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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-06-01 · Heft 20 (1.6.1882) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 20 (1.6.1882)
Date
1882-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Hierauf ergreift Redacteur A. Kulka das Wort: 'Meine geehrten Herren Collegen und Freunde! Wir haben uns heute in Oesterreichs Metropole aus allen Gauen unseres schönen Vaterlandes vereinigt, haben uns zusammengefunden, um zu beschließen, zu berathen in Friede und Eintracht. Diese unsere Zusammenkunft hat eine tiefernste, historische Bedeutung und wahrlich, der heutige Tag verdient es, in den Annalen der Geschichte eingezcichnet zu werden, es ist ein Tag, dessen man gewiß noch lange gedenken wird, und mit Liebe und Achtung wird man von den Männern sprechen, die sich ' an demselben hier zusammengefmiden. um zu berathen für das Wohl der Ihrigen, wie am dienlichsten und zweckmäßigsten dafür Sorge getragen werden könne. Und so wollen wir denn an unser erhabenes Werk schreiten. Um dies aber heute thun zu können, mußte die Redaction der ״Oesterr.-ungar. Cantoren- Zeitung" gar manches große Opfer bringen. Wir wußten zu Beginn des Unternehmens bereits, daß wir keinen leichten Stand haben würden und ungeachtet uns von Nah und Fern Zustimmungen und Glückwünsche von Collegen und Freunden zukamen, — wir wüßten es doch, daß wir, ungeachtet wir ein friedliches Werk begonnen hatten, dennoch von gar manchen Seiten Undank, ja sogar Anfeindungen einzuernten haben werden. Fest und sicher mußten wir uns auf die Füße stellen, nachdem man unser Streben vernichten und unmöglich machen wollte. — Wochenlang waren wir leider zur Unthätigkeit verurtheilt. Wir, die wir mit allen Sehnen und Fibern unseres Herzens die uns heilige Sache herbeiwünschten, wir, sage ich, mußten es hören, daß man in Pest für unsere Niederlage arbeite. Ich meine damit jenen Cultusbeamtenverein — wo wir Cantoren gleich einem Sandkorn in der Wüste — unter all' den Rabbinen, Schämosim, Schochtim, Mohlim und vielen Anderen — verschwunden wären. Ja freilich, wenn wir einen Verein für Cultusbeamte hätten gründen wollen, meine Herren Collegen, so wie in Pest, dann verpflichte ich mich, dem Vereine 2000 Mitglieder zuzuführen, — doch binnen Jahresfrist hat sich derselbe durch Hader und Zwietracht wieder aufgelöst, — denn zusammengewürfelte Elemente können niemals einheitlich gedeihen. Und dann, meine Herren, wie könnten wir den ersten Grundsatz unseres Vereines: ״die Hebung des Cantorenstandes nach jeder Richtung hin zu bewerkstelligen", in Ausführung bringen? Kümmern sich etwa Rabbiner, Schämosim, Secretäre rc. rc. darum? — Meine Herren! Also offen und frei, was halten Sie von diesem Vereine, der einzig und allein nur deshalb gegründet wurde, um unserem Vereine Opposition zu machen, was halten Sie von jenen Männern, die uns feindselig gegenübertraten, lediglich nur deshalb, weil w i r von der Idee begeistert waren, Gutes, Schönes, Erhabenes im Vereine mit unseren Collegen zu schaffen und nicht sie? Meine Herren! Was halten Sie von diesem Vereine, der sich geradezu verächtlicher Mittel bediente, der, um an's Ziel zu gelangen, sich nicht entblödete, in anonymen Flugschriften als ״Fünfercollegium" gegen uns aüfzutreten? Wir wollten damals, wie Sie aus unserem Blatte ersehen haben, den Frieden im Interesse unserer guten Sache, wir ignorirten damals die gegen uns gerichteten frechen Anfchuldigungen. — Heute sind wir jedoch verpflichtet, darüber zu sprechen. — Mich selbst, als Redacteur der ״Oesterr.