Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 20 (1.6.1882)
- Date
- 1882-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 nunmehr zuerkannt werden, ich auch in der Zukunft mit allen mir zu Gebote stehenden geistigen Mitteln dahin wirken werde, um den unter so blühenden Anspicien entstandenen Verein mit Mitwirkung seiner Herren Mitglieder einer glanzvollen, dem genommenen Ziele entsprechenden Zukunft zuzuführen. Nur wenige Worte sind es, die der Gründer des Cantoren- Vereines, Vicepräses Bauer, an die Versammelten richtet: Hochgeehrte Versammlung! Bevor wir an die ernste Berathung unserer Angelegenheiten schreiten, sei es mir, als-dem Gründer der ״Oesterr.- Ungar. Cantoren-Zeitung" und des Vereines gestattet, meiner innigsten Freude über das endliche Gelingen unseres Werkes, über die Constituirung des österr.-ungar. Cantorenvereines, Ausdruck zu geben. Was der Cantorenverein anstrebt, brauche ich nicht weiter zu erörtern; der geehrte Vorredner hat ein treffendes Bild entworfen, wie es in der Cantorenwelt bisher ausgesehen hat und wie sich die Verhältnisse in Zukunft gestalten werden. * Eines glaube ich jedoch hervorheben zu müssen. ' Das Werk gelang, weil wir unser ganzes Können und Wollen für die heilige Sache einsetzten, weil die Hoffnung, jene mächtige Triebfeder des menschlichen Handelns, uns trotz vielfacher Hindernisse niemals verließ. Sie nun, meine geehrten Collegen, die hier versammelt sind und auch Diejenigen, denen es nicht gegönnt ist, heute in unserer Mitte zu weilen, haben diese Triebfeder durch Aneiferung in steter Bewegung erhalten. Sie sind uns jederzeit mit gutem Rathe zur Seite gestanden und dafür statte ich Ihnen den herzlichsten Dank ab. Was die ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung" geleistet und in welcher Weise sie ihre Aufgabe erfüllt hat, darüber wird der Miteigenthümer Herr Cantor Blatt Bericht erstatten. Derselbe ergreift das Wort: Geehrte Versammlung! Als Miteigenthümer der ״Oesterr.-ungar. Cantoren- Zeitung" halte ich mich angenehm verpflichtet, Euch, geehrte Collegen und Gönner, Bericht zu erstatten über unser Wirken von dem Tage an, wo wir unser Blatt in die Welt hinaussandten bis heute und zweitens unsere Stellung und unser Wirken in dem Cantorenvereine zu präcisiren. Zur Zeit, in welcher wir unsere erste Nummer in die Oeffentlichkeit sandten, da war es noch am österr - ungar. Cantorenhorizonte so ziemlich stille. Jeder Cantor existirte nur für sich allein in seiner Gemeinde und hatte er so viel erreicht, daß er für sich und seine Familie sein täglich Brod verdiente, so glaubte er seinen Lebensberuf schon erfüllt zu haben. Das Gefühl und Bestreben nach einer Zusammenge- Hörigkeit, nach einem Verbände, wie er draußen in Deutschland vor Jahren schon angeregt wurde, mag wohl einem oder dem anderen Collegen als Ideal vorgeschwebt haben, aber in Oesterreich und, ich betone es, auch in Ungarn ist diese Idee erst durch die ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung" zu Fleisch und Blut geworden. Jeder Handwerker, jeder Gerwerbetreibende, jeder Fachgelehrte gehört einem Vereine, einem Verbände, einer Genossenchast an; nur wir Cantoren liefen bis jetzt vereinsamt gleich Nomaden umher. Dies soll-nun׳ anders, werdem. . Sehr viele Fragen und Aufgaben wurden in. unserer ersten Nummer gestellt. Wer soll sie beantworten,;wer soll sie lösen? •׳ Wir sagten damals: Der Cantorenverein wird und muß sie zur Lösung bringen. Bei der Gründung unseres Vereines dachten wir durchaus nicht an pecunare Erfolge. Das Wohl und Wehe unserer Berufsgenossen, besonders in kleineren Gemeinden, lag uns vor Augen, ihre Stellung wollten wir verbessern, ihre Witwen und Waisen wollten wir nach Kräften unterstützen, ihr Ansehen wollten׳ wir fördern und heben. Was wir versprochen, das war kein eitles Vorspiegeln, das war keine Phantasie, wie sie jungen Köpfen entspringt, es war ein reifes, wohlüberlegtes Handeln. Und wenn sich auch so manche personificirte Eitelkeit nicht entblödete, unser ehrliches Streben zu verhöhnen oder gar zu verdächtigen, indem sie sagte, daß wir unseren Collegen Vorspiegelungen für idealen Firlefanz, machen, so beirrte uns dies nicht im Geringsten. Wir hatten nur das eine Ziel im Auge und wenn wir es erreichen, so ist dies für uns Erfolg genug. Daß unser Streben und. Wollen ein ernstes und würdiges, haben Sie Alle schon dadurch erkennen müssen, daß sich an unsere Spitze ein Mann gestellt hat, den wir' als den Lehrer und Meister aller lebenden Cantoren des ganzen Continents anerkennen, schätzen uno verehren.' Glücklich und freudig durch die Acquisition, die wir an unserem Meister Sulz er für unsere Idee gemacht, gingen wir sofort an unsere Arbeit. Alle Cantoren Wiens und der Umgebung nahmen regen Antheil an den Berathungen und unter Vorsitz unseres geehrten Obmannes Herrn Jo,ef Goldstein (den wir deshalb als Obmann wühlten, weil derselbe von seiner frühesten Jugend an dem Cantorenstand angehört, weil derselbe seit 24 Jahren in der Wiener Cultusgemeinde derartig Hervorragendes leistes daß wir ihn heute, ich sage es offen und eine Million Juden wird es uns unterschreiben, als den bedeutendsten der Cantoren betrachten können) gedieh unsere Arbeit so weit, daß wir heute die Freude und die Genugthuung genießen, Sie, geehrte Collegen, nicht nur als unsere lieben Gäste, sondern auch als Mitberather und Mitarbeiter begrüßen zu können. Die letzte Feile wollen wir an unsere Statuten legen, um sie der Genehmigung der hohen Statthalterei zu überreichen. Hiermit glaube ich klar gelegt zu haben, daß die Heraus-, geber und Eigenthümer der ״Oesterr.-ungar.Cantoren-Zeitung" Das gehalten haben, was sie versprochen. Mit Freude und Genugthuung blicken wir auf das bis-? her Geschaffene und hoffen, daß unser Wirken bei unseren Herren Collegen ohne Mißgunst und Neid gebührend anerkannt werden wird. Zum Schluffe erlaube ich mir nochmals zu betonen, daß wir unser Unternehmen: 1. deshalb gegründet haben, weil wir es als Basis betrachteten, auf der allein ein Cantorenverein gegründet werden kann; 2. weil es der feste Kitt sein soll, -die Cantoren aller Länder unseres geliebten Vaterlandes zusammen zu halten und 3. weil ein Journal nothwendig ist, damit alle unseren Stand betreffenden Fragen zur Lösung gebracht werden können.