollenden zu helfen. Nachdem sich der Verein in der Generalversammlung am 29., 30. und 31. Mai a. c. constituirt hat, ersuchen wir die geehrten Vereinsmitglieder, den Gründungsbeitrag per 1 fl. an die Centrale des Vereines einfenden zu wollen. Die ordentlichen Jahresbeiträge sind nach Genehmigung der Statuten einzuzahlen. Das Comits des ״Oesterr.-ungar. Cantoren- Vereines" in Wien: I. Wauer. I. Goldstein. Aviso. Wir ersuchen um frenndliche Einsendung der rückständigen Abonnements und Inseratengebühren, um unliebsame Störungen in der Zusendung des Blattes zu vermeiden. __, Die Redaction. Gorrvesponöenz. CollegeBaer, Gothenburg. Vom 1. Juli bis 31. December 1882׳ Beilage war blos Legitimationskarte für den Cantorentag, daher für Sie ohne Belang. '.:SS

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