-ungar.׳ Cantoren-Zeitung", hat man mit den gemeinsten Schimpfnamen belegt. Man versuchte es, meine Vergangenheit in den Koth zu zerren. Wir aber, meine Herren Collegen, wir schmiegen, wo es nur immer thunlich — denn wir hatten nur ein Ziel vor Augen und das war die Gründung unseres Vereines. — Ich komme nun zum Schluffe meines Berichtes, meine Herren; es gäbe wohl gar Vieles noch zu sagen, doch kurz ist die Zeit nur, die uns zur Berathung übrig bleibt. Sie haben ja doch Alle aus unserem Journale entnommen, welche Anstrengungen es uns kostete, um endlich das Ziel zu erreichen, nach welchem wir strebten. Und wir haben es erreicht — wir haben uns zusammengefunden — unsere und Ihre Aufgabe, meine Herren, i^t es nun, dieses geschaffene Werk mit einheitlicher Signatur zu versehen. — Gehen wir nun mit Gott an die Berathung! Hierauf ergriff College Holzer das Wort: Es war Abend, es ward Morgen — ein Tag! Wir Cantoren haben eine lange Nacht durchlebt: sie zu schildern, halte ich nicht für nöthig, denn Sie Alle, meine Herren, kennen sie, kennen sie nur zu genau. — Allein nun haben wir einen Tag. Unser vielgeliebter Monarch sprach: ״Es werde Licht!" und durch diese mächtigen Worte ist es auch für uns Tag geworden (stürmischer Beifall). ״Und Gott setzte sich ein Zeichen", dieses Zeichen, meine Herren, befindet sich in unserer Mitte, mit silberstrahlender Krone des weißen Lockenhauptes. Unser Vater Sulz er sei das Zeichen, um das wir ausharren in Frieden und Eintracht. — Meine Herren, bevor wir an die Berathung schreiten, lassen Sie mich die ernste Bitte an Sie richten: Gehen wir in Friede und Eintracht an die Arbeit. I e d w e d c F e i n d s e l i g k e i t sei vergessen, jedwedes Unrecht sei verziehen, denken wir nur an jene unglücklichen B rü.der und Amtsgenossen, die in elender Stellung schmachten, zu deren Wohl e wir j a v o r A l l e m z u a r b e i t e n h i e r v e r s a m m e l t s i n d, an nichts weiter! Also nochmals: Friede, Ei ntracht, Einigkeit! (Stürmischer, minutenlanger Beifall) Berathung Der Statuten. Nun gelangten die provisorischen Statuten, wie wir sie seinerzeit veröffentlichten, zur Verlesung und Berathung. An der Debatte nahmen besonderen Antheil: Die Cantoren Prags. College Holzer. G.-Jenikau; Rosenfeld, Pisek; Frei sing er, Pilsen; Fränkel, Strakonitz: Duldn e r, Szentes; B e r n f e l d, Preßburg: E i s e n b e r g e r, Eisenstadt; Steiner, Gr.-Meseritsch; Lamm, Pohrlitz; Löw, Floridsdorf; Petersilka, Wien; Blatt, Wien: H. Goldstein, Fünfhaus. Ad §. 1 brachte College Holzer aus Jenikau den Antrag ein, eine P e n s i o n s c a s s a zu gründen, welchem Anträge sich auch College Jwanofsky, Waag-Bistritz, anschloß. — Nach längerer Debatte wurde derselbe abgelehnt, da heute noch nicht der geeignete Zeitpunkt hiezu sei und dies erst nach Gründung eines Fonds geschehen könne. §§. 1—13 wurden theils in selber Fassung, theils mit Aenderungen angenommen. Nachdem es bereits 7 Uhr Abends geworden, wurde die Sitzung geschlossen und für den nächsten Tag der 31. Mai a. 6., Vormittags 9 Uhr, anberaumt. Abends 8 Uhr versammelten sich die Collegen abermals in Bley's Restauration zu einem gemeinschaftlichen Mahle und wenn sie bei der Generalversammlung gezeigt hatten, daß sie ernste Denker sind und mit gediegenen Worten für und gegen sprachen, so waren sie wieder beim geselligen Mahle die gemüthlichsten Männer, deren geistreicher Witz und muntere Laune der Gesellschaft ein unbeschreibliches Wohlbehagen vdrlieh.

